Antibiotika und Hormone: Die Gefahr für Insekten lauert auch im Wasser
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Antibiotika und HormoneDie Gefahr für Insekten lauert auch im Wasser

Nicht nur Pestizide, auch vermeintlich sauberes Wasser kann für Bienen, Schmetterlinge und Marienkäfer das Todesurteil bedeuten.

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Nicht nur Pestizide wie die nun von der EU mit einem Freilandverbot belegten Neonikotinoide setzen Bienen und anderen Insekten zu, sondern auch ...

Nicht nur Pestizide wie die nun von der EU mit einem Freilandverbot belegten Neonikotinoide setzen Bienen und anderen Insekten zu, sondern auch ...

iStock/Mikedabell
... Chemikalien, die sich im Wasser befinden, das für die Bewässerung von Nutzpflanzen eingesetzt wird.

... Chemikalien, die sich im Wasser befinden, das für die Bewässerung von Nutzpflanzen eingesetzt wird.

Keystone/Eddy Risch
Wie US-Forscher berichten, können Rückstände von Hormonen und ...

Wie US-Forscher berichten, können Rückstände von Hormonen und ...

Keystone/Gaetan Bally

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist in Verruf geraten, denn die Mittel vernichten nicht nur die zu beseitigenden Schädlinge, sondern sorgen auch für Kollateralschäden – bei Mensch und Tier. Besonders die Insekten sind betroffen.

Letztere setzen auch andere Chemikalien zu, wie Forscher der University of California in Riverside nun in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten. Laut der Studie behindern Antibiotika und Hormone aus Verhütungsmitteln die Entwicklung von Insektenlarven (siehe Box).

Künstliches Futter und gespritzte Tomaten

Für die Studie hatte das Team um John T. Trumble die Raupen der Schmetterlingsart Aschgraue Höckereule (Trichoplusia ni) mit verschiedenen Wirkstoffen in Kontakt gebracht.

Die Test-Tiere konnten sich entweder an mit normalem Wasser gegossenen Tomatenpflanzen laben oder an solchen, die mit einer antibiotika- oder hormonhaltigen Lösung gewässert wurden. Eine dritte Gruppe bekam ein wirkstoffhaltiges, aber künstliches Futter. Anschliessend beobachteten die Forscher, wie es den Raupen erging.

Wirkstoffe mit Folgen

Das Ergebnis war eindeutig: Nicht nur war die Entwicklung der Larven deutlich verlangsamt, wenn sie von den Pflanzen futterten, die mit den Wirkstoffen in Berührung gekommen waren, es starben auch doppelt so viele Tiere. Noch mehr Tiere traf es, wenn sie die künstliche Nahrung gefressen hatten – vor allem dann, wenn sich darauf sowohl Antibiotika als auch Hormone befanden.

Die Konzentration der Wirkstoffe orientiert sich an denen, die in US-amerikanischen Oberflächenwässern basieren. Diese sind zwar um das Zehn- bis mehr als Hundertfache höher als die in unseren Breitengraden gemessenen Werte. Dennoch zeige die Studie etwas Wichtiges, so die Forscher: «Dass grob geklärtes Abwasser für die Bewässerung von Nutzpflanzen problematisch sein könnte.»

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So kommen die Wirkstoffe für den Menschen zum Tier

Nicht alles, was wir zu uns nehmen, bleibt auch in uns. Das ist beim Essen so, aber auch bei Medikamenten. Laut Studien scheidet der Mensch bis zu drei Viertel eines eingenommenen Medikaments unverändert wieder aus. Ein Teil der Wirkstoffe gelangt dann – trotz Klärung – über das Abwasser in die Umwelt und so zu den Insekten.

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