Aktualisiert 06.01.2018 22:03

Blaue Haut, schneller TodDie Grippe, an der bis zu 100 Mio Menschen starben

Schnell, ansteckend und tödlich: Die Spanische Grippe traf die Menschen so rasch und hart wie keine andere Pandemie der Moderne.

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Die erste grosse Grippewelle des 20. Jahrhunderts war die Spanische Grippe, die 1918 erstmals auftrat. (Im Bild: Erkrankte werden im Walter-Reed-Militärspital in Washington versorgt.)

Die erste grosse Grippewelle des 20. Jahrhunderts war die Spanische Grippe, die 1918 erstmals auftrat. (Im Bild: Erkrankte werden im Walter-Reed-Militärspital in Washington versorgt.)

Wikimedia Commons/PD
Mehrere Millionen Menschen erkrankten – und starben – daran. (Im Bild: Übersicht über die an der Spanischen Grippe Verstorbenen in 49 spanischen Provinzen)

Mehrere Millionen Menschen erkrankten – und starben – daran. (Im Bild: Übersicht über die an der Spanischen Grippe Verstorbenen in 49 spanischen Provinzen)

Wikimedia Commons/G. Chowell et al./CC-BY 4.0
Allein in der Schweiz fielen ihr fast 25'000 Menschen zum Opfer. (Im Bild: Sanitäter in einem Wagen des Rekonvaleszenz-Zentrums Gunten-Sigriswil, in dem Schweizer Betroffene behandelt wurden)

Allein in der Schweiz fielen ihr fast 25'000 Menschen zum Opfer. (Im Bild: Sanitäter in einem Wagen des Rekonvaleszenz-Zentrums Gunten-Sigriswil, in dem Schweizer Betroffene behandelt wurden)

Wikimedia Commons/PD

Schlimmer als die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs (1914–1918) traf die Menschen zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Spanische Grippe.

Innerhalb von nur zwei Jahren entwickelte sie sich bis ins Jahr 1920 zur schlimmsten Grippe-Pandemie der Geschichte mit 27 bis 50 Millionen – manchen Quellen zufolge sogar bis zu 100 Millionen – Toten. Allein in der Schweiz starben fast 25'000 Menschen.

Lange verdrängt

Anders als bei anderen derartigen Katastrophen sucht man Denkmäler und Relikte jener Zeit nahezu vergeblich, selbst Fotos sind eher rar.

Die vielleicht grösste Vernichtungswelle der Menschheitsgeschichte sei einer Art kollektivem Vergessen anheimgefallen, heisst es in dem Buch «1918 – Die Welt im Fieber» der Wissenschaftsjournalistin Laura Spinney, das am 29. Januar erscheint.

Erst in jüngerer Vergangenheit sei die Spanische Grippe vermehrt ins Bewusstsein der Menschen gerückt, auch weil sie zum Stoff von Büchern, Filmen und Serien wie «Downton Abbey» wurde. Zuvor: nicht viel mehr als eine Fussnote des Weltkriegs.

Die Angst, die damals umging, ist auch in der britischen TV-Serie «Downton Abbey» zu spüren. (Video: Youtube/stargazerparadox1945)

Unterschiedliche Heftigkeit

Im Deutschen Reich sollen einer Studie zufolge rund 426'000 Menschen der Grippe zum Opfer gefallen sein – das entspricht einer mittleren Grossstadt, einfach ausradiert. «Bei unserem heutigen Gesundheitssystem wäre das unerträglich, praktisch nicht vorstellbar», sagt die Grippe-Expertin Silke Buda vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Gleichwohl: Indien und Südafrika etwa erwischte es sehr viel heftiger. Und längst nicht aus allen Ländern gibt es überhaupt Daten. Aussagen mit letzter Sicherheit sind daher schwierig.

Drei Wellen

Der Berliner Historiker und Oberarzt der Charité, Wilfried Witte, hat über die Spanische Grippe geforscht. Der Nachrichtenagentur DPA sagte er, es habe damals alles relativ harmlos begonnen. Während der ersten Ansteckungswelle im Frühjahr 1918 erkrankten zwar sehr viele Menschen, aber relativ wenige starben. Im Herbst nahm jedoch eine weitere, tödliche Welle ihren Lauf.

Auch die Schweiz wurde in drei Wellen getroffen: im Juli 1918, im Oktober-November 1918 und im Dezember-März 1918-1919.

Als die Spanische Grippe im Baselbiet wütete

Je nach Schätzung bis zu 100 Millionen Menschen erlagen dem Virus, das im Herbst 1918 unter dem Namen „Spanische Grippe“ weltweit Angst und Schrecken verbreitete. Jeder fünfte Einwohner des Baselbiets, besonders junge Männer und Frauen, infizierte sich mit der Krankheit. (Video: GeschichteBaselland)

Im Baselbiet erkrankte jeder fünfte Einwohner an der Spanischen Grippe, vor allem junge Männer und Frauen. (Video: Youtube/GeschichteBaselland)

Gerade dort, wo Menschen geballt aufeinandertrafen, wie in Rekruten- oder Kriegsgefangenenlagern, steckten sich laut Witte auf einen Schlag zahlreiche Menschen an. «Die meisten sind an einem akuten Lungenversagen gestorben. Das ging rapide schnell vonstatten.»

