Kanton Uri: Die grösste Alp der Schweiz zeigt Horn

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Kanton UriDie grösste Alp der Schweiz zeigt Horn

Der Kanton Uri ist Vorreiter in der Haltung von Kühen mit Hörnern. Auf der Urnerboden Alp entsteht sogar ein Käse, der nur aus Milch von Hornkühen produziert wird.

von
Sandro Bucher
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Uri zeigt Horn: Auf der Urnerboden Alp hat noch jede vierte Kuh Hörner.

Uri zeigt Horn: Auf der Urnerboden Alp hat noch jede vierte Kuh Hörner.

Horn-Milch Alpkäse
In der Alpkäserei Urnerboden entsteht der spezielle Hornmilch-Käse.

In der Alpkäserei Urnerboden entsteht der spezielle Hornmilch-Käse.

Horn-Milch Alpkäse
Für das Urner Pionierprojekt werden rund 500 Kräuter- und 1500 naturreine Hornkäse-Mutschli die Urnerboden Alp verlassen.

Für das Urner Pionierprojekt werden rund 500 Kräuter- und 1500 naturreine Hornkäse-Mutschli die Urnerboden Alp verlassen.

Horn-Milch Alpkäse

Von der runden Million Kühen in der Schweiz hat nur noch jede zehnte ihre Hörner. Ganz anders sieht es im Kanton Uri aus: Auf dem Urnerboden, der grössten Alp der Schweiz, ist es noch jede vierte Kuh. Hier produziert der in Luzern lebende gelernte Koch Reto Buchli einen speziellen Käse, der ausschliesslich aus Milch von Kühen mit Hörnern produziert wird.

Buchli kennt die Problematik bereits aus seiner Kindheit. Damals half er in den Sommerferien auf dem Bauernhof seiner Grosseltern – und musste sie auch bei der Enthornung der Kälber unterstützen. «Das war für mich immer ein totaler Ablöscher», sagt Buchli, «nur weil die Kühe damit weniger Platz brauchen, lässt man die Tiere leiden.»

Laut Buchli würden sich die enthornten Kühe nicht bloss unwohler fühlen, sondern vermutlich auch qualitativ schlechtere Milch geben. «Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Milch von Hornkühen viel feingliedriger ist und einen intensiveren Geschmack hat. Doch das interessiert die Grossverarbeiter leider noch nicht.»

Käser war skeptisch

Gemeinsam mit einem Urner Käsemeister produziert er nun einen speziellen Käse, der ausschliesslich aus Milch von behornten Kühen produziert wird. «Damit möchte ich nicht nur ein gesundes Naturprodukt herstellen, sondern auch für die Haltung von behornten Kühen werben», sagt Buchli gegenüber der «Südostschweiz».

Für seine Idee hat Buchli verschiedene Bauern und Käser aus der Region angefragt. «Der Käsemeister war erst skeptisch und wollten nicht glauben, dass der Käse von Hornkühen tatsächlich besser ist», sagt Buchli. Schliesslich konnte er ihn trotzdem von seiner Idee überzeugen: «Spätestens nach einer Verköstigung merkten alle, dass der Hornkäse einen ganz anderen Charakter hat.»

Bereits 15 000 Liter Hornmilch verarbeitet

In dieser Saison wurden laut Buchli rund 15 000 Liter Hornmilch verarbeitet. Um den Käse zu verfeinern, fügt Buchli elf geheime Kräuter hinzu, die für ihn in der Luzerner Stadtgärtnerei angebaut werden.

Eine erste Degustation des Endresultats ist für nächste Woche geplant. Insgesamt 500 Kräuter- und 1500 naturreine Laibe sollen dann die Alpkäserei verlassen. «Wir müssen aber erst sehen, ob der Käse dann schon ausgereift ist. Möglicherweise braucht er auch noch einige Wochen länger.»

Unterstützung für Bauern

Buchli ist optimistisch, dass sein Nischenprodukt auf Anklang stossen wird: «Bei diesem Käse geht es nicht nur um den Geschmack, sondern auch um die Geschichte und die Nachhaltigkeit des Tieres dahinter.»

Ebenfalls will er mit seinem Produkt Bauern unterstützen, die sich für die Haltung von behornten Kühen entschieden haben: «Für jeden verkauften Käse fliessen 50 Rappen in einen entsprechenden Fonds. Mit dem Geld wollen wir Bauern etwa die Optimierung von Ställen ermöglichen um damit das Wohl der Kühe zu fördern.»

Die Käsemutschli können im Webshop von Horn-Milch vorbestellt werden.

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