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Die Geschichte einer Kindheit im Iran

COMIC – Marjane ist zehn Jahre alt, als sich 1979 in ihrem Heimatland Iran die politischen Verhältnisse ändern. Der Schah ist geflohen und die so genannte islamische Revolution hat gesiegt. Und nun kommt etwas, das in Marjanes Leben eingreift: das Kopftuch. Nach dem Sieg der islamischen Revolution müssen die Frauen und Mädchen plötzlich wieder dieses komische, unpraktische Ding tragen. Marjane kommt aus einer links orientierten, aufgeklärten Familie, die den strenggläubigen Revolutionswächtern ein Dorn im Auge ist. Zwei, drei Jahre umgeht das Mädchen clever die fundamentalistischen Zwänge, besorgt sich dekadente westliche Musik, coole Kleider und Posters von Iron Maiden. Dann, nach mehreren Zusammenstössen mit den Sittenwächern und dem unseligen Krieg mit dem Irak, wird Marjane von ihren Eltern vorsichtshalber ins Ausland geschickt.

Marjane Satrapi hat ihre Geschichte vor allem deswegen erzählt, weil sie nicht will, dass die traditionsreiche iranische Zivilisation nur mit dem Fundamentalismus und dem Terror einer Minderheit in Verbindung gebracht wird. In diesem ebenso einfach wie charmant gezeichneten Comic erfahren wir viel von der grossen Geschichte des Irans und seinen aussergewöhnlichen Menschen. Durch die Erzählweise aus der naiven Perspektive eines Mädchens heraus verbindet sich persönliches Erleben mit grosser Politik, die Kommentare Marjanes verhindern Pathos. Kurzum: Dies ist ein kleines Comic-Meisterwerk.

Wolfgang Bortlik

Marjane Satrapi: «Persepolis». Edition Moderne, 160 Seiten, 39.80 Franken.

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