Therapien wie invasive Beatmung standen Ärzten noch nicht zur Verfügung. Wenn überhaupt hätten Kranke in der Regel Mittel zur Kreislaufstärkung bekommen. «So etwas hat natürlich nicht geholfen», so Witte.

Ursprung unklar

Selbst der spanische König soll an dem damals noch unbekannten Erreger erkrankt sein. Es ist ein Grund, aus dem die Pandemie als «Spanische Grippe» in die Geschichte einging. Dass sie nicht von dort kam, ist aber relativ sicher.

Um den wahren Ursprung ranken sich mehrere Theorien. Witte zufolge wird angenommen, dass die Grippe im März 1918 zuerst Schüler und Soldaten in Kansas, USA, krank machte. Mit Truppenschiffen soll das Virus auch nach Europa gelangt sein. Die Menschen steckten sich durch winzige Tröpfchen beim Husten oder Niesen an, wohl jeder Ort hatte Opfer zu beklagen.

Blauer Teint

Ärzte sahen bei Infizierten gewisse Muster: Nicht nur starben ungewöhnlich oft vermeintlich robuste Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Auch hatte sich die Haut der Erkrankten oft dunkelblau verfärbt – Zeichen der Unterversorgung mit Sauerstoff, wie Witte sagt. Wegen des fast schon schwarzen Teints hätten sich die Menschen an die Pest erinnert gefühlt.

Zeitgenössische Ärzte hielten ein «Grippe-Bakterium» für die Ursache, obwohl man diese Theorie damals schon anzweifelte. Der wahre Auslöser, das Influenza-Virus, sollte später entdeckt werden – 1933. Inzwischen sehen Wissenschaftler die Spanische Grippe nicht mehr unbedingt als Einzelfall, sondern als Prototyp von Pandemien. Sie kann sich wiederholen – das zeigten etwa die Asiatische Grippe (1957) und die Hongkong-Grippe (1968), wenn auch in geringerem Ausmass.

Viren werden gefährlicher

Damals seien die Umstände andere gewesen als heute, betont Buda. Genau die gleiche Situation wie 1918 werde so nicht mehr eintreten. Damals seien die Lebensbedingungen viel schlechter gewesen. Viele Menschen hätten auch zusätzlich schon andere Krankheiten wie Tuberkulose gehabt. Gegen oftmals tödliche bakterielle Lungenentzündungen, die auf die Grippe folgten, waren Ärzte machtlos: Antibiotika gab es noch nicht.

Gleichwohl gebe es heute andere grosse Herausforderungen, sagt Buda. Dazu gehörten zum Beispiel zunehmende Antibiotika-Resistenzen. Zudem könne der globale Reiseverkehr zu einer noch viel schnelleren Virus-Verbreitung weltweit führen als 1918. «Die Menschen werden heute zudem sehr viel älter als früher, haben dann aber oftmals Grunderkrankungen und sind anfälliger für schwere Krankheitsverläufe», sagt sie.

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Infektionskrankheiten weltweit:Zika-Virus: Es wird von der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen. Zudem gibt es Hinweise  darauf, dass auch die Asiatische Tigermücke dereinst das Virus übertragen könnte. Es wird für Tausende Fälle von Mikrozephalie bei Babys  verantwortlich gemacht.

Infektionskrankheiten weltweit:Zika-Virus: Es wird von der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass auch die Asiatische Tigermücke dereinst das Virus übertragen könnte. Es wird für Tausende Fälle von Mikrozephalie bei Babys verantwortlich gemacht.

Percio Campos
Zika-Virus-Verbreitung: Bis 2007 waren weniger als 15 Infektionen beim Menschen bekannt. Alle Fälle wurden in Afrika oder Südostasien nachgewiesen. Doch seit vergangenem Jahr breitet es sich zunehmend auch in Süd- und Nordamerika aus. Im Januar 2016 ist es in 21 der 55 Länder des Kontinents präsent.

Zika-Virus-Verbreitung: Bis 2007 waren weniger als 15 Infektionen beim Menschen bekannt. Alle Fälle wurden in Afrika oder Südostasien nachgewiesen. Doch seit vergangenem Jahr breitet es sich zunehmend auch in Süd- und Nordamerika aus. Im Januar 2016 ist es in 21 der 55 Länder des Kontinents präsent.

CDC
Dengue-Fieber: Diese virale Erkrankung wird durch die Gelbfieber- (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen. Beim klassischen Verlauf kommt es zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlägen. In seltenen Fällen verläuft die Infektion schwer (Dengue-Hämorrhagisches-Fieber, Dengue-Schock-Syndrom) und kann zum Tod führen.

Dengue-Fieber: Diese virale Erkrankung wird durch die Gelbfieber- (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen. Beim klassischen Verlauf kommt es zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlägen. In seltenen Fällen verläuft die Infektion schwer (Dengue-Hämorrhagisches-Fieber, Dengue-Schock-Syndrom) und kann zum Tod führen.

AP/Muhammed Muheisen

(fee/sda)

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