Aktualisiert 17.06.2020 16:20

Corona-Fragebogen

«Die Gänsehaut-Stimmung ist leider noch immer weit weg»

Heute mit Jeremy Seewer (25), Zürcher Motocross-Star, dreifacher Vize-Weltmeister.

von
Marcel Allemann
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Sanna Lüdi: Skicross

«Ich konnte aus dieser Zeit viel Positives für mich und mein Training herausnehmen.»

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Dani Rodriguez: Thaiboxen

«Ich legte zu wenig Selbstdisziplin an den Tag.»

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<b>Jeremy Seewer, Motocross: </b>
Jeremy Seewer, Motocross:

«Ich habe in der Corona-Pause viel an meiner Ausdauer und den körperlichen Grundlagen gearbeitet.»

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Wie sehr beschäftigt Sie das Coronavirus?

Es hat mich sehr beschäftigt. So wie jeden anderen Menschen, wenn man plötzlich realisiert, dass da etwas eigentlich Kleines, das man nicht mal sieht, die ganze Welt verändern kann. Trotzdem habe ich versucht, mir keinen Kopf, sondern das Beste aus der Situation zu machen und jeden Tag mit einer positiven Einstellung anzugehen.

Wie sah während den verschiedenen Coronavirus-Phasen im März, April und Mai Ihr Training aus?

Als es begann, war ich während etwa zweier Monate in der Schweiz. Ich habe in dieser Zeit viel an meiner Ausdauer und den körperlichen Grundlagen gearbeitet, mit Mountainbike, Radfahren, Joggen und Krafttraining. Ich verfüge zudem über eine kleine Motocross-Strecke bei meinem Elternhaus, aber das kann man mit den Strecken, die wir üblicherweise fahren, natürlich nicht vergleichen. Ansonsten war es mir jedoch in der Schweiz nicht möglich, Motocross zu fahren. Nun bin ich dank den Lockerungen seit einem Monat wieder im Training mit dem Töff und seit man wieder vermehrt reisen kann auch wieder ab und zu bei meinem Team in Belgien, um zu testen und trainieren.

Können Sie inzwischen wieder uneingeschränkt trainieren?

Ja, eigentlich schon. Es ist auf den Trainingsstrecken einfach komplizierter geworden, da man sich anmelden muss und weniger Fahrer zugelassen sind.

Stehen bei Ihnen Rennen in Aussicht?

Ja, aber wir warten derzeit noch auf den offiziellen, neuen Rennkalender. Wir denken und hoffen, dass die Saison ab Mitte August oder anfangs September in verkürzter Form wieder fortgesetzt wird. Zwei Rennen hatten wir schon vor der Corona-Pause.

Es ist toll, dass der Sport-Alltag zurück ist.

Jeremy Seewer

Was geniessen Sie seit den Lockerungen am meisten?

Dass man wieder vermehrt uneingeschränkt ist, sich mit ein paar Kollegen zum Essen treffen kann und das Reisen in kleinerem Rahmen wieder möglich ist – diese wiedergewonnene Freiheit geniesse ich natürlich. Es war aber auch schön, mal Zeit für sich zu haben. Als Sportler, der ständig unterwegs ist, hat man das sonst nie. So hatte man die Möglichkeit, mal runter zu fahren und für einige Wochen eine ganz gewöhnliche Person zu sein. Aber natürlich ist es toll, nun den Sport-Alltag zurück zu haben und wieder das tun zu können, was ich liebe.

Was vermissen Sie aufgrund der aktuellen Bestimmungen und Empfehlungen noch immer?

Grossanlässe, an denen es viele Leute gut miteinander haben. Bei uns sind das die Rennen, für andere Leute sind es beispielsweise Open-Airs oder sonstige grosse Sportanlässe. Diese Gänsehaut-Stimmung fehlt weiterhin und ist leider noch immer weit weg.

Verfügen Sie über Atemschutzmasken und in welchen Situationen tragen Sie diese?

Ich habe immer eine im Auto dabei und benutze diese auch, wenn es erforderlich ist. Aber es ist nicht so, dass ich immer und überall eine Maske trage, sondern nur dann, wenn man muss.

Was haben Sie durch die Corona-Zeit gelernt?

Dass man es wieder vermehrt schätzt, wie schön wir es auf der Welt und speziell in der Schweiz haben. Diese Unabhängigkeit, über die wir im normalen Leben verfügen, diese Freiheit, die wir ausleben dürfen und den Job machen können, den wir wollen. Viele Leute vergessen das gelegentlich. Corona hat einem in dieser Hinsicht die Augen geöffnet. Ich hoffe, das war nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen so.

Glauben Sie, dass Corona Ihren Sport nachhaltig verändern wird?

Ich denke, dass Corona kurzfristig jede Sportart verändert, aber ich hoffe, dass der Sport sich soweit regenerieren kann, dass er wieder so ausgeübt werden kann wie vor Corona und Normalität einkehrt.

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Ihr Salär?

Dieser sollte nicht so gross sein. Klar, die Prämien der Rennen, die ausgefallen sind, blieben aus. Den Rest werden wir dann später diskutieren und hängt davon ab, wieviele Rennen noch gefahren werden. Ich verstehe, dass ich etwas abgeben muss, wie viele andere auch. Jeder muss jetzt seinen Beitrag leisten. Aber deswegen muss ich keine Angst haben ums Überleben.

Meine Stärke ist, dass ich sehr strukturiert bin.

Jeremy Seewer

Wie gelang es Ihnen, in der schwierigsten Corona-Zeit trotzdem Zuversicht zu schöpfen?

Durch Struktur. Meine Stärke ist, dass ich sehr strukturiert bin. Auch gelang es mir, positiv zu denken und das Schöne an der Situation zu sehen, auch wenn an dieser eigentlich nichts schön war. Ich genoss es zu Hause zu sein, aber versuchte trotzdem einen Alltag hinzubekommen.

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Fans?

Ich hoffe, dass wir uns bald wieder sehen an den Rennen und zusammen einen Podestplatz feiern können.

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