Aktualisiert 24.03.2009 15:52

Offene Drahtlosnetzwerke

Die Gefahr lauert im WLAN

WLAN-Besitzer, die ihren Hotspot nicht mit einem Passwort schützen, dürfen sich nicht wundern, wenn plötzlich die Polizei im Haus steht und die Bude auf den Kopf stellt.

von
Manuel Bühlmann

Wer in einer Überbauung wohnt oder in urbanen Regionen durch die Strassen schlendert und sein Laptop oder iPhone anschmeisst, um damit im Web zu surfen, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit gleich eine ganze Liste an WLAN-Hotspots angezeigt bekommen - darunter auch viele, die kein Passwort erfordern. Da ist die Verlockung gross, sich einfach über eine der ungesicherten Internetverbindungen aus der Nachbarschaft einzuwählen.

Schwarzsurfen ist legal

Obwohl dem Fremdsurfer, ganz im Gegensatz zum Besitzer des WLAN-Hotspots, für seinen Ausflug ins Internet keine Kosten entstehen, bewegt er sich auf legalem Boden: «Sofern keine Zugangssperre überwunden wird, ist es hierzulande zulässig, einen fremden WLAN-Hotspot zum Surfen zu benutzen», erklärt IT-Rechtsexperte David Rosenthal von der Zürcher Kanzlei Homburger gegenüber 20 Minuten Online. Zum gleichen Schluss kommt der Berner Rechtsanwalt Max Berger in einer seiner juristischen Fachpublikationen: «Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Surfen auf fremden ungesicherten Drahtlosnetzwerken nicht sanktioniert werden kann. Es liegen weder straf- noch privatrechtliche Folgen auf der Hand.» Auch die Tatsache, dass durch den Eindringling die Downloadgeschwindigkeit verringert wird, so lange er sich zur gleichen Zeit wie der Besitzer auf dem WLAN aufhält, ändert nichts daran.

Anders verhält es sich in Deutschland. Laut einem Urteil des Amtsgericht Wuppertal ist das Schwarzsurfen verboten, egal, ob der Zugang zum Hotspot via Passwort verschlüsselt wurde oder nicht.

Illegale Downloads auf fremden WLANs

Doch wie sieht es aus, wenn ein ungebetener Gast ein fremdes WLAN missbraucht, um illegalen Content wie Kinderpornographie herunterzuladen? «Der Betreiber des Hotspots kann als Gehilfe strafrechtlich ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden, wenn er vorsätzlich handelt, also mit Wissen und Willen. Das dürfte in der Praxis aber nur selten der Fall sein. Für eine zivilrechtliche Haftung braucht es immerhin ein fahrlässiges Verhalten», sagt David Rosenthal.

Schwierige Beweislage

Trotzdem können ungebetene Gäste, die den offenen Hotspot für Straftaten missbrauchen, dem Betreiber viel Ärger und Kosten verursachen: «Von aussen schaut es so aus, als handle der Betreiber des Hotspots. Das kann durchaus dazu führen, dass plötzlich die Polizei im Haus steht und alles beschlagnahmt oder der Provider den Zugang kündigt», ergänzt Rosenthal. Herauszufinden, wer den Hotspot missbraucht hat, dürfte sich in der Praxis als äusserst schwierig erweisen. Denn im Router wird lediglich die MAC-Adresse gespeichert, die sich nicht einer Person zuordnen lässt.

Da sich offene WLAN-Hotspots dermassen leicht missbrauchen lassen, stellt sich die Frage, ob sich die Betreiber nicht strafbar machen oder haftbar werden, wenn sie ihren drahtlosen Internetzugang nicht mit einem Passwort sichern. «Die Meinungen hierzu sind geteilt. Nach meiner Meinung ist es grundsätzlich zulässig, einen offenen WLAN-Hotspot zu betreiben. Denn was bei Providern und Unternehmen unbestrittenermassen als in Ordnung gilt, sollte auch bei Privatpersonen so sein. Heikel wird es dann, wenn jemand seinen Hotspot zur Verfügung stellt, obwohl er konkret wissen müsste oder weiss, dass dieser für eine unerlaubte Handlung missbraucht wird», sagt Rosenthal.

Um den Zugang ins eigene Drahtlosnetzwerk zu sichern, sind in der Regel nur ein paar wenige Klicks nötig. Wer die Gebrauchsanleitung des Routers nicht mehr zur Hand hat, findet im Internet entsprechende Anleitungen zuhauf.

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