Schweizer arbeitet 200 Prozent – Das denkt die Community

Aktualisiert

Schweizer arbeitet 200 Prozent«Die Gesellschaft zahlt, wenn er wegen seiner drei Jobs ein Burn-out hat» 

Ein 26-jähriger Schweizer arbeitet 200 Prozent in drei Jobs – sein Hauptarbeitgeber weiss nichts davon. 20-Minuten-Leser*innen finden, dass er damit nicht nur seiner Gesundheit schadet. 

von
Gabriela Graber
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«Insgesamt arbeite ich fast 200 Prozent», sagt der 26-Jährige.

«Insgesamt arbeite ich fast 200 Prozent», sagt der 26-Jährige.

IMAGO/Russian Look
Hauptberuflich arbeite er in einem bekannten Schweizer Unternehmen. 

Hauptberuflich arbeite er in einem bekannten Schweizer Unternehmen. 

20min/Simon Glauser
Sein Arbeitgeber wisse nichts von seinen Nebenjobs: «Ich riskiere jeden Tag, dass es auffliegt. Dann könnte mir die Kündigung drohen.»

Sein Arbeitgeber wisse nichts von seinen Nebenjobs: «Ich riskiere jeden Tag, dass es auffliegt. Dann könnte mir die Kündigung drohen.»

20min/Michael Scherrer

Darum gehts 

  • Ein Schweizer (26) hat drei Arbeitgeber, für die er insgesamt über 200 Prozent arbeitet – aus Spass, wie er sagt. 

  • Er verstösst damit gegen das Arbeitsrecht. 

  • Die Community befürchtet, dass der Mann ausbrennen könnte. 

Wenn für seine Arbeitskollegen Feierabend ist, gehts für einen 26-jährigen Schweizer gleich nochmal los: Der Mann, der anonym bleiben will, hat drei Jobs und arbeitet insgesamt über 200 Prozent – aus Spass, wie er sagt. Nebst seinem Vollzeitjob ist der 26-Jährige im Stundenlohn in zwei Gastrobetrieben beschäftigt. Freizeit brauche er kaum – und schlafen würde er durchschnittlich rund drei Stunden. Doch der Mann hat ein grosses Ziel: «Ich plane, in 35 Jahren auszuwandern. Dafür will ich jetzt genügend Geld verdienen und sparen, sodass ich später weniger machen muss.»

«Er betreibt Raubbau an seinem Körper» 

Viele Mitglieder der 20-Minuten-Community finden, dass der Mann mit seinem vielen Arbeiten übertreibt: «Mit durchschnittlich drei Stunden Schlaf betreibt der Mann Raubbau an seinem Körper. Früher oder später wird sich das rächen ...», schreibt Napa10. Ähnlich denkt auch M.333: «Das geht nur, solange der Körper noch mitmacht.» Wenn man jung sei, gehe das, findet dagegen User Barmaba. «Vor 40 Jahren habe ich das auch gemacht.»

Einige Leser*innen stören sich daran, dass sie als Krankenkassenzahler*innen dafür aufkommen müssten, wenn der Mann ausfallen sollte. «Die Gesellschaft zahlt, wenn er mit Burn-out Monate oder Jahre ausfällt», so etwa User Schdäffn. 

Anony_Mia erwartet jedoch nicht, dass das passiert. «Das kann sogar viele Jahre gut gehen.» Der gravierende Unterschied liege darin, ob jemand arbeiten wolle oder arbeiten müsse. «Wer arbeiten will, hat eine ganz andere Motivation dafür als Menschen, die Arbeit als mühselige Pflicht ansehen.» 

 «Ich fühle mich da durch die Gewerkschaft bevormundet» 

Auch er arbeite 120 Prozent – doch sein Arbeitgeber wisse von seinem Start-up-Aufbau nach Feierabend, so Gnömli82. Offiziell dürfe er nur drei zusätzliche Wochenstunden arbeiten, was aber bei Weitem nicht ausreiche. «Ich fühle mich diesbezüglich durch die Gewerkschaft bevormundet. Denn jeder Mensch hat eine andere Leistungsfähigkeit.»

Auch Leser Hermann hat mehrere Jobs: «Mach ich auch so. Wenn die Firma nicht auf das Wohlergehen der Mitarbeiter schaut, dann schaue ich für mich selbst.» 

Leserin Svarupo muss mehr als 100 Prozent arbeiten, um ihre Familie zu ernähren: «Ich habe als Alleinerziehende mit drei Jugendlichen auch zwei Jobs, weil ein Job hinten und vorne nicht reicht. Selbst mit 140 Prozent können wir uns nichts leisten und kommen gerade mal so über die Runde.» 

«Er hat ein Ziel und ist ehrgeizig» 

Einige Leser*innen loben den Eifer des Mannes: «Mal einer, der arbeiten will! Normalerweise ist Arbeit ja für die Generation Z ein Fremdwort», findet User Gehtsnoch. Und User Thomaphil schreibt: «Meine Güte, lasst den Jungen machen. Er hat ein Ziel und ist ehrgeizig. Go for it.»

Aufgrund der eigenen Biografie sieht das Anony_Mia ähnlich: «Er hat Lebensziele und für die steckt er halt im Moment zurück.» Das sei vollkommen ok, wenn es für den Mann passe. Anony_Mia habe selbst viele Jahre 200 Prozent im eigenen Hotel-Gastrobetrieb gearbeitet, dies dann verkauft und sei mit 55 aus dem Berufsleben ausgestiegen. «Toll, der Junge! Schaffen statt fordern und jammern.»

Die obenstehenden Aussagen sind Meinungen von Leser*innen und entsprechen nicht zwingend der Richtigkeit oder dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Würdest du mehr als 100 Prozent arbeiten? 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Probleme mit dem Job?

Hier findest du Hilfe:

Arbeit.swiss, Informationen und Adressen für Stellensuchende

Lohnforderung.ch, Rechte bei fristloser Kündigung

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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