16.08.2018 21:31

23 Schweizer Studios«Die Gamescom beginnt zu greifen»

Mit 23 sind so viele Schweizer Studios an der Gamescom wie noch nie. Das Engagement von Pro Helvetia zahlt sich aus.

von
Jan Graber

Die Schweizer Delegation an der Gamescom 2018 ist so gross wie noch nie. Diese Games werden gezeigt. (Video: Pro Helvetia)

Der Anfang hätte bescheidener kaum sein können: Mit gerade einmal drei Gamestudios reiste die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia im Jahr 2014 das erste Mal an die Gamescom in Köln. Das Ziel war hoch gesteckt: An der grössten Gamemesse Europas, wo Big Player wie Electronic Arts, Ubisoft und Activision mit riesigen Ständen die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wollte das Schweizer Trüppchen wahrgenommen werden – was natürlich nur am Rande gelang.

Entmutigen liessen sich die Köpfe hinter dem Gameförderprogramm der Kulturstiftung – zuvorderst Sylvain Gardel, Leiter Schwerpunkt «Kultur und Wirtschaft» bei Pro Helvetia – dadurch aber nicht. Denn beim Besuch handelte es sich vor allem um ein Experiment. Eines, das offensichtlich die gewünschten Resultate hervorbrachte: Bereits ein Jahr später war die Kulturstiftung mit 15 Studios vor Ort, 100'000 Schweizer Franken wurden in den Auftritt investiert. Noch waren die Schweizer an der Gamescom Neulinge und mussten sich beweisen. Mit einem auffallenden Stand und wegweisenden Spielen vermochten sie das Interesse von ersten Publishern und Investoren zu wecken.

Top-Ten-Event «Happy Hour»

Unterdessen wird die Gamescom-Woche dick im Kalender angestrichen: Die grösste europäische Gamemesse ist zu einer der zentralen Destinationen für Schweizer Gamestudios geworden. An der diesjährigen Gamescom, die am 21. August ihre Türen öffnet, sind mit 23 Studios mehr Schweizer Entwickler vor Ort als je zuvor. Sie zeigen ihre Games im Business-Bereich der Messe – dort, wo sich Investoren und Publisher tummeln und nach neuen Talenten suchen. Sechs Schweizer Studios können ihre Werke zudem in der öffentlich zugänglichen Indie-Arena-Booth ausstellen.

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Virtuelle Weltraumschlachten: In «Anshar Online» von OZWE Games stülpen Spieler ein Occulus-Rift-Headset über und stürzen sich in die Schlacht gegen andere Spieler.

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Prozedurale Zerstörung: In «Nimbatus» von Stray Fawn Studios bauen Spieler ihre eigenen Bergbau-Dronen um prozedural generierte Galaxien auseinanderzunehmen.

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Himmelsfischer: Im Dieselpunk-Abenteuer «Airheart: Tales of broken Wings» begeben sich Spieler auf die Jagd nach dem Himmelswal. Käpt'n Ahab lässt grüssen.

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Zwar wurde das Budget von 100'000 Franken, die die Pro Helvetia investiert, für 2018 nicht erhöht. Die Wahrnehmung ist heutzutage dennoch eine andere: «Heute klopfen die Investoren bei uns an und nicht wir bei ihnen», freut sich Gardel. So ist auch der wichtigste Business-Event der Schweizer Delegation, die sogenannte «Happy Hour», die traditionellerweise am Messe-Mittwoch stattfindet, bereits seit Wochen ausgebucht; die «Happy Hour» rangiere unter den zehn heissesten Events der Messe, so Gardel.

Stolz aufs eigene Schaffen

Die grössere Wahrnehmung hat Auswirkungen auf die Möglichkeiten, die sich den Entwicklern bieten. Ihnen fällt es heute leichter denn je, in Kontakt zu wichtigen Playern der Gameindustrie und Investoren zu kommen. «Einige Studios wurden auch schon offen zur Umsiedlung zum Beispiel nach Kanada oder Frankreich eingeladen», sagt Gardel. Eine Abwanderung würde man sich zwar nicht wünschen, doch sei es ein Zeichen für die internationale Strahlkraft, die das heimische Schaffen habe. «Das Interesse an Schweizer Games ist extrem gewachsen», sagt er.

Der Besuch der Gamescom hat auf die Schweizer Gameschmieden eine positive Wirkung weiterer Art: «Die Präsenz auf einer internationalen Plattform fördert den Zusammenhalt und das Verständnis für die Gemeinsamkeiten», weiss Gardel. Die Entwickler würden die Bedeutung der Schweizer Spiele im internationalen Kontext begreifen, das Label #SwissGames würde mit Stolz präsentiert. «Die Gamescom beginnt zu greifen», sagt Gardel.

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