Aktualisiert 24.07.2011 14:20

Inka-FestungDie geheimnisvolle Stadt in den Anden

Vor hundert Jahren, am 24. Juli 1911, entdeckte der Amerikaner Hiram Bingham die Ruinenstadt Machu Picchu in Peru. Heute zählt sie zum Welterbe der UNESCO.

von
Rolf Maag
Die Inkastadt Machu Picchu

Die Inkastadt Machu Picchu

Der Historiker Hiram Bingham, Spezialist für südamerikanische Geschichte an der Universität Yale, war seit langem von unerforschten Inkastätten fasziniert. Anfang Juli 1911 brach er an der Spitze einer von seiner Universität finanzierten Expedition in die peruanischen Anden auf. Ein Einheimischer hatte ihm einen Hinweis gegeben, der ihn schliesslich zu der 2430 Meter über Meer gelegenen Inkastadt Machu Picchu («alter Gipfel») führte, die damals von Urwald überwuchert war.

Monatelang rückten Binghams Leute der Vegetation mit Feuer und Machete zu Leibe, bis schliesslich die in den Felsen gehauene Stadt mit ihren Terrassen, Treppen, Türmen und Mauern vor ihnen lag. Schätzungsweise 40 000 Artefakte, darunter Mumien, Keramikgefässe und Schnitzereien, wurden ausgegraben und nach Yale gebracht. Die peruanische Regierung forderte lange Zeit vergeblich deren Rückgabe, doch im September 2007 konnte eine grundsätzliche Übereinkunft erzielt werden.

Freudentänze für den Machu Picchu

Ein gewaltiges Reich

Die Inkas, ursprünglich ein Stamm unter vielen im heutigen Peru, errichteten innerhalb von weniger als 100 Jahren mit Gewalt und Diplomatie ein Reich, das sich von Kolumbien bis Argentinien erstreckte. An dessen Spitze stand ein Kaiser, der nach dem Glauben der Inkas vom Sonnengott Inti abstammte. Als Generalkapitän Francisco Pizarro 1532 mit lediglich 168 Soldaten in Peru eintraf, war die Gelegenheit günstig. Der letzte Alleinherrscher, Huayna Capac, hatte das Reich unter seine Söhne Atahualpa und Huascar aufgeteilt. Zwischen den beiden entbrannte ein Bürgerkrieg, in dem Atahualpa die Oberhand behielt. Seinen Bruder setzte er in der Inka-Hauptstadt Cuzco gefangen.

Sieg durch Betrug

Am 25. September 1532 erschien Pizarros Häuflein vor Atahualpas Residenz Cajamarca. Da die Spanier den Inkas in einer offenen Feldschlacht niemals gewachsen gewesen wären, griff der Generalkapitän zu einer List: Er lud den Herrscher in sein Hauptquartier ein, wo er ihn gefangen nehmen liess. Unter dem riesigen, aber unbewaffneten Gefolge Atahualpas richteten Pizarros Leute ein furchtbares Gemetzel an. Dabei machten sie es sich zunutze, dass die Inkas weder Pferde noch Feuerwaffen kannten und in Panik gerieten, als sie mit diesen konfrontiert wurden.

Mord am Kaiser

Atahualpa hatte festgestellt, dass die Spanier von unersättlicher Gier nach Gold und anderen Edelmetallen erfüllt waren. Gemäss dem Chronisten Francisco de Xerez unterbreitete er Pizarro daher folgendes Angebot: «Er schlug vor, den Raum, in dem er gefangen gehalten wurde, so hoch, wie er mit den Fingerspitzen reichen konnte, mit Gold zu füllen. Die Spanier sollten ihm dagegen die Freiheit wiedergeben.» Die Inkas lieferten das Gold, doch Pizarro dachte gar nicht daran, sich an die Abmachung zu halten und liess den Kaiser nach einer Scheinverhandlung erwürgen.

Der Fluch des Inka

In den folgenden Jahren gelang es den Spaniern, das Inkareich zu erobern, auch mit Hilfe abtrünniger Einheimischer. Den an der ursprünglichen Expedition Beteiligten erging es allerdings mehrheitlich übel. Der Feldkaplan, der den Kaiser kurz vor seiner Ermordung auf den Namen «Francisco Atahualpa» getauft hatte – Taufpate war Pizarro -, wurde von Indianern ergriffen, die ihm flüssiges Gold in die Augenhöhlen gossen. Pizarro seinerseits entzweite sich mit seinem Kampfgefährten Almagro und liess ihn 1538 ermorden. Drei Jahre später nahmen dessen Anhänger Rache und töteten den Generalkapitän im Palast der neu gegründeten Stadt Lima.

Nachfolger Atahualpas wurde sein Bruder Manco Capac; er arbeitete zunächst mit den Spaniern zusammen, führte dann jedoch eine Rebellion gegen die spanischen Unterdrücker an, die erst 1572 engültig niedergeschlagen werden konnte.

Das Rätsel Machu Picchu

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Inkas ihre Angriffe auf die Spanier von der schwer zugänglichen Stadt Machu Picchu aus führten. Sie wurde vermutlich 1450 von dem Inka-Kaiser Pachacuti erbaut. Sie bestand aus 216 auf Terrassen gelegenen steinernen Bauten, die durch Treppen mit über 3000 Stufen verbunden waren. Weil die Stadt inmitten von Bergen liegt, die in der Kultur der Inkas eine hohe religiöse Bedeutung hatten, vermutet der amerikanische Anthropologe John Reinhard, dass Machu Picchu eine Kultstätte war, doch es gibt auch zahlreiche andere Theorien.

Ein gefährdetes Monument

1983 erklärte die UNSCO die Inkastadt zum Welterbe. Sie ist heute eine der grössten Touristenattraktionen Südamerikas und lockt jedes Jahr hunderttausende von Besuchern an. Entsprechend gross ist die Belastung des Geländes durch die Menschenmassen. Die UNESCO fordert daher, dass die Zahl der Besucher von derzeit 2000 auf 800 pro Tag reduziert werden solle, da die einmalige Stätte sonst in Gefahr sei.

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