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Schumis ComebackDie fünf grossen Hürden des M.S.

Durchs Band wird die Rückkehr von Michael Schumacher in den Rennsport beklatscht. Gar als «Retter der Formel 1» wird der Deutsche gefeiert. Dem Rekordweltmeister stellen sich aber grosse Hürden in den Weg.

von
Patrick Toggweiler

Während die Welt noch über die Rückkehr des Motorsport-Messias frohlockt, dreht Michael Schumacher bereits erste Runden in einem Ferrari. Aber nicht etwa im neuen F60, sondern in einem älteren Modell. Den F60 darf er noch nicht fahren - das Reglement will es so. Dies ist aber nicht die einzige Hürde, welche Schumacher seine Rückkehr in die Formel 1 erschwert.

1a. Schumis Körper

Von bis zu sechs Kilo Übergewicht spricht Schumis Vater im deutschen Nachrichtenmagazin «Fokus». Schumacher deswegen als zu dick für die Formel 1 zu bezeichnen wäre vermessen. Im Vergleich zu seinen besten Zeiten quillt da aber schon etwas Hüftgold aus dem Rennanzug. In der Formel 1 gilt es jedes Kilo zu optimieren. Gegen die 59 Kilo von Felipe Massa bringt Schumacher 75 auf die Waage. Das war nicht immer so. Trotz hervorragendem Fitnesstand warten bis zum Comeback am 23. August die eine oder andere Fettverbrennungs-Übung und wenig Kalorien auf den 40-jährigen.

1b. Schumis Nacken

Die grosse Unbekannte in Schumachers Körper ist sein Nacken. Nach einem schweren Töffunfall, bei dem er sich mehrere Male überschlug, verletzte er sich am Genick. Welche Schäden er dabei davontrug, wurde nie publiziert. Fakt ist: Schumacher musste sich wochenlang behandeln lassen. Seit diesem Sturz verzichtet er komplett auf Experimente mit Motorrädern auf der Rennstrecke. Noch ist nicht sicher, ob Schumachers Nacken den enormen Belastungen in einem Rennen standhält. Das bestätigt auch Schumacher-Sprecherin Sabine Kehm. Deshalb trainiert der Rekordweltmeister mit einer speziellen Nackentrainingsmaschine.

2. Schumacher kennt das Auto nicht – und darf es nicht kennenlernen

Seit Schumachers Austritt hat sich die Formel 1 enorm verändert: KERS, die Wiedereinführung von Slicks (Schumacher fuhr bereits auf Slicks – allerdings ist das 10 Jahre her), die neue Aerodynamik, der während dem Rennen verstellbare Frontflügel und die Abschaffung der Traktionskontrolle, welche Schumacher bei seinem letzten Ernstkampf in einem F-1-Wagen 2006 noch die Stange hielt. Der deutsche Ausnahmekönner steigt in ein ihm völlig unbekanntes Sportgerät. Und testen darf er den Wagen bis zum ersten freien Training auch nicht mehr.

Vor der Saison entschied Ferrari, nur Felipe Massa und Kimi Räikkönen die Tests fahren zu lassen. Schumacher sass angeblich nie im neuen F60. Aufgrund der Testverbote, welche im Zuge von Sparmassnahmen in der Formel 1 ausgesprochen wurden, ist es dem Deutschen nicht gestattet, vor dem freien Training im Hafen von Valencia Kurven im F60 zu drehen. Theoretisch erlaubt wären einige Kilometer Geradeausfahrt. So bleibt Schumacher nichts anderes übrig, als im alten Ferrari-Modell F 2007 zu üben: «Zwar kann ich hier keine aktuellen oder letztjährigen Autos fahren, aber ich möchte eben so viel wie möglich fahren», meinte Schumacher, der bereits am Freitagmorgen erste Runden drehte.

3. Schumacher kennt die Strecke nicht

Den neuen Hafenrundkurs von Valencia ist Schumacher bisher höchstens in seinem privaten Fahrzeug abgefahren. In einem Formel-1-Wagen noch nie. Trainings im Simulator werden den äusserst lernfähigen Deutschen auf die Strecke vorbereiten müssen. Ein solcher steht beim Mutterkonzern in Orbassano. Bereits eine Woche danach zieht der F-1-Zirkus dann aber in Schumachers Wohnzimmer ein – so der der Übername der Strecke von Spa.

4. Der Ferrari ist kein Überflieger

Die Ferraris hinken in dieser Saison der Konkurrenz hinterher. Erst drei Podestplätze gelangen der Scuderia. Räikkönen fuhr in Monaco und Ungarn jeweils aufs Podest. Diese Rundkurse gehören aber zu den langsamsten Strecken des Zirkus. Zuletzt resultierten gleich zwei Podestplätze hintereinander (Massa Dritter beim Grossen Preis von Deutschland, Räikkönen Zweiter in Ungarn). Um bereits von einem Aufwärtstrend zu sprechen ist es aber noch zu früh. Spätestens der schnelle Kurs von Spa wird zeigen, ob man gegenüber der Konkurrenz Boden gutmachen konnte.

5. Die Erwartungshaltung der Fans

Diverse Buchmacher führen den Deutschen für das erste Rennen in Valencia bereits vor seinem neuen Teamkollegen Kimi Räikkönen – und hinter Vettel, Hamilton und Webber auf Platz vier. Die «FAZ» sah in Schumacher bereits «den Retter der Formel 1». Fernsehstationen erwarten Rekordeinschaltquoten. Der siebenfache Weltmeister, der alles erreicht hat, unzählige Rekorde hält und der erfolgreichste Pilot aller Zeiten ist, steht unter Druck. Die Welt will ihn wieder glänzen sehen – und nicht rüpeln, was er genauso beherrscht.

Fürs Spektakel kann man nur hoffen, dass Schumachers Comeback nicht an seinem Nacken scheitert. Denn gespannt sein darf man auf jeden Fall, wie Schumacher die grossen Hürden seiner Rückkehr bewältigt.

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