Die Geldschlacht in der Bundesliga
Aktualisiert

Die Geldschlacht in der Bundesliga

In der Bundesliga ist ein spezielles Programm zu erwarten: Nie zuvor investierten die 18 Klubs mehr Geld in neues Personal. Für mehr als 30 Prozent der geschätzten 180 Millionen Euro kaufte Bayern München ein.

Auf dem UEFA-Papier ist die deutsche Liga nur «fünftklassig»: Spanien, England, Italien und Frankreich weisen in der Fünfjahres-Wertung höhere Punktzahlen aus. Bezüglich der öffentlichen Wahrnehmung ist die Bundesliga indes gleich hoch einzuschätzen wie die Topklassierten. Durchschnittlich 37'644 Zuschauer verfolgten die Partien.

Bei Bayern München wurde nach dem 4. Rang und der «Verbannung» in den UEFA-Cup in der Sommerpause gehandelt. Uli Hoeness kehrte mit prallgefüllten Einkaufstaschen von seiner Europa-Tour zurück. Stars wie Weltmeister Luca Toni (von Fiorentina), Frankreichs Mittelfeld-Motor Franck Ribéry (Marseille), der argentinische Internationale José Ernesto Sosa (La Plata) oder Deutschlands WM-Topskorer Miroslav Klose unterschrieben bei den Bayern, und Zé Roberto kehrte aus Brasilien zurück. Der 20-fache Champion hat sich in der Transferperiode für Bundesliga-Verhältnisse maximal verstärkt.

Für 11 von 18 Coaches der Bundesliga hat Bayern mit seinem Sturmlauf durch den internationalen Markt alle Fragen nach dem Titel bereits beantwortet. Mit dem Kaufrausch des Giganten vermochte kein Konkurrent auch nur annähernd mitzuhalten. In der «Bayern-Liga» rechnen die Experten damit, dass sich Bremen und Schalke auf ähnlichem Niveau wie Meister VfB Stuttgart bewegen werden. Hinter den «Big Four» ist der Kandidatenkreis für die weiteren Plätze im internationalen Business vermutlich gewachsen.

Professionals mit Schweizer Hintergrund sind in Deutschland zwar weiterhin nur als Randgruppe vertreten; dies wird sie aber nicht daran hindern, Schlagzeilen zu produzieren. Mladen Petric wertet auch die Offensivabteilung eines Bundesligisten diskussionslos auf. Zusammen mit Alex Frei, dessen Rückkehr nach einer Hüftoperation für Ende August vorgesehen ist, könnte der Hobby-Zauberer Petric den gewaltigen BVB-Anhang nach Jahren der Enttäuschungen (endlich) wieder einmal verwöhnen.

Schwieriger als angenommen ist der Job von Lucien Favre in Berlin. Allzu lang war die Hertha damit beschäftigt, sich von Altlasten und verwöhnten Jungstars wie Kevin-Prince Boateng (zu Tottenham) zu trennen. Der zweifache Meistertrainer aus Zürich fand auf dem Olympia-Gelände eine riesige Baustelle vor. Erst zwei Neue hatten die Berliner bis zur letzten Woche vor dem Start gegen Frankfurt verpflichtet. Favre schüttelte angesichts der taktischen Unzulänglichkeiten seiner aktuellen Equipe den Kopf: «Es wird schwierig. Wir haben noch sehr viel zu tun.» (si)

Deine Meinung