Schweizer Kriminalfall: Die Giftpilzmörderin von der Goldküste

Aktualisiert

Schweizer KriminalfallDie Giftpilzmörderin von der Goldküste

Sie sind schmackhaft und gesund - zumindest einige Sorten. Andere wiederum sind hochgiftig. Wie verheerend sich der Verzehr eines der seltsamen Wald-Organismen auswirken kann, zeigte der Fall der Zürcher Giftpilzmörderin.

von
Runa Reinecke

Nun sind sie wieder im Wald unterwegs - die Pilzesammler. Doch nicht jeder freut sich über das kleine, beige-braune Etwas auf dem Speiseteller. So mancher vermag nicht einmal den Geruch des Gewächses zu ertragen: «Wäh! Öberall heds Pilzli draa».

Der Pilz als Mordwaffe

Einige dieser Organismen, die sowohl über pflanzliche als auch tierische Eigenschaften verfügen, haben es richtig in sich - allen voran: Der grüne Knollenblätterpilz. Der hochgiftigen Wirkung seiner Inhaltsstoffe bediente sich 1993 die damals 24-jährige Simone S.: Die junge Frau, ihr Mann Martin und Simones Liebhaber Daniel C. lebten über Jahre eine Ménage à trois an der Zürcher Goldküste - mit klarer Rollenverteilung: Martin verdiente das Geld, Simone und Daniel gaben es aus.

Als Martin für Simone und Daniel zur Last wurde, stellten sie den Dritten im Bunde mittels Schlaftabletten ruhig. Danach wuchs der Plan, Martin zu töten: Der Gatte der jungen Frau wurde mit Hilfe eines grünen Knollenblätterpilzes vergiftet.

Heimtückische Pilzvergiftung

Das Pilzgift ist - im Gegensatz zu anderen Toxinen - besonders heimtückisch: «Erste Symptome wie heftiges Erbrechen und blutige Durchfälle treten erst nach sechs bis 12, manchmal auch erst nach 24 Stunden auf», erklärt Dr. Katharina Schenk-Jäger, ärztliche Mitarbeiterin des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums in Zürich. Danach geht es den Betroffenen erst einmal etwas besser. «Ein trügerischer Moment, denn zu diesem Zeitpunkt ist die Leber schon schwer durch das im Pilz enthaltene Gift Amanitin geschädigt», betont die Expertin. Die Leber kann den Körper nicht mehr entgiften, das Weisse in den Augen und die Haut des Betroffenen verfärben sich gelblich. Ausserdem kommt es zu Störungen der Blutgerinnung. Wird die Vergiftung nicht behandelt, ist der Betroffene oft nach sechs Tagen tot.

Besteht der Verdacht einer Pilzvergiftung, müssen sofort Massnahmen ergriffen werden: Sind noch keine Beschwerden aufgetreten, sollte laut ärztlichem Rat zunächst eine Aktivkohle-Suspension oder flüssige Aktivkohle (gibts in der Apotheke) eingenommen werden. Danach muss sich die möglicherweise vergiftete Person umgehend in ein Spital begeben. Im Spital wird versucht, die Leber zu «retten» und den Körper mit unterschiedlichen Therapien zu entgiften. Ist die Vergiftung weit fortgeschritten und die Leber stark geschädigt, hilft nur noch eine Lebertransplantation - ein äusserst risikoreicher Eingriff. Ausserdem ist nicht klar, ob man rechtzeitig ein passendes Spenderorgan findet. Selbst bei erfolgreicher Transplantation kann eine postoperative Abstossungsreaktion auf das fremde Organ stattfinden.

Giftpilz - schon eine geringe Menge kann töten

Bereits der Verzehr eines mittelgrossen grünen Knollenblätterpilzes von etwas 50 g Gewicht kann für einen Erwachsenen tödlich enden. Glücklicherweise geschieht dies selten: Seit 1995 nahmen - so das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum - sieben Pilzvergiftungen in der Schweiz einen schweren Verlauf. Drei Personen überlebten die Vergiftung nicht.

Pilze: Kontrolle ist überlebenswichtig

Wer ausschliesslich Zuchtpilze geniesst, hat nichts zu befürchten. Pilzesammler laufen allerdings Gefahr, ein giftiges Exemplar im Sammelkörbli mit nach Hause zu tragen. Deshalb sollten selbst erfahrene Pilzesammler ihre Ernte grundsätzlich von der Pilzkontrolle überprüfen lassen. Wo Sie die nächstgelegene Pilzkontrolle finden, erfahren Sie !

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