Aktualisiert 31.01.2012 13:33

«Time-Out»

Die «Frösche» legen die Tigers lahm

Haben zu viele Francokanadier die SCL Tigers die Playoffs gekostet? Trainer John Fust hat am Wochenende diese bitterböse Frage durch Taten mit «Ja» beantwortet.

von
Klaus Zaugg
Im September 2011 standen Joel Perrault, Robin Leblanc und Pascal Pelletier noch gemeinsam auf dem Eis - und durften auch jubeln.

Im September 2011 standen Joel Perrault, Robin Leblanc und Pascal Pelletier noch gemeinsam auf dem Eis - und durften auch jubeln.

In Nordamerika werden die francokanadischen Spieler gelegentlich als «french frogs» («französische Frösche») verhöhnt. Inzwischen gilt diese Bezeichnung als rassistisch und hat schon Debatten im kanadischen Parlament provoziert. Aber eben: Den Begriff haben die Kanadier selber erfunden und gehört nun halt zur Hockeykultur.

In Langnau haben sich die Hockeymacher in den letzten Jahren im stillen Kämmerlein oft über den grossen Bruder SCB gewundert und das auffallende Scheitern in den Playoffs (in sechs Jahren dreimal als Qualifikationssieger in den Viertelfinals gescheitert) dem zu grossen Einfluss der «french frogs» zugeschrieben. Tatsächlich hat der SCB seit jeher eine hohe Affinität zur welschen Kultur und immer wieder grosse francokanadische Spieler (u.a. Dubé, Bordeleau, Gamache, Sarrault, Gelinas, Abid, Vigier, Déruns) in seinen Reihen.

Pelletier und seine beiden Freunde

Und nun haben die SCL Tigers im Grunde den gleichen Fehler gemacht. Sie haben ihrem francokanadischen Captain Pascal Pelletier erlaubt seine beiden Jugendfreunde Joel Perrault und Robin Leblanc nach Langnau zu holen. Auch deshalb, weil er ein Held der letzten Saison war.

Aber dieses Trio war heuer nie dazu in der Lage, die Mannschaft offensiv zu führen. Die Statistik belegt ein spektakuläres Scheitern: Pelletier hat in 38 Partien 13 Tore und 19 Assists erzielt, Perrault ist nach 23 Partien (5 Tore/6 Assists) nach Ambri abgeschoben worden und Leblanc steht nach 42 Spielen gerade mal bei 2 Tore und 4 Assists.

Schlechte Bilanz in der Offensive

Die ungenügenden Torhüterleistungen und Verletzungspech spielen auch eine Rolle – aber das Versagen genau der Spieler, die das Team in der Offensive hätten prägen sollen, nehmen beim Scheitern eine zentrale Rolle ein. Nur die Lakers (89), Ambri (92), Biel (101) und Servette (105) haben bisher noch weniger Tore erzielt als die Langnauer (107). Letzte Saison produzierten die Emmentaler in der Qualifikation immerhin 149 Tore – ein Total, das sie in den restlichen sechs Runden nicht mehr erreichen werden. 14 Spiele gingen bisher mit einem Tor (oder einem zusätzlichen Treffer ins leere Netz) verloren – die SCL Tigers haben auch ein Offensiv-Problem.

Pelletier am Samstag auf der Tribüne

Natürlich weist Trainer John Fust meine hockeyrassistischen Analyse klafterweit von sich. Er räumt zwar ein, dass er mit Joel Perrault und Robin Leblanc nicht und mit Pascal Pelletier nicht ganz zufrieden sei (bzw. war). Aber einen Zusammenhang mit der Herkunft lehnt er ausdrücklich und in aller Form ab. Wir sollten Hockeygeneräle allerdings nicht nur an ihren Worten, sondern auch an ihren Taten messen: Ausgerechnet am letzten Samstag hat John Fust mit einem Personalentscheid meine «Froschteich-Analyse» bestätigt: Zum ersten Mal überhaupt hat er seinen Captain Pascal Pelletier auf die Tribüne gesetzt. Das Team hat mit einer starken Leistung reagiert und gegen Tabellenführer Zug ein 1:3 in einen 4:3-Sieg nach Verlängerung umgewandelt. Robin Leblanc war in diesem Spiel bloss ein Hinterbänkler in der vierten Linie.

Es war das Risiko wert

Und doch: Polemik gegen Trainer John Fust und Manager Ruedi Zesiger ist fehl am Platz. Stellen wir uns vor, die Langnauer wären diese Saison gescheitert, und es würde nun von irgend einem Lohnschreiber enthüllt, dass eine «Wiedervereinigung» einer der grossen Sturmlinien des kanadischen Juniorehockeys möglich gewesen wäre. Drei Jahre lang (von 2000 bis 2003) haben Robin Leblanc, Pascal Pelletier und Joel Perrault nämlich hoch im Norden bei Baie-Comeau (wo hin und wieder Bären und Wölfe durch die Strassen ziehen) gemeinsam auf höchster kanadischer Juniorenstufe gespielt. In etwas mehr als 200 Partien haben sie gemeinsam 255 Tore und 388 Assists produziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Trio bei einer «Wiedervereinigung» im Emmental die alte Spielfreude und Produktivität wieder finden und eine der besten NLA-Sturmreihen werden könnte, war sehr hoch. Das Experiment war das Risiko auf jeden Fall wert. Ja, die Langnauer konnten eigentlich gar nicht anders, als die offensive Führung des Teams diesem francokanadischen Trio überlassen. Dass sie im «Fröschenteich» baden gehen würden, war nicht vorauszusehen – zumal die Emmentaler ja ihren einzigen Meistertitel 1976 unter einem francokanadischen Trainer (Jean Cusson) gefeiert haben.

Chemie hat nicht gepasst

Dass gleich alle drei nicht ihr bestes Hockey spielen würden, ist ganz einfach Pech. Und dieses Versagen gehört zu den unergründlichen Geheimnissen eines Sportes, der halt auf einer rutschigen Unterlage gespielt wird. Niemand konnte ahnen, dass es notwendig wird, Joel Perrault nach Ambri abzuschieben (wo er inzwischen ebenfalls ein Ärgernis geworden ist), dass Robin Leblanc die schwächste NLA-Saison seiner ganzen Karriere erwischt und dass Pascal Pelletier zum überzähligen Ausländer degradiert wird.

John Fust betont richtigerweise immer wieder, dass die Chemie in der Mannschaft in Langnau einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist. Diese Chemie ist diese Saison im francokanadischen Fröschenteich verwässert worden. Wollen die Langnauer nächste Saison in die Playoffs, muss die Chemie wieder stimmen. Vielleicht haben wir ja am letzten Samstag gegen Zug mit Kurtis McLean, Mark Popovic und Vojtech Polak den ausländischen Kern einer neuen Playoffmannschaft gesehen.

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