Aktualisiert 07.06.2012 13:37

Villeneuves Kritik«Die Formel 1 ist kein Videospiel»

Der einstige Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve äussert sich harsch über Lewis Hamilton und Co. Er warnt davor, dass die heutigen Piloten mit ihrer Fahrweise zu viel Risiko eingehen.

von
fbu
Jacques Villeneuve posiert mit dem Auto seines Vaters.

Jacques Villeneuve posiert mit dem Auto seines Vaters.

Jacques Villeneuve, der Formel-1-Weltmeister aus dem Jahr 1997 meldet sich im Vorfeld des kommenden GPs in Montreal zu Wort. Am Rennwochenende agiert der Kanadier als Co-Kommentator bei Sky Sport F1. Die Zuschauer des Senders dürfen sich schon auf markante Sprüche freuen. Der Kanadier gilt als Charakterkopf, der schonungslos seine Meinung kundtut.

Bereits vor dem Rennen hat Villeneuve mächtig für Zündstoff gesorgt. Der einstige Weltmeister bezeichnete die Art und Weise, wie heute in der Formel 1 gefahren werde, als schockierend. «Es scheint nur sehr wenig Menschenverstand auf der Rennstrecke zu geben», sagte der Kanadier. Es sei seltsam, was die Fahrer heute für anständiges Fahren halten. «Es gibt keinen Respekt unter den Piloten und sie tun Dinge, die in der Formel 1 nie passieren dürften. Es ist verrückt, wie sie heute fahren.» Der Ex-Weltmeister spricht damit auf mehrere heikle Manöver an, die in dieser Saison für Diskussionen sorgten. Augenscheinliche Beispiele sind für Villeneuve Nico Rosbergs Defensivtaktik in Bahrain, Heikki Kovalainens harter Kampf in Monaco gegen Jenson Button sowie das Verhalten der Sauber-Piloten in China.

Von Baby-Piloten und Videogames

Villeneuve glaubt, dass die Piloten von heute vergessen hätten, dass die Formel 1 sehr gefährlich sei. «Sie denken, es sei ein Videogame», führt er aus. Der heute 41-Jährige ist der Überzeugung, dass früher alles besser gewesen sei. «Vor 20 oder 30 Jahren gab es das nicht, dass zwölfjährige Jungs eine komplette Finanzierung für den Rennsport gesichert hatten. Damals musste man sich dies alles mit viel Schweiss erarbeiten und es waren keine kleinen Jungs unterwegs. Heutzutage sind es Babys.»

Die Mentalität, die momentan vorherrsche, sei eine grosse Gefahr. Viele Fahrer gehen laut Villeneuve ein zu hohes Risiko ein. Man verhalte sich zwar meist den Regeln entsprechend, aber nicht verantwortungsbewusst. «Eines Tages wird etwas passieren», prophezeit der erfahrene Rennfahrer. «Es ist eben kein Videospiel. Es ist sehr, sehr gefährlich.» Der 41-Jährige musste hautnah miterlebten, wie gross die Gefahren in der Formel 1 sind. Sein Vater Gilles Villeneuve, nach welchem die Strecke in Montreal benannt ist, starb 1982 während des Qualifyings zum Grand Prix von Belgien.

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