Pressestimmen: «Die geheime Gotthard-Botschaft an Europa»
Aktualisiert

Pressestimmen«Die geheime Gotthard-Botschaft an Europa»

Die Schweiz vergisst für einen Tag ihre Bescheidenheit und ist stolz auf das Jahrhundertbauwerk Gotthard-Basistunnel. Ein Blick in die nationalen und internationalen Medien.

von
chk
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Die «Aargauer Zeitung» schreibt von der «geheimen Gotthard-Botschaft unserer Bundesräte an Europa».

Die «Aargauer Zeitung» schreibt von der «geheimen Gotthard-Botschaft unserer Bundesräte an Europa».

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«Das wars mit der Romantik», meint die «Berner Zeitung». Die Fahrt durch den neuen Gotthard-Basistunnel sei schnell, ein erhabenes Gefühl wolle sich nicht einstellen.

«Das wars mit der Romantik», meint die «Berner Zeitung». Die Fahrt durch den neuen Gotthard-Basistunnel sei schnell, ein erhabenes Gefühl wolle sich nicht einstellen.

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«Der Gotthard ist mehr als eine Passage durch die Alpen», sagt NZZ-Inlandredaktor Helmut Stalder in einem Video.

«Der Gotthard ist mehr als eine Passage durch die Alpen», sagt NZZ-Inlandredaktor Helmut Stalder in einem Video.

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«Der Gotthard ist mehr als eine Passage durch die Alpen. Er ist seit Generationen der Referenzpunkt nationaler Identität, an dem sich die Schweiz stets neu bewähren muss. Und dies tut sie erneut mit der Eröffnung des Basistunnels.» Die NZZ sieht den Gotthard als Mission in der Mitte Europas. Inlandredaktor Helmut Stalder gibt seinen Kommentar sogar im Video ab.

Die «Berner Zeitung» wird etwas wehmütig und titelt: «Das wars dann mit der Romantik.» Die Fahrt durch den neuen Gotthard-Basistunnel sei schnell, ein erhabenes Gefühl wolle sich nicht einstellen: «Denn letztlich sieht man nur ein schwarzes Loch.»

SRF-Korrespondent sah viele Tränen

Auf der Homepage von SRF gibt Tessinkorrespondent Alexander Grass ein Interview. Er hat das Bauprojekt am Gotthard 14 Jahre lang begleitet. Beeindruckt hätten ihn die Tränen, die er gesehen habe. Er habe mit vielen gesprochen, die ihre halbes Berufsleben lang am Gotthard gebaut und geplant haben. «Wir Bahnbenutzer sehen die beiden Tunnelportale, sie aber sehen die Geschichten, die sich dahinter verbergen: Freundschaften, die hier entstanden, Schlimmes, Gutes, Erfolge und Niederlagen», sagt Alexander Grass zu SRF.

Im Artikel «Wir Schweizer» kommentiert Philipp Loser die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels. «Die Gottharderöffnung war ein Abbild unseres Landes. Perfekt organisiert, etwas verknorzt und manchmal richtig rührend», steht da. Aber: «Das war ein grosser Tag für die Schweiz. Es war ein Schweizer Tag.»

«Gotthard macht über Grenzen hinweg glücklich»

Der europäische Traum hat seine Wirklichkeit gefunden, schreibt «24heures». Die Feierlichkeiten waren dann auch eine gute Gelegenheit, die «angespannten Beziehungen» wieder ein wenig aufzuwärmen. «Der Gotthard macht über die Grenzen hinweg glücklich», schreibt «Le Matin».

Geheimnisvoll gibt sich die «Aargauer Zeitung» und schreibt von der «geheimen Gotthard-Botschaft unserer Bundesräte an Europa». Denn: Während die Schweiz und Europa feierten, verfolge die Landesregierung eine Agenda mit zwei Botschaften: «1. Die Schweiz ist ein Teil Europas. 2. Die Schweiz hat den Gotthard-Tunnel für Europa gebaut.»

