Solothurn: Die Goldschmiede mit der Lizenz zum Sprengen
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SolothurnDie Goldschmiede mit der Lizenz zum Sprengen

Wolfgang Schnider und Matthias Hammer bearbeiten Stahl mit gezielten Explosionen von Plastiksprengstoff. Ihre Kunstwerke präsentieren sie nun in einer Ausstellung.

von
Simon Ulrich

Sehen Sie, wie es bei den Sprengkünstlern knallt.

Lupe und Pinzette sind ihre Alltagswerkzeuge, Gehörschutz und

Sprengstoff die Ausrüstung an besonderen Arbeitstagen: Die beiden Solothurner Goldschmiede Wolfgang Schnider und Matthias Hammer verwandeln quadratmetergrosse Metallplatten in Kunstwerke – mit genau platzierten Explosionen.

«Jedes Objekt wird zuerst am Tisch entworfen und gezeichnet», sagt Hammer. Entspricht die Vorlage den Vorstellungen der beiden Künstler, wird sie mit Hilfe von Plastiksprengstoff auf die unbehandelten Metallplatten übertragen.

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Die beiden Sprengkünstler Wolfgang Schnider und Matthias Hammer schmiedenStahl mit gezielten Explosionen.

Die beiden Sprengkünstler Wolfgang Schnider und Matthias Hammer schmiedenStahl mit gezielten Explosionen.

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Durch die Sprengkraft werden sechs Millimeter dicke Chromstahlplatten wie dünnes Papier aufgerisen.

Durch die Sprengkraft werden sechs Millimeter dicke Chromstahlplatten wie dünnes Papier aufgerisen.

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Die Vorbereitungen: Der Plastiksprengstoff wird sorgfältig auf die unbehandelte Metallplatte gebracht.

Die Vorbereitungen: Der Plastiksprengstoff wird sorgfältig auf die unbehandelte Metallplatte gebracht.

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Strenge Sicherheitsvorschriften

Die Dicke der aufgetragenen Paste entscheidet darüber, ob durch die Explosion feine Dellen oder brutale Risse im Chromstahl entstehen. «Das Zusammenspiel zwischen dem Ästhetisch-Glatten und dem Archaisch-Wilden macht den Reiz unserer Werke aus», so Hammer.

Das Sprengen ist keine Kunstform für jedermann. Man muss wie Wolfgang Schnider eine Lizenz dazu haben. «Ich musste verschiedene Kurse absolvieren, um diese zu erhalten», sagt Schnider. Das Handling, etwa der Transport des Sprengstoffs oder der Sicherheitsabstand zur Explosion, unterliege strengen Vorschriften. «Alles ist klar geregelt, es bleibt kein Spielraum», so der gebürtige Spiezer.

Erweiterung des Goldschmied-Alltags

Gesprengt wird in einem ehemaligen Steinbruch in Olten. Dort haben sich Schnider und Hammer eigens einen Stahlbunker errichtet, da sich die Anwohner zunächst über den Lärm beschwerten. Denn eine Metallplatte erfordert nicht nur eine, sondern mehrere Sprengungen. «Würden wir bei der ersten Detonation gleich die gesamte Sprengstoffmenge verwenden, würde das Ding in die Luft fliegen», erklärt Schnider.

Die Fleissarbeit beginnt jedoch erst nach der Sprengung. Denn die Metallplatten weisen Schmauchspuren auf und müssen in der Werkstatt gereinigt, poliert und veredelt werden – so wie unbehandelte Edelsteine. «Wir sehen die Sprengkunst als Erweiterung unserer Tätigkeit als Goldschmiede», sagt Schnider.

Schnider und Hammer stellen ihre Werke vom 11. bis 13. November im Restaurant Limpach's in Aetingen aus. Weitere Werke gibts in der Goldschmiede an der Barfüssergasse in Solothurn zu sehen.

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