«Quantum of Solace»: Die Gentleman-Ära von 007 ist nun definitiv vorbei
Aktualisiert

«Quantum of Solace»Die Gentleman-Ära von 007 ist nun definitiv vorbei

Der neue «Bond» wurde ganz fürs jüngere Kinopublikum konzipiert. Ältere Semester und insbesondere auch das weibliche Publikum dürften mit der jüngsten 007-Actionshow nicht mehr viel anzufangen wissen.

Nix Q, nix Miss Moneypenny, nix «Mein Name ist Bond, James Bond.» Der neue Streifen verzichtet auf viele liebgewonnene 007-Standards. Dafür gibts Brutalo-Action im Zehnminutentakt. Fast bekommt man das Gefühl, nicht der Schweizer Marc Forster habe Regie geführt, sondern mehrheitlich sein genrekundiger Second-Unit-Regisseur Dan Bradley («The Bourne Ultimatum», siehe Info-Box.)

Doch wirkliche Stunt-Highlights (wie etwa der Bungee-Jump in «Golden­Eye») fehlen. So ist etwa die einleitende Aston-Martin-Verfolgungsjagd rasant geschnitten, aber viel zu nahe fotografiert. Weiter gehts mit einem faden 007-Song («Another Way to Die» von Jack White und Alicia Keys) und Bonds verbissener Suche nach jenen Leuten, die seine erste grosse Liebe Vesper (Eva Green aus «Casino Royale») in den Tod getrieben haben.

Trotz mahnender Worte vom mütterlichen Boss M (Judi Dench) wird Bond zum Rächer ohne Furcht und Tadel. Die forensische Abteilung des Geheimdienstes kann einen MI6-Verräter mit einem Bankkonto in Haiti in Verbindung bringen. Wegen einer «Verwechslung» macht Bond dort die Bekanntschaft der resoluten Camille (Olga Kurylenko), einer Frau, die ihre eigene Vendetta führt.

Camille führt Bond direkt zum skrupellosen Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric). Auf einer Mission, die ihn nach Österreich, Italien und Südamerika führt, findet Bond heraus, dass Greene ein Komplott schmiedet und versucht, die totale Kontrolle über eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen der Welt zu gewinnen. Nein, nicht Öl, sondern Wasser.

Bemühte sich «Casino Royale» zwischendurch noch um Stil und Klasse, so ist «Quantum of Solace» – abgesehen von einem formal gelungenen Intermezzo auf der Bregenzer Seebühne mit Szenen aus der Oper «Tosca» – nurmehr eine rasante Actionshow. Daniel Craig füllt die Hauptrolle mit seinen blauen Augen zwar fast schon blendend aus. Aber die restliche Besetzung ist pure Staffage: Der französische Charakterdarsteller Mathieu Amalric («Le scaphandre et le papillon») wirkt wenig furchteinflös­send, sein Gehilfe Elvis (Anatole Taubman) hat nicht viel zu tun. Auch die beiden Bond-Girls zeichnen sich eher durch Kampfkönnen (Olga Kurylenko) und «Goldfinger»-Opfertod (Gemma Arterton) aus, als durch ihren Sex­appeal.

Unter dem Strich ist «Quantum of Solace» mit diesen Neuerungen zwar ein gut gemachter, letztlich aber x-beliebiger Actionstreifen geworden. Klassisches 007-Feeling kommt einzig und allein bei Filmschluss auf, wo das Gun-Logo inklusive einprägsamem James-Bond-Musikmotiv auftrumpft.

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James Bond vs. Jason Bourne

James Bond ist seit nunmehr 46 Jahren der sicherste Wert im Filmgeschäft. Keine Kinoserie hat bislang eine solche Kontinuität an den Tag gelegt. Der blauäugige Muskelprotz und sechste 007-Darsteller Daniel Craig hat mit «Casino Royale» und seinem eigenen, knallharten Stil gar den erfolgreichsten Bond-Streifen aller Zeiten gelandet. Der Actionthriller «Quantum of Solace» erinnert nicht zuletzt wegen einzelner Crew-Mitglieder (Stunt-Team, Stunt-Koordinator und Schnittmeister) an thematisch ähnliche Konkurrenzproduktionen wie etwa die Jason-Bourne-Reihe mit Matt Damon. Dabei haben die «Bourne»-Macher vor Jahren verkündet, sich ihrerseits an den James-Bond-Filmen zu orientieren. «A Thinking Man’s James Bond» lobte etwa der Produzent Frank Marshall die «Bourne»-Reihe. Letztlich bleibt die Frage, in welche Richtung sich die 007-Kinoserie im Zeitalter von «Jason Bourne 4» (wieder mit Matt Damon), «Thomas Crown 2» (wieder mit Pierce Brosnan), aber auch der TV-Actionserie «24» (mit Kiefer Sutherland) weiterentwickeln wird. Grundlegend neue Trendsetter-Impulse wären dringend notwendig.

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