Aktualisiert 30.11.2011 12:27

«Time-Out»

Die Gefahr des falschen Transfers

Der Transfermarkt ist trockener als der November 2011. Inzwischen jagen grosse Teams kleine Fische. Das kann eine Karriere ruinieren oder lancieren.

von
Klaus Zaugg
Reto Suri (l.) und Johann Morant. (Bild: Keystone)

Reto Suri (l.) und Johann Morant. (Bild: Keystone)

Kleine Spieler bekommen heute grosse Chancen. Zwei Beispiele, die zeigen, wie gross die Versuchung und das Risiko für Spieler bei den ganz besonderen Marktverhältnissen (die Nachfrage ist im Quadrat grösser als das Angebot) geworden sind.

Der Stürmer Reto Suri wird am 25. März 23 Jahre alt. Er hat noch keinen Leistungsausweis. Er produzierte zwar letzte Saison für die Lakers in 59 Spielen 34 Punkte. Aber die Bestätigung ist ihm diese Saison nicht gelungen: In 28 Spielen hat er erst vier Tore für die Lakers erzielt. Bei einem funktionierenden Markt wäre er höchstens 100 000 Franken im Jahr wert und bei einem Grossklub kein Thema. Er kann inzwischen fast 300 000 Franken herausholen.

Der Verteidiger Johann Morant ist ein Dutzendspieler. In 17 NLA-Partien hat er für den SCB zwei Assists produziert. Er überzeugt zwar durch seinen Mut und seine Härte. Für Schweizer Verhältnisse ist der gelernte Kampfsportler eher auch ein Schlägertyp. Er hat bei einem Saisonvorbereitungsspiel ZSC-Verteidiger Mathias Seger mit einem Faustschlag für Wochen ausser Gefecht gesetzt. Aber bei einem funktionierenden Markt wäre er höchstens 80 000 Franken wert und sein Name wäre bei einem Grossklub kein Thema. Er kann inzwischen fast 200 000 Franken herausholen.

Begehrte Spieler

Die Sportchefs und Trainer der grossen Klubs interessieren sich für Suri und Morant. Das eröffnet beiden grosse Chancen – und noch grössere Risiken.

Reto Suri hat eine heikle Entscheidung zu treffen: Er ist noch kein grosser Spieler in dieser Liga. Er hat das Potenzial, einer zu werden. Aber bis er ein dominierender Stürmer wird, braucht er mindestens noch zwei Jahre Lehrzeit. Und lernen kann er nur, wenn er viel Eiszeit und Verantwortung bekommt. Ein typisches Beispiel dafür, wie bei einem «kleinen» Team ein Spieler gross werden kann, ist Simon Moser bei den SCL Tigers. Moser hätte schon vor zwei Jahren zu einem Grossklub wechseln und mehr Geld verdienen können. Hätte er das getan, dann wäre seine Karriere womöglich schon zu Ende.

Reto Suri hat unter anderem ein Angebot vom EV Zug. Also einem Grossklub. Nimmt er es an, geht er ein grosses Risiko ein: Doug Shedden mag ihm jetzt den Hockey-Himmel vollgeigen – aber Eiszeit kann er ihm nächste Saison nicht garantieren. Die beanspruchen die offensiven Alphatiere (Metropolit, Holden, Brunner, Christen) und mit ziemlicher Sicherheit wird er auch nicht am gut situierten Mittelstand (Schnyder, Casutt, Sutter, die Camichels) vorbeikommen. Er kann bei Zug viel Geld verdienen. Mit dem Risiko, dass er versagt und dass es nach einem oder zwei Jahren keinen grossen Vertrag mehr bei einem grossen Klub gibt. Was den Reiz erhöht: Wenn Damien Brunner am Ende der Saison oder im Sommer in die NHL wechseln sollte, dann würde auf einmal doch Eiszeit frei in Zug. Das wäre Suris ganz grosse Chance. Der Transfer zu Zug ist die sprichwörtliche Taube auf dem Dach.

