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Muslim Nicolas Blancho«Die ganze Schweiz kann kommen»

Der Präsident des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS), Nicolas Blancho, findet es «okay», dass seine Organisation ins Visier des Staatschutzes gerät. Von Steinigungen wollte er sich nicht distanzieren.

Nicolas Blancho zur Steinigung: «Man kann auch nicht von irgendjemanden verlangen, dass er sich vom Zölibat distanziert. Oder von den Juden, dass sie sich vom Talmud distanzieren»

Nicolas Blancho zur Steinigung: «Man kann auch nicht von irgendjemanden verlangen, dass er sich vom Zölibat distanziert. Oder von den Juden, dass sie sich vom Talmud distanzieren»

Er sei jederzeit bereit, den Staatschutz in die Moschee nach Biel einzuladen, erklärte der Präsident des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS), Nicolas Blancho im Interview mit der Zeitung «Sonntag». Er gehe im übrigen davon aus, dass seine Organisation überwacht werde. «Von mir aus kann die ganze Schweiz in die Moschee kommen.» Kommende Woche soll laut Blancho ein Gespräch mit dem Bundesamt für Migration stattfinden.

Biels Stadtpräsident und SP-Nationalrat Hans Stöckli sagte gegenüber der «SonntagsZeitung», er sei weder vom Nachrichtendienst noch von der Bundespolizei über Observationen und Erkenntnisse «bezüglich dieses Zentralrates oder anderer fundamentalistischer Strömungen» informiert worden.

Es sei unbefriedigend, dass die Stadt Biel in «derart wichtigen sicherheitspolitischen Fragen» nicht einbezogen worden sei. Die Bieler Regierung habe ihn als Stadtpräsidenten deshalb am Freitag beauftragt, «mit einer Lageanalyse den Handlungsbedarf hinsichtlich der extremistischen Gruppierungen in Biel zu klären», erklärte Stöckli.

Keine Distanzierung von Steinigung

Im «Sonntag»-Interview bekräftigte Nicolas Blancho frühere Forderungen: So jene nach eigenen Schulen für Muslime, an denen nebst dem Volksschul-Stoff auch Arabisch unterrichtet würde. Mit eigenen Schulen für gläubige Muslime «könnten wir auch das Problem des Schwimmunterrichts lösen».

Auf die Frage, ob er für oder gegen Steinigung sei, antwortete Blancho: «Es ist für mich als Muslim ein Bestandteil, ein Wert meiner Religion.» Aber dies sei «bei den gegebenen Umständen in der Welt und in der Schweiz nicht umsetzbar.»

Klar von der Steinigung distanzieren wollte sich Blancho aber nicht: «Man kann auch nicht von irgendjemanden verlangen, dass er sich vom Zölibat distanziert. Oder von den Juden, dass sie sich vom Talmud distanzieren».

Der nach eigenen Angaben rund 500 Mitglieder umfassende Islamische Zentralrat der Schweiz hat im Januar eine Informationsoffensive gestartet. Er will sich längerfristig als Sprachrohr des traditionellen Islams sunnitischer Ausrichtung etablieren. Innerhalb der muslimischen Verbände in der Schweiz ist der Rat wegen seiner fundamentalistischen Ausrichtung stark umstritten.

(sda)

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