Urteil gegen Pierin Vincenz: «Die Gefängnisstrafe ist erstaunlich hoch»
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Urteil gegen Pierin Vincenz«Die Gefängnisstrafe ist erstaunlich hoch»

Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz wird erstinstanzlich wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Politiker sind überrascht über die Höhe des Strafmasses.

von
Nicolas Meister
Claudia Blumer
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Pierin Vincenz wurde erstinstanzlich zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis und Geldstrafen in Millionenhöhe verurteilt. 

Pierin Vincenz wurde erstinstanzlich zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis und Geldstrafen in Millionenhöhe verurteilt. 

Tamedia AG/Urs Jaudas
Sein Anwalt Lorenz Erni hat angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen und das Verfahren weiterzuziehen.

Sein Anwalt Lorenz Erni hat angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen und das Verfahren weiterzuziehen.

Tamedia AG/Urs Jaudas
SP-Ständerat Daniel Jositsch überrascht die Höhe der Gefängnisstrafe. «Drei Jahre und neun Monate ist erstaunlich hoch, ich hätte eine tieferes Strafmass erwartet.»

SP-Ständerat Daniel Jositsch überrascht die Höhe der Gefängnisstrafe. «Drei Jahre und neun Monate ist erstaunlich hoch, ich hätte eine tieferes Strafmass erwartet.»

Tamedia AG

Darum gehts

Es ist ein Monsterprozess, der am Mittwochmorgen vor dem Bezirksgericht Zürich in einer ersten Etappe abgeschlossen wurde. Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz wurde wegen mehrfacher Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung schuldig gesprochen und muss gemäss Urteil des Bezirksgerichts für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Hinzu kommt eine bedingte Geldstrafe von 280 Tagessätzen zu 3000 Franken, ausserdem muss Vincenz der Bank 236’000 Franken zurückzahlen. Das Urteil wird von Vincenz weitergezogen, wie sein Anwalt sagt.

«Gefängnisstrafe wird wohl nach unten korrigiert»

SP-Ständerat Daniel Jositsch überrascht die Höhe der Gefängnisstrafe. «Drei Jahre und neun Monate ist erstaunlich hoch, ich hätte ein tieferes Strafmass erwartet.» Dies umso mehr, als der Richter wegen der Vorverurteilung durch die Medien das Strafmass um neun Monate herabgesetzt hatte.

«Ich könnte mir vorstellen, dass die Höhe der Freiheitsstrafe von der nächsten Instanz nach unten korrigiert wird», sagt Jositsch. Offenbar sei es in diesem Fall gelungen, die für eine Verurteilung nötigen Beweise zu erbringen, was in solchen Fällen sehr schwierig sei. Schon die lange Untersuchungshaft für Pierin Vincenz habe darauf hingedeutet, sagt Strafrechtsprofessor Jositsch. «Eine so lange Untersuchungshaft wird in der Regel nur angeordnet, wenn es einen dringenden Tatverdacht gibt.»

«Grosser Fisch wird nicht einfach laufengelassen»

Auch SVP-Ständerat Hannes Germann ist überrascht über die Höhe der Gefängnisstrafe. «Ich habe erwartet, dass Pierin Vincenz mit einer bedingten Strafe davonkommt, also weniger als zwei Jahre.» Doch er halte das Strafmass auch für angemessen, sagt der Schaffhauser. «Es zeigt, dass man einen grossen Fisch nicht einfach laufenlässt.» Zudem sei Vincenz ja relativ lange in Untersuchungshaft gewesen. «Da musste fast ein Schuldspruch folgen, sonst wäre es für die Richter und die Strafuntersuchungsbehörden ein fatales Zeugnis gewesen. Das hätte niemand verstanden.»

Richtig findet Hannes Germann aber auch, dass Vincenz einen «Rabatt» bekommen habe, eine Reduktion der Gefängnisstrafe wegen medialer Vorverurteilung. «Der öffentliche Druck war tatsächlich sehr gross in diesem Fall.» Er sei gespannt, wie es jetzt weitergeht. Das letzte Wort in dieser Sache sei wohl noch lange nicht gesprochen.

Das Urteil zeige, dass «hier mit erheblicher krimineller Energie» gehandelt worden sei, sagt Grüne-Nationalrätin Regula Rytz. Der Monster-Prozess sei auch eine Abrechnung mit einer Bankenkultur, die hoffentlich der Vergangenheit angehöre. «Spesenexzesse, überhöhte Boni, fehlende Spielregeln und Kontrollen schaden dem Image des Finanzplatzes Schweiz», so Rytz.

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