Es geht um die Wurst: «Die Grillsaison ist gerettet»
Aktualisiert

Es geht um die Wurst«Die Grillsaison ist gerettet»

Die Schweizer Nationalwurst löste im letzten Jahr eine nationale Krise aus. Nach dem Darm-Alarm gibts jetzt Entwarnung an der Cervelat-Front – allerdings nur kurzfristig.

von
Marius Egger

Die Wurst ging um die Welt. Und heute wissen von Australien bis Zimbabwe wohl alle, was Herr und Frau Schweizer im Sommer auf den Grill werfen: Den Cervelat. Nachdem die EU die brasilianischen Cebu-Rinderdärme verboten hatte, berichtete im letzten Jahr die halbe Welt über die Cervelat-Krise in der Schweiz – mit schönen Folgen für die Wurstindustrie: «Der Cervelat-Verkauf hat 2008 um rund zehn Prozent zugelegt», sagt Rolf Büttiker, FDP-Ständerat und Präsident des Schweizerischen Fleischfachverbands (SFF).

30 Prozent fehlen

Jetzt, rund ein Jahr nach dem Darm-Alarm, ist die Wurst-Hysterie abgeklungen. Doch die Krise ist noch nicht ausgestanden. «Wir können momentan rund 70 Prozent des Rinderdarm-Bedarfs decken», sagt Büttiker. Auf ihrer Suche nach Ersatz wurde die Cervelat-Industrie in Argentinien, Uruguay und Paraguay fündig. Der Löwenanteil (40 Prozent) wird aus Argentinien importiert, je 15 Prozent kommen aus den beiden anderen Ländern. Noch lagern auch einige Vorräte an brasilianischen Därmen bei den Cervelat-Produzenten. Und Büttiker sagt: «Wir können den Bedarf auch noch etwas erhöhen.» Doch das ist nicht ganz einfach.

«Der Darmhandel befindet sich in einer unkomfortablen Situation», weiss Balz Horber, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF). Bereits die Suche nach geeigneten Därmen sei schwierig gewesen. Der Bestand in Argentinien, Uruguay und Paraguay an qualitativ guten Därmen sei nahezu ausgereizt. «Die Händler müssen sich bereits jetzt zur Decke strecken», sagt Horber. Die Folgen: «Die Wursthüllen sind teurer geworden.» Weil der Darmpreis für das Gesamtprodukt eine kleine Rolle spielt, sei eine Erhöhung des Cervelat-Preises jedoch kein Thema.

Entscheid Ende September

Die Versorgungslücke ist also noch nicht vom Tisch. «Der Bedarf ist nur knapp gedeckt», weiss auch Horber. Und die Rettung naht frühestens Ende September. Bis dann soll die EU-Kommission das Importverbot brasilianischer Rinderdärme neu beurteilen. Die Neubeurteilung erfolgt auf Antrag des Bundesamts für Veterinärwesen, das dem Antrag eine Risikoanalyse beigelegt hat, die von unabhängigen Experten aus England, Holland und Deutschland erstellt wurde. Horber: «Wir können erst durchatmen, wenn wir wieder brasilianische Därme importieren dürfen.»

Die Cervelat-Experten gehen bei einem positiven Entscheid der EU davon aus, dass ab 2010 wieder brasilianische Därme importiert werden können. Zumindest für die Sommersaison kann Rolf Büttiker aber Entwarnung geben: «Die Grillsaison ist gerettet.»

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