Phänomen «Planking»: Die ganze Schweiz liegt flach
Aktualisiert

Phänomen «Planking»Die ganze Schweiz liegt flach

Was in Australien einen riesigen Hype ausgelöst hat, zündet jetzt auch bei uns: «Geplankt» wird in der Schule, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum. Die Fangemeinde wächst stündlich.

von
Felix Burch

«Planking» schlägt in der Schweiz ein wie eine Bombe. Jugendliche und Erwachsene sind auf den Trend aufgesprungen und lassen sich mit dem Gesicht nach unten, seitlich angelegten Armen und steifem Körper fotografieren.

Massimo aus Luzern tat es am Dienstag im Klassenzimmer. «Als der Lehrer den Raum verliess, legte ich mich auf die Wandtafel. Der Nervenkitzel war gross, es hat unheimlich Spass gemacht.» Ihm gefällt an der Sache, «dass man eigentlich nichts können muss, kein Training erforderlich ist.» Dieser Meinung sind viele. Kristijan und Christian zum Beispiel probierten spontan einige Posen im Pausenzimmer aus und schickten ein Bild an 20 Minuten Online. Schüler der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur drehten ein Video über das Thema und stellten es auf YouTube. Nebst dem Schulzimmer scheint auch der Arbeitsplatz ein beliebter Ort für «Planking» zu sein; das wohl ungewöhnlichste Schweizer Planking-Bild stammt aber von einem unbekannten, nackten Mann, der sich in der Nacht in einen Brunnen legte (siehe Bildstrecke oben).

Alles begann in England

Die «Planking»-Welle erfasst nun also – etwas verspätet – auch die Schweiz. Entstanden ist das Phänomen schon viel früher. Wann und wo genau, ist schwierig zu sagen. Gewisse Quellen erwähnen die Engländer Gary Clarkson und Christian Langdon, die mit ihren Freunden 1997 als Erste begannen, sich in Häusern stocksteif hinzulegen. Sie nannten es «Lying Down Game». Das «Spiel» wurde immer populärer und an immer ungewöhnlicheren Orten ausgeübt. Die beiden starteten eine Facebook-Gruppe, die heute weit über 107 000 Mitglieder zählt.

2009 bekam das «Lying Down Game» einen Aufmerksamkeitsschub in England, weil ein Mitarbeiter eines Spitals Fotos während der Nachtschicht machte und diese auf Facebook veröffentlichte. Dafür wurde er entlassen. Zudem fanden Spieler der Fussballmannschaft Accrington Stanley Gefallen daran und «jubelten» in entsprechenden Posen.

Aus «Lying Down Game» wird «Planking»

Im Jahr 2010 eroberte das Phänomen Australien - unter dem Namen «Planking». Ein Rugby-Spieler «plankte», ein TV-Moderator tat es auf einem Auto und einem Abfalleimer, ein Nachrichtensprecher auf dem Studiotisch und eine Moderatorin in ihrer Morgenshow auf dem Sofa.

«Planking» wurde in Australien immer weiter getrieben und dadurch auch gefährlich. Die australische Polizei warnt vor riskanten «Planks» und zeigte einen Mann an, der auf einem Polizeiauto posieren wollte. Am 15. Mai kam es zu einem tragischen «Planking»-Unfall in Brisbane. Ein offenbar betrunkener Jugendlicher stürzte beim «Planking» vom Balkon und starb.

In der Schweiz weist die Polizei darauf hin, dass sie einschreite, sobald jemand sich selber oder Dritte gefährde. Man appelliert an den «gesunden Menschenverstand».

Schüler der Hochschule für Technik und Wirtschaft über Sinn und Unsinn von Planking

Das wohl erste Planking-Video der Schweiz kommt aus Solothurn

Planking-Video aus Australien

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