New York: Die Freiheitsstatue ist eine Araberin
Aktualisiert

New YorkDie Freiheitsstatue ist eine Araberin

Die Freiheitsstatue ist das Symbol für das christliche Amerika. Als Inspiration diente ihrem Schöpfer allerdings eine Muslimin.

von
jcg

Seit 1886 begrüsst die Freiheitsstatue, auch Lady Liberty genannt, im Hafen von New York ankommende Schiffe und Passagiere. Das Monument war ein Geschenk des französischen Volks an die Vereinigten Staaten und stellt offiziell Libertas, die römische Göttin der Freiheit, dar. Ihre Gestalt hat allerdings ein ganz anderes Vorbild.

Die Figur stellt eine ägyptische Bäuerin dar, wie die angesehene Smithsonian Institution in einer Mitteilung schreibt. Die Forschungseinrichtung stützt sich dabei auf mehrere Arbeiten, die zum Schluss kommen, dass der französische Künstler Frédéric-Auguste Bartholdi sich von einer arabischen Frau inspirieren liess.

Begeisterung für Abu Simbel

Der Bildhauer bereiste in den Jahren 1855 und 1856 Ägypten, wo er laut dem US-Nationalparkdienst eine «Leidenschaft für grossangelegte Monumente in der Öffentlichkeit und kolossale Skulpturen entwickelte». Besonders die Tempel von Abu Simbel mit ihren riesigen Statuen hatten es ihm angetan.

Als Ägypten 1869 um Vorschläge für einen Leuchtturm in Port Said am Suezkanal ersuchte, schuf Bartholdi das Modell einer monumentalen Statue. Sie stellte eine in Roben gehüllte Frau mit einer Fackel in der Hand dar. Er nannte sein Werk «Ägypten bringt das Licht nach Asien». Es sollte eine Art Koloss von Rhodos des industriellen Zeitalters werden.

Von der Bäuerin zur Göttin

Laut Barry Moreno, der mehrere Bücher über die Freiheitsstatue geschrieben hat, sollte die Statue die Gestalt einer verschleierten Bäuerin, einer sogenannten Fellachin, haben. «Die Statue sollte 26 Meter hoch sein und der Sockel 14,5 Meter erreichen», so Moreno.

In seinem Werk «Statue of Liberty» zeigt Moreno Fotografien einiger früherer Modelle Bartholdis, die der Freiheitsstatue tatsächlich verblüffend ähnlich sehen. Daran lässt sich die Entwicklung nachvollziehen «von einer riesigen Fellachin hin zu einer kolossalen Göttin», wie der Autor Edward Berenson schrieb.

Ägypten wollte allerdings kein solch kostspieliges Monument finanzieren und baute stattdessen einen simplen 60 Meter hohen Leuchtturm in Port Said. Bartholdi erhielt seine zweite Chance schon 1870, als er sein Konzept für die Freiheitsstatue wieder ausgrub, leicht modifizierte und «La Liberté éclairant le monde» (Die Freiheit erhellt die Welt) taufte.

Deine Meinung