Heuschreckenplage in den USA: «Die fressen die T-Shirts von der Leine»
Aktualisiert

Heuschreckenplage in den USA«Die fressen die T-Shirts von der Leine»

Bereits in biblischen Zeiten wurden Siedlungen von gefrässigen Heuschreckenschwärmen heimgesucht. US-Rancher fürchten die Grashüpfer diese Saison besonders. Der Sommer könnte zum Albtraum werden.

von
Matt Joyce
AP
«Sie fressen die Blätter und lassen den Stängel stehen.» Heuschrecken fressen alles.

«Sie fressen die Blätter und lassen den Stängel stehen.» Heuschrecken fressen alles.

Wenn die Heuschrecken einfallen, so heisst es hier in der Prärie im Nordosten von Wyoming, dann ist kein Halten mehr: Sie wimmeln überall und fressen alles ratzekahl. Rancher und Farmer in mehreren Bundesstaaten der USA befürchten, dass die Schreckensgeschichten diesen Sommer zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Wirklichkeit werden.

Eine Zählung ausgewachsener Grashüpfer im Herbst lässt darauf schliessen, dass Teile von Wyoming, Montana, South Dakota, North Dakota, Nebraska und Idaho mit einem massiven Befall rechnen müssen. Das wird teuer. Landwirte und Schädlingsbekämpfer beten zum Himmel, dass es im Mai und Juni, wenn die Grashüpfer schlüpfen, zu deren Schaden schön kühl und regnerisch wird. So lange versuchen sie die Millionen Dollar aufzutreiben, die es kosten würde, die Schwärme mit Insektiziden zu bekämpfen.

Mit Stumpf und Stiel

«Das sind Grasfresser», weiss Tom Wright, ein Rancher aus Newcastle. «Sie fressen die Blätter und lassen den Stängel stehen.» Bis sie den dann auch verzehren. «Wenn es wirklich dicke kommt, sagen die Leute, dann fressen sie die T-Shirts von der Wäscheleine.» Er erinnert sich gut an eine Plage Mitte der 80er Jahre, als die Heuschrecken so dicht an dicht sassen, dass man keinen Zaun anfassen konnte, ohne welche zu zerquetschen.

Heuschrecken kommen überall in den USA vor, doch Massenbefall gibt es vor allem auf den Great Plains, den grossen Grasebenen, und im Westen. Die verschiedenen Arten werden knapp zwei bis über acht Zentimeter gross. Ökologisch sind sie insofern nützlich, als sie anderen Tieren zur Nahrung dienen. Doch manche Arten können täglich ihr Körpergewicht an Pflanzenmasse vertilgen und bis zu sechs Mal so viel vernichten. Zudem herrschten bei der letzten Zählung Wanderheuschrecken vor, die bis zu 100 Kilometer am Tag zurücklegen können. Es wird befürchtet, dass im Sommer bis zu 19 Millionen Hektar Land befallen sein könnten.

Weniger Heu, weniger Rinder, weniger Mais

«In manchen Bundesstaaten könnte es zum schwersten Ausbruch seit beinahe 30 Jahren kommen», sagt der Experte Charles Brown vom Landwirtschaftsministerium voraus. Einen Überblick über die Schadenssumme gibt es nicht, doch allein in einem einzigen Landkreis kann das Versprühen von Schädlingsbekämpfungsmitteln Millionen Dollar kosten.

Als die gefrässigen Insekten vorigen Sommer schon einmal in Wyoming auftauchten, litt die Heuernte, und viele Rinderzüchter mussten ihre Herden verkleinern. Rancher Wright stiess keine Tiere ab, doch sein Vieh wog im Herbst deutlich weniger als sonst, weil die Heuschrecken die Weide geplündert hatten. Für den Winter musste er für 10.000 Dollar Futter zukaufen. Auch über Mais und Alfalfa, Sonnenblumen, Sojabohnen und Zuckerrüben fallen die Heuschrecken her und schaden der Ernte.

Insektizid oder Regenwetter

Bekämpft werden sie gewöhnlich mit einem Insektizid, das von Flugzeugen versprüht wird. Es vernichtet sie im Nymphenstadium, muss also innerhalb weniger Wochen nach dem Schlüpfen ausgebracht werden. Die Kosten allein im Kreis Niobrara im Osten Wyomings schätzt Gail Mahnke vom Amt für Schädlingsbekämpfung auf 1,2 Millionen Dollar diesen Sommer, die auf die Landwirte umgelegt werden.

Was passiert, wenn das Wetter zur rechten Zeit schön schlecht ist und die Heuschrecken eingehen, weiss sie auch nicht. «Wir reden von 1,2 Millionen nur in diesem Kreis; alles wird organisiert und das ganze Geld ist da, und dann sind die Witterungsbedingungen einfach perfekt - was dann?»

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