Grossbritannien: Die Geheimwaffe des Tory-Chefs
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GrossbritannienDie Geheimwaffe des Tory-Chefs

Glaubt man den Umfragen, dann hat Grossbritannien am Donnerstag einen neuen Premierminister - und eine neue First Lady. Samantha, die Ehefrau von Tory-Chef David Cameron, ist auch seine Geheimwaffe.

von
ast
Samatha Cameron während des Wahlkampfs in Blackpool.

Samatha Cameron während des Wahlkampfs in Blackpool.

«Sie stellt mich komplett in den Schatten», sagt der Spitzenkandidat auf einem Video seiner konservativen Partei. Und «Sam Cam», wie seine Ehefrau auch genannt wird, kontert charmant: «Das ist eher meinem Babybauch zu verdanken als mir». Die Camerons erwarten nämlich im September ihr viertes Kind, nachdem ihr schwerbehinderter Sohn Ivan im vergangenen Jahr gestorben war.

Ihren ersten Fernsehauftritt hatte die brünette 38-Jährige Mitte März. Dabei versuchte sie, das elitäre Image ihres Mannes zu mildern. Dem Absolventen von Eton und Oxford werfen Kritiker vor, er könne die Probleme der einfachen Leute nicht verstehen.

«Definitiv nicht perfekt»

Ihr fünf Jahre älterer Mann sei «definitiv nicht perfekt», vertraute sie dem Fernsehsender ITV an. Wie jeder andere Ehemann auch habe David Cameron «viele sehr irritierende Gewohnheiten».

Sie sei nun seit 18 Jahren mit ihrem Mann zusammen und gemeinsam hätten die beiden einige «ziemlich harte Zeiten» durchgemacht, sagte die Kreativdirektorin eines Luxus-Lederwarengeschäfts weiter. «Ich kann ehrlich sagen, dass er mich in all' dieser Zeit nie im Stich gelassen hat.»

Den Briten verriet die modebewusste Mutter noch eine andere Stärke ihres Mannes, den sie «Dave» nennt: «Ich würde sagen, dass eines der genialsten Dinge an ihm seine Liebe zum Kochen ist», sagte die Tochter eines «Baronet», dem niedrigsten Adelsrang in Grossbritannien.

«Aber er macht eine furchtbare Unordnung. Er ist nicht besonders gut darin aufzuräumen, bevor er geht», fuhr Samantha Cameron fort. Genau solche Details waren es wohl, die sich die Spindoktoren der Tories vom Einsatz der erfolgreichen Designerin in der Wahlkampagne erhofft hatten.

Volksnaher dank Ehefrau

Trotz ihrer ebenfalls privilegierten Herkunft könnte «Sam Cam» das Kunststück gelingen, ihren Mann volksnaher wirken zu lassen. Statt der von vielen Tory-Frauen bevorzugten Twinsets und Perlen schmückt sie sich lieber mit einem Delphin-Tattoo am Fuss.

Ihre Jahre an der Kunsthochschule soll sie vor allem beim Billardspielen in rauchigen Pubs verbracht haben - noch schlimmer: angeblich hat Samantha Cameron einmal Tony Blair ihre Stimme gegeben.

Samantha Sheffield war 21 Jahre alt und Kunststudentin, als sie 1992 bei einem Italienurlaub mit ihrer engen Freundin Clare Cameron deren Bruder David kennenlernte. Vier Jahre später heirateten die beiden. Und nun kämpfen sie gemeinsam für ein Ende der 13-jährigen Labour-Regierung. (ast/sda)

Für Brown geht es um alles oder nichts

Meinungsumfragen zufolge dürfte es den knappsten Ausgang einer Parlamentswahl seit mehr als 20 Jahren geben. Ins Rennen steigen am Donnerstag die Labour Party (Arbeitspartei), die Torys (Konservativew) und die Liberaldemokraten.

Die letztgenannten haben erstmals seit 1974 wieder die Chance, Partner einer Koalitionsregierung werden - dank der blendenden Fernsehauftritte des Parteivorsitzenden Nick Clegg. Und auch, weil Sowohl Labour als auch Tories ihre Anhänger aufrufen, «taktisch zu wählen». Heisst, in umkämpften Gebieten wo die eigene Partei chancenlos ist, soll die Stimmen für die Liberaldemokraten statt für die eigene Partei eingelegt werden. So könnten die Liberaldemokraten zu den lachenden Dritten werden.

Ebenfalls zur Wiederwahl stellt sich der amtierende Premierminister Gordon Brown (Labour). Er deutete am Dienstag an, bei einer Niederlage den Hut zu nehmen. Die seit 1997 regierende Labour-Partei des Premierministers liegt Umfragen zufolge zwischen sieben und elf Prozentpunkte hinter den Konservativen. Die besten Chancen werden David Cameron (Tories) attestiert. Er hat bei den aktuellen Umfragen die Nase vorn - auch wegen seiner telegenen Ehefrau.

(ast)

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