Aktualisiert 04.03.2011 18:00

Esoterik-Messe«Die Füsse verraten, ob er zu mir passt»

Möchten Sie wissen, was die Zukunft bringt? Versuchen Sie es mal mit Fusslesen, oder lassen Sie sich in die Muscheln blicken.

von
F. Voegeli / M. Bangerter

Ein Besuch an der Esoterik-Messe Lebenskraft 2011. (Video: Marion Bangerter / Interview: Franziska Voegeli)

Wer keine Auras um seine Mitmenschen sieht, kann sich an der Messe Lebenskraft im Zürcher Kongresshaus zumindest ein Bild davon machen - genauer gesagt ein Foto. Hinter mehreren der 150 Messe-Ständen warten spezielle Kameras. Sie erzeugen Polaroidbilder von Köpfen, um die sich ein Farbnebel schmiegt. Zuvor legt man die Hände auf Magnetfeldplatten und lächelt in die Linse. Die Auratherapeutin Reinhild Brieger erklärt, wie die Farben zu deuten seien. Sie freut sich über jedes Bild: «Darauf sieht man, was der Mensch eigentlich für Qualitäten hat». Nun, so hat man zumindest einmal eine Vorstellung davon, was mit «Sie haben eine schöne Aura!» gemeint sein könnte – ein Satz der an dieser Messe nicht selten fällt.

Die Lebenskraft findet bereits zum 23. Mal statt. Veranstalterin Angelika Meier rechnet mit rund 8000 Besuchern. Was ihnen alles geboten wird, daran muss sich das rationale Gemüt erst einmal gewöhnen. Wie auch an das Duftgemisch, das sich durch das Kongresshaus schlängelt.

Schutzengel Gabriel

Susanne Beer stellt sich als A.T.P. vor. Das steht für Angel Therapy Practitioner. Sie habe Kontakt mit Engeln und übermittle deren Botschaften an Leute, die danach fragten: «Meist geht es um Selbstliebe und Selbstvertrauen.» Hier wird mit einer solchen Selbstverständlichkeit von übersinnlichen Begegnungen gesprochen, dass man eher nach ihrer Erscheinungsform fragt als danach, wie das denn möglich sein soll und warum. Nachdem die Farben um das eigene Ich veranschaulicht wurden, rückt noch ein Engel ins Bild: Der Erzengel Gabriel. Den sah übrigens auch schon die Aurafotografin.

Neben den modern anmutenden Engelsbotschafterinnen wartet eine Wahrsagerin, wie sie im Buche steht. Verschwörerisch legt die ältere Frau im violetten Velour-Gewand die Karten nieder und raunt mit rauchiger Stimme, was die Zukunft bringt. Naja, so sieht es jedenfalls aus. Wahrsager nennt sich hier niemand. Sie sind Lebensberater, Spirituelle Meister, Mediale Heiler. Es wird nicht nur aus Händen, sondern auch aus Gesicht und Füssen gelesen. Shanti C. Wetzel ist sich sicher: «Wenn ich die Füsse von einem Mann sehe, dann weiss ich sofort, ob er zu mir passt.» Ein Rechner spukt Daten mit Infos über das frühere Leben aus. Anbieter verkaufen Meta-Produkte und Besucher halten sich an Smaragd-Stäben fest. Hier gibt es Dinge, von denen wahrscheinlich noch nicht mal die Engel etwas gehört haben.

Vage Frage - vage Antwort

Die Beratungen finden zwar auf engem Raum, aber doch etwas abgeschirmt hinter Vorhängen und dergleichen statt. Logisch, wer möchte schon seine geheimen Wünsche mit den restlichen Messebesuchern teilen. Während des gut besuchten Live-Channeling - Jenseitskontakten - im Vortragssaal werden die Fragen nur vage gestellt: «Ich möchte von meinem verstorbenen Sohn wissen, wie ich mit der momentanen Situation umgehen soll.» Allerdings werden sie auch nur sehr vage beantwortet: «In den nächsten sechs Wochen werden Sie eine Veränderung spüren.»

Zwischen Tarot-Karten, Kristallwasser und heilenden Händen wartet dann auch die einfach erfassbare Entspannung: Die Füsse stecken in Fussmassagestiefeln, eine Akkupressur-Brille massiert die Augenpartie. Nebenan macht Erfinder Oliver Kirsten vor, welche Verrenkungen man mit seiner Schwingungsliege vollführen kann: Beine über den Kopf, Schulterstand, schaukeln durch Atmen; alles bequem im Ledersessel durchführbar. Relaxt wird auch unter Rolf Bachmanns Riesentrommel. Da soll einem so wohl werden wie im Bauch der Mutter, heisst es.

«Ich liege immer richtig»

Hellsichtige aus Übersee sind ebenfalls zu Besuch. Zum Beispiel Papa Wango aus Mali. Seine Familie wirft Muscheln und liest daraus die Zukunft und die Vergangenheit. Neffe Djaly deutet selber schon seit zwölf Jahren die Bedeutung der Kauri Muscheln: «Ich liege immer richtig.» Tamara Norikoto Kato aus Japan legt Hand an. Ihre Berührungen sollen unterstützende Energie in allen Situationen bringen.

Heilende Hände werden auch beim Pranic Healing eingesetzt. Allerdings berühren diese den Körper nicht direkt, sondern sollen aus einigen Zentimetern Entfernung den angesammelten Schmutz entfernen. Das könne man übrigens in einem Wochenende selber erlernen.

Mitten unter den New-Age-Techniken wird an einem Stand das neue Testament verteilt. Dort hält man nicht viel von Aura-Readings, Schamanismus und Magnetfeldern. Humbug, sei es und im Widerspruch zu Gott, weil man ausserhalb und nicht in sich selbst suche. Doch wie Peter Niedner, selber Heiler, sagt, komme es schlussendlich einfach darauf an, dass die richtigen Personen zusammentreffen. Ob das Pfarrer, Heiler oder Scharlatane sind, sei schon fast zweitrangig: «65 Prozent der Aussteller wissen nicht wirklich, was ihr Tun für Konsequenzen hat. Aber es findet jeder suchende Besucher etwas, das er mitnehmen kann.»

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