Was will er wirklich?: Die fürchterlichen Checks von Joggi
Aktualisiert

Was will er wirklich?Die fürchterlichen Checks von Joggi

Weil er zu hart ist, um Stürmer zu sein, spielt er nun in der Abwehr. HCD-Trainer Arno Del Curto will aus Mathias Joggi einen der besten Verteidiger der Liga machen.

von
Klaus Zaugg
Arno Del Curto ist mit seinem «neuen» Verteidiger Mathias Joggi (l.) sehr zufrieden.

Arno Del Curto ist mit seinem «neuen» Verteidiger Mathias Joggi (l.) sehr zufrieden.

Er gehört zu den ganz wenigen Schweizern, die wirklich schmerzhafte Checks austeilen. Das Problem: Wenn Mathias Joggi in der gegnerischen Zone als Stürmer den Hammer auspackt, enden seine Einsätze zu oft auf der Strafbank und auf dem Schreibtisch von Einzelrichter Reto Steinmann. Bereits zweimal (2007/08 in Langnau und 2009/10 in Davos) musste er über 100 Strafminuten absitzen.

Checks der Verteidiger in der eigenen Defensivzone gegen angreifende Stürmer werden hingegen milder beurteilt. In der ersten Phase der Saison schmorte Mathias Joggi oft auf der Ersatzbank. Doch nun teilt er wieder fürchterliche Checks aus. Aber nicht mehr als Stürmer, sondern als Verteidiger; der «strafrechtliche Schaden» hält sich bisher in Grenzen.

Del Curto kam auf die Idee

Im Laufe dieser Saison ist HCD-Trainer Arno Del Curto auf die Idee gekommen, aus Joggi einen Verteidiger zu machen. Nicht nur wegen der Härte des ehemaligen Bieler Juniors, sondern auch, weil Joggi läuferisch den Ansprüchen nicht genügt, die in Davos an einen Stürmer gestellt werden. Diese Tempolimiten spielen in der Abwehr weniger eine Rolle.

Arno Del Curto ist mit seinem «neuen» Verteidiger sehr zufrieden. Es sei fast nicht möglich, dem kräftigen Joggi die Scheibe abzunehmen. Joggi schiesse sehr gut von der blauen Linie und seine Härte werde bei Checks in der eigenen Zone von den Schiedsrichtern weniger streng beurteilt.

Das böseste Verteidigerpaar

Zusammen mit Beat Forster (185 cm/98 kg) bildet Mathias Joggi (187 cm/101 kg) zur Zeit das härteste und böseste Verteidigerpaar der Liga. Die Wandlung vom Powerflügel zum Verteidiger ist auch deshalb erstaunlich, weil er in seiner besten Saison (2007/08) in Langnau in 55 Partien 22 Tore erzielte und an der U20-WM 2006 Topskorer der Schweizer war. In einem Team mit Julien Sprunger, Dario Bürgler oder Matthias Bieber. Aber letzte Saison kam Joggi in Davos in 60 Partien nur noch auf vier Tore.

Es gibt durchaus Stürmer, die auch als Verteidiger Karriere gemacht haben. Red Kelly ist der spektakulärste Spieler, der beides war. Bei Detroit war der Kanadier NHL-Verteidiger des Jahres und gewann vier Stanley Cups (1950, 52, 54, 55). Dann wechselte er nach Toronto und dort führte er als Center zwischen Bob Nevin und Frank Mahovlich eine der besten NHL-Sturmlinien und holte nochmals vier Stanley Cups (1962, 63, 64, 67). In der NLA sind Joel Genazzi, Marc Reichert, Thomas Ziegler, Sandy Jeannin und Franco Collenberg Stürmer, die auch Verteidiger spielen. Marc Leuenberger bewährte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren unter Simon Schenk sogar im Nationalteam mit Erfolg auf beiden Positionen.

Für Del Curto gibt es kein Zurück

Für HCD-Trainer Arno Del Curto ist klar: Er will Mathias Joggi künftig nur noch als Verteidiger einsetzen und ist überzeugt: «Er kann bei uns einer der besten Verteidiger der Liga werden.» Die Frage ist allerdings: Bleibt Joggi beim HCD? Sein Vertrag läuft Ende Saison aus. Bleibt er, um definitiv ein Verteidiger zu werden, oder sucht er sein Glück noch einmal als Stürmer im Unterland? Diese Woche hat Arno Del Curto erste intensive Gespräche mit Joggi geführt. Weil Joggi im Sommer 2009 als potenzieller 20-Tore-Stürmer gehandelt worden ist, wird er bei einer Vertragsverlängerung in Davos mit einer Salärreduktion rechnen müssen. Als Verteidiger macht er ja zurzeit sozusagen seine zweite «Berufslehre». Für weniger Geld nächste Saison in Davos einer der besten Verteidiger werden und dann – Verteidiger sind gesucht – in einem oder zwei Jahren den ganz grossen Vertrag aushandeln?

Aber auch Nordamerika lockt Mathias Joggi. Doch da gibt es für seinen tüchtigen Agenten Rolf Simmen ein Problem: Als was will er seinen Klienten auf dem nordamerikanischen Markt positionieren? Als Verteidiger hat der Nationalstürmer (10 Länderspiele/1 Tor) nur eine Chance, wenn er mindestens eine Nationalmannschaftsreferenz als Abwehrspieler hat (wie Mark Streit, Rafael Diaz oder Roman Josi). Doch zum Verteidiger im WM-Team 2012 in Finnland wird es noch nicht reichen. Mit seiner Wucht und Wasserverdrängung wäre er zwar der Idealtyp für die schmäleren nordamerikanischen Eisfelder – aber welchen Marktwert hat ein Stürmer, der in der NLA nicht mehr Stürmer spielt?

Die Qual der Wahl

Künftig Verteidiger oder Stürmer? Davos, Unterland oder Amerika? Mathias Joggi steht vor einer heiklen Wahl. Eine falsche Entscheidung kann seine Karriere knicken. Den legendären Red Kelly kann er sich nur sportlich zum Vorbild nehmen: Kelly wurde noch als Spieler für zwei Amtsperioden ins kanadische Parlament gewählt. Nationalverteidiger kann Mathias Joggi werden. Nationalrat hingegen nicht.

Deine Meinung