«Interview mit Erfolgsproduzent Bernd Eichinger»: Die Geschichte der RAF verfilmt
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«Interview mit Erfolgsproduzent Bernd Eichinger»Die Geschichte der RAF verfilmt

Mit Kinohits wie «Der Name der Rose», «Die unendliche Geschichte», «Der Untergang» oder
«Das Parfum» schuf sich Produzent Bernd Eichinger im internationalen Filmgeschäft einen Namen. Mit dem Politthriller «Der Baader Meinhof Komplex» hat er erneut ein heisses Eisen im Feuer. Den Film präsentiert er heute höchstpersönlich mit Stars und Sternchen als Auftakt zum vierten Zurich Film Festival.

Wie kam es zur Verfilmung von «Der Baader Meinhof Komplex»?

Bernd Eichinger: Ich wollte schon 1978 einen Film über Ulrike Meinhof drehen. Aber damals war das Thema deutscher Terrorismus noch nicht genügend recherchiert und es war auch zu vielschichtig für mich als jungen Filmemacher. Erst jetzt fühle ich mich erfahren genug, um dieses zentrale Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte anzugehen. Die Geschichte der RAF ist ein Thema, das mich seit meiner Jugend beschäftigt.

Warum haben Sie Stefan Austs Buch als Vorlage genommen?

Bernd Eichinger: Sein Buch «Der Baader Meinhof Komplex» ist die einzige wirklich kompetente Zusammenfassung der Ereignisse von 1967 bis zum Deutschen Herbst 1977 im Zusammenhang mit der Geschichte der RAF.

Nach «Der Untergang» haben Sie auch hier das Drehbuch verfasst. Wie bereitet man einen politischen Stoff spannend auf?

Bernd Eichinger: Die erste Frage war: Wie gies­se ich zehn Jahre Zeit­geschichte in eine im Kino erlebbare Form? Eine traditionelle Herangehensweise war da ausgeschlossen. Stattdessen habe ich mich einer zerrissenen Form der Dramaturgie bedient, was ich auch «Fetzendramaturgie» nenne. Der Film besteht aus lauter Puzzleteilen, die der Zuschauer selbst zu einem Gesamtbild zusammensetzen muss.

Nahmen Sie sich viele künstlerische Freiheiten?

Bernd Eichinger: Recherche und Präzision haben oberste Priorität für einen Filmemacher. Einzig und allein die Figur von Horst Herolds Assistenten ist erfunden. Bei den Dialogen habe ich mich – so weit es ging – auf Originaltexte und überlieferte Inhalte gestützt.

Wie kam die Besetzung der drei Hauptrollen zustande?

Bernd Eichinger: Es gab nur sehr wenige Schauspieler, die für die Hauptrollen in Frage kamen. Nicht viele Schauspieler können so komplexe und changierende Figuren wie Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin spielen.

Warum stehen im Film weniger die Theorien als die Taten der RAF im Vordergrund?

Bernd Eichinger: Erstens teile ich Stefan Austs Bestreben zu fragen: Was genau ist da eigentlich passiert? Zweitens war es die RAF, die sich für den Kampf und gegen die politische Debatte entschieden hat. So

ist es nur konsequent, dass wir im Film ähnlich vorgehen. Ausserdem bin ich der Überzeugung, dass sich ­Menschen letztlich nicht über das definieren, was sie sagen, sondern über das, was sie tun.

«Der Baader Meinhof Komplex» eröffnet Donnerstag Abend im Zürcher Kino corso das 4. Zurich Film Festival.

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