Die SCL Tigers offerieren Suri weniger Geld. Dafür hat Coach John Fust dem ehemaligen Klotener in den Gesprächen der letzten Tage Eiszeit, Verantwortung und die Chance zur Weiterentwicklung eröffnet. Die SCL Tigers sind kein grosses Team und werden auch nächste Saison um die Playoffs zittern. Aber die SCL Tigers sind – anders als die Lakers – ein Hockeyunternehmen mit Perspektiven, Strukturen und Potenzial. In zwei Jahren kann Suri im Emmental ein grosser, dominierender Stürmer werden und dann den grossen Mehrjahresvertrag bei einem grossen Team bekommen. Ein Transfer zu einem Team wie Langnau ist der sprichwörtliche Spatz in der Hand.

Wo landet Morant?

Für Johann Morant (25) ist die Situation anders. Er ist beim SCB schon in einem grossen Team. Er hat seinen ersten Transfer in die NLA gleich zu einem «Grossen» gewagt. Und ist prompt in der Sackgasse stecken geblieben. Beim SCB verkommt er zum Hinterbänkler und er hat SCB-Sportchef Sven Leuenberger bereits gesagt, dass er gehen will. Sein Schicksal mag eine Mahnung für Suri sein. Oder noch eine Warnung: Thomas Walser wechselte im Sommer 2007 von den Lakers zum grossen EV Zug. Er war 25 und galt als Stürmer mit Potenzial. Drei Jahre zuvor hatte er in 44 Spielen 18 Tore geschossen. In Zug knickte seine Karriere. Die Zuger tauschten ihn in Kloten gegen Damien Brunner ein und heute spielt Walser nicht mehr in der Nationalliga. Hockey-Geschichte hat er nur durch das Tauschgeschäft mit Brunner geschrieben. Für den Klotener Junior Brunner ist der Wechsel zum grossen EV Zug der Start zur grossen Karriere geworden. Allerdings hat er nicht aus freien Stücken und des Geldes wegen zu Zug gewechselt. Er ist durch den Tausch quasi zu seinem Glück gezwungen worden.

Auch Johann Morant hat Glück: Er kann «seinem» Trainer Larry Huras zum «Grande Lugano» folgen, zum nächsten grossen Klub also. Der Kanadier hat den rauhen Abwehrspieler in Bern gefördert. Unter seinem Nachfolger Antti Törmänen ist Morants Eiszeit stark reduziert worden und am letzten Sonntag hat er sich im Derby gegen die SCL Tigers verletzt (Schulterbänder gerissen) und wird bis im Februar nicht mehr spielen können.

Larry Huras bestätigt das rege Interesse am SCB-Verteidiger. Ein Wechsel nach Lugano zu einem Trainer, der auf ihn setzt, kann mehr Sinn machen als ein Wechsel zu einem kleinen Team, wo er noch mehr Eiszeit und Verantwortung bekommen könnte. Aber Lugano ist seine letzte Chance.

Wenn Reto Suri und Johann Morant das Glück haben, nächste Saison beim richtigen Team zu landen, werden wir uns noch öfters mit ihnen beschäftigen. Wenn nicht, war das die letzte grössere Story über die beiden hoffnungsvollen Talente.

Morant zum HC Lugano

Lugano wird im kommenden Sommer den SCB-Verteidiger Johann Morant (25) engagieren. Der Franzose mit Schweizer Lizenz einigte sich mit den Bianconeri auf einen Zweijahresvertrag.

Der frühere Ajoie-Junior folgt damit seinem Trainer Larry Huras. Der Kanadier hatte den 94 kg schweren Fitnessinstruktor und leidenschaftlichen Kickboxer nach Bern gelotst, wurde im Oktober aber entlassen.

Morant produzierte wegen seines aggressiven Stils einige Schlagzeilen. In einem Test vor der Saison schlug er Mathias Seger nieder. Der ZSC-Captain erlitt dabei eine komplizierte Jochbeinfraktur. (si)

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