Ein Blick ins Ausland

Die Rekordzahlen rund um den Gotthard-Basistunnel machen auch der ausländischen Presse Eindruck. Ihre Kommentatoren loben das Jahrhundertbauwerk auch als Vorbild für die eigenen Länder. «Die Schweiz lässt Deutschland alt aussehen», titelt etwa «Die Welt». Mit der planmässigen Fertigstellung des Gotthardtunnels zeige ein kleines Land, «wie man Grosses hinbekommt», heisst es in der Zeitung unter Hinweis auf die unendliche Baugeschichte des neuen Berliner Flughafens.

Auch im Kommentar der «Frankfurter Allgemeinen» schwingt Selbstkritik mit: «Die kleine Schweiz beschämt den Rest Europas wieder einmal mit ihrer Professionalität.» Sie beweise, «dass es kein Naturgesetz gibt, nach dem sich die Kosten für grosse Bauvorhaben... vervielfachen müssen».

Für den TV-Sender ARD lief beim «Mammut-Bauwerk» Gotthard «so ziemlich alles» besser als bei vergleichbaren Projekten in Deutschland. Dank grosser Transparenz und strenger öffentlicher Kontrolle habe die Schweiz bei Kosten- und Terminüberschreitungen rasch gegensteuern können.

«Wie haben die Ingenieure das gemacht?», fragt «Spiegel Online» unter dem Titel «Mythos Gotthard-Tunnel». Das Portal liefert detailliert die Antwort und geht punkto Gütertransport auch auf die grossen Erwartungen der Bahnmanager in das «Jahrhundertbauwerk» ein.

Verrückte Zahlen

Französische und spanische Medien legen den Fokus vor allem auf die «verrückten Zahlen» des neuen Alpendurchgangs, wie es der «Figaro» nennt. Der Sonderkorrespondent des «Le Monde» sah sich bei einem Augenschein am (noch) verschlossenen Tunnelportal an «das Versteck eines Bösen in einem James-Bond-Film» erinnert.

Die «New York Times» erkennt in der Eroberung der Alpen «so etwas wie eine nationale Besessenheit» der Schweizer. Für das «Wall Street Journal» wirkt die «verbindende Symbolik» des Anlasses «irgendwie wie aus der Zeit gefallen», einer Zeit, in der sich die Schweiz und andere europäische Länder mit Forderungen nach Grenzschliessungen konfrontiert sähen.

Britische Zeitungen und die BBC wiederum warten mit vielen Daten und Fakten auf. Das Boulevardblatt «Daily Mail» erhofft sich durch die Eröffnung des Tunnels «eine Million Lastwagen weniger auf den Strassen».

Das Ausland baute mit

Der «Guardian» erinnert zudem daran, dass Schweizer Politiker das Grossereignis wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum zu Gesprächen über die Begrenzung der Zuwanderung nutzen wollten. Allerdings könne der Tunnel als Symbol für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit «die Geister des populistischen Nationalismus» wohl nur vorübergehend vertreiben.

«La Repubblica» lädt dazu ein, sich mit einer Reise mit dem Sonderzug «Gottardino» selbst ein Bild vom «Tunnel der Rekorde» zu machen. «Wie ein Schweizer Uhrwerk» und ohne Verzögerungen sei der Bau verlaufen, lobt die italienische Zeitung, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass dieser Erfolg nur dank dem Einsatz von Arbeitern aus 15 Ländern möglich gewesen sei.

Ein wenig mitfeiern dürfe beim dem Jahrhundertbauwerk auch Österreich, findet der Österreichische Rundfunk. «Ohne die einstmals als verrückt verlachten Ideen heimischer Ingenieure wäre das Projekt gar nicht machbar gewesen, wie überhaupt inzwischen die meisten Tunnel weltweit.» (chk/sda)

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