Drei Aaretote in drei Tagen: «Die Gefahr geht von den Schwimmern selbst aus»
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Drei Aaretote in drei Tagen«Die Gefahr geht von den Schwimmern selbst aus»

Die offenen Gewässer in der Region bergen viele Risiken. Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Lebensretter-Gesellschaft, erklärt das richtige Verhalten beim Baden.

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Der Mann, der zirka zwischen 35 und 45 Jahre alt ist, sprang auf Höhe des Lorrainebades in die Aare. Später wurde er leblos beim Stauwehr Engehalde aufgefunden.

Der Mann, der zirka zwischen 35 und 45 Jahre alt ist, sprang auf Höhe des Lorrainebades in die Aare. Später wurde er leblos beim Stauwehr Engehalde aufgefunden.

Freibad Lorraine
Es ist bereits der vierte Aaretote innerhalb einer Woche.

Es ist bereits der vierte Aaretote innerhalb einer Woche.

Kapo Solothurn
Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Sektion der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) stellt unmissverständlich klar: «Die Gefahr beim Schwimmen geht nicht unbedingt von den Gewässern aus, sondern von den Schwimmern, die sich überschätzen.»

Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Sektion der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) stellt unmissverständlich klar: «Die Gefahr beim Schwimmen geht nicht unbedingt von den Gewässern aus, sondern von den Schwimmern, die sich überschätzen.»

Keystone/Christian Beutler

Es ist eine traurige Bilanz: Zwischen Mittwoch und Freitag ertranken in der Aare bei Bern und Solothurn gleich drei Menschen. Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Sektion der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) stellt unmissverständlich klar: «Die Gefahr beim Schwimmen geht nicht unbedingt von den Gewässern aus, sondern von den Schwimmern, die sich überschätzen.»

Meist würden die Verunfallten über für die Situation ungenügende Schwimmkenntnisse verfügen und die eigenen Fähigkeiten nicht kennen. «Schwimmen im See oder im Fluss ist nicht dasselbe wie Schwimmen im Hallenbad», erklärt der langjährige Lebensretter, «es gibt dort keine Schwimmleine zum Fetshalten und den Grund kann man auch nicht sehen».

Mehr Wasser als letztes Jahr

Im Bereich von Stauwehren darf nicht geschwommen werden, denn diese bergen grosse Risiken aufgrund des enormen Wassersoges. Zusätzliche Gefahren entstehen, wenn sich das Wasser aufgrund eines Gewitters eintrübt und allfällige Hindernisse nicht mehr sichtbar sind. «Diesen Sommer hatten die Flüsse zudem mehr Wasser als letztes Jahr zur selben Zeit», sagt Fleuti. Die Folge: Das Wasser hat mehr Kraft.

In den Seen bildet die Hauptgefahr weniger die Strömung als vielmehr der starke Wind, der die Schwimmer wegtreiben kann, sagt Fleuti. Die Statistiken der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zeigen, dass sich die Todesfälle auf Flüssen und Seen ungefähr die Waage halten.

Vorsichtsmassnahmen beim Schwimmen

Zu den wichtigsten Baderegeln zählt, dass Schwimmer nicht überhitzt ins Wasser springen, sondern sich erst annetzen sollen, erläutert der Berner Lebensretter. Es komme immer wieder vor, dass Menschen wegen Nicht-Beachtung dieses Grundsatzes bewusstlos und werden ertrinken würden.

Ferner sei wichtig, die Schwimmstrecke zu kennen und ohne Einfluss von Alkohol und Drogen ins Wasser zu gehen. «Es muss einem bewusst sein, dass man schwimmen und nicht einfach nur ein bisschen planschen geht», mahnt Fleuti.

Für ausländische Bürger Sicherheitsplakate übersetzt

Als die grosse Flüchtlingswelle 2015 die Schweiz erreichte, musste auch die SLRG reagieren. «Die Bade- und Flussregeln wurden in verschiedene Sprachen übersetzt, damit die Leute direkt angesprochen werden», sagt der Berner Lebensretter.

«Sobald die Wassertemperaturen steigen, gehen sehr viele Leute baden, die sonst nicht in einem Fluss oder See schwimmen gehen würden», sagt Fleuti. «Ein Nachahmeffekt». Vor allem Ausländer seien nicht mit dem Wasser aufgewachsen und würden die Kultur des Schwimmens nicht kennen. «Sie bringen sich meist unbewusst in Gefahr.» Statistiken der BfU zeigen, dass der Anteil ausländischer Staatsangehöriger unter den Ertrunkenen steigt und die Ursache meist die Unwissenheit über die Eigenheiten der Seen und Flüsse ist.

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