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Bern im AusnahmezustandDie grösste Meisterparty aller Zeiten

Mit der Unerbittlichkeit einer Hockeymaschine hat der SC Bern den 12. Titel geholt. Um 22.29 Uhr orgelte der Song «We are the champions» durch Hockeys grössten Tempel.

von
Klaus Zaugg
Bern

Ein paar Sekunden ist der Lärm so schrill und durchdringend wie beim Start eines Düsenjets. Die Zuschauer haben die letzten Sekunden runtergezählt und brechen in grenzenlosen Jubel aus. Das Spiel ist aus. Der SCB hat 4:1 gewonnen. Der SCB ist Meister. Es sind die stimmungsvollsten Sekunden in der Berner Sportgeschichte. Sechs Jahre Blangen und Warten, sechs Jahre voller Enttäuschungen und Schmähungen werden lösen sich in ein paar Sekunden auf.

Ein paar Sekunden ist der Lärm so schrill und durchdringend und ohrenbetäubend wie beim Start eines Düsenjets. Die Zuschauer haben die letzten Sekunden runtergezählt und brechen mit der Schlussirene in grenzenlosen Jubel aus.

Das Spiel ist aus. Die Meisterschaft ist zu Ende. Der SCB hat 4:1 gewonnen. Der SCB ist Meister. Es sind die stimmungsvollsten Sekunden in der Berner Sportgeschichte. Sechs Jahre Plangen und Warten, sechs Jahre voller Enttäuschungen und Schmähungen lösen sich in ein paar Sekunden auf.

Keine Probleme bei der Pokalübergabe

Ordner in schwarzen Overalls und Helfer eilen aufs Eis, stellen Absperrungen auf. Liga-Vizegeneral Patrick Reber aus Oberburg, tief im Herzen ein SCB-Taliban, erlebt den Höhepunkt seines Lebens: Er kommandiert die Pokalübergabe für «seinen» SCB. Alles klappt tipptopp. Die Abschrankungen und das Podest sind wie Schnupf aufgestellt und um 22.43 Uhr stemmt Ivo Rüthemann als erster Spieler den «Chübel» in die Höhe. Wieder erreicht der Lärmpegel Düsenjet-Lautstärke.

Nach der Pokalübergabe kehren die Spieler in die Kabine zurück, das Podest wird abgebaut. Um 23.12 Uhr der Höhepunkt: Nacheinander kommt jeder Spieler wieder aufs Eis, wird einzeln vorgestellt. Den grössten Jubel gibt es für Roman Josi, dahinter folgen Ivo Rüthemann, Christian Dubé und Marco Bührer und am Schluss für Trainer Larry Huras.

Alles verläuft in geordneten Bahnen, so wie es im Bernbiet Brauch und Recht ist. Niemand betritt unbefugt das Eis. Es ist die ordentlichste Meisterfeier seit Beginn der Playoffs (1985/86). Um 23.24 Uhr wird die Eisfläche schliesslich für die Fans freigegeben. Die grösste und friedlichste Meisterparty in der Geschichte unseres Eishockeys beginnt.

Huras in Partylaune

Unten im Bauch des Stadions analysiert Cheftrainer Larry Huras seinen grössten Triumph. Es ist sein dritter Titel nach 2001 (ZSC Lions) und 2003 (Lugano). Er ist der erste Trainer, der im Playoffzeitalter mit drei verschiedenen Teams die Meisterschaft gewonnen hat. «In meinem Herzen ist immer ein Platz für die Meisterteams aus Zürich und Lugano. Aber dieser Titel ist sehr speziell. Es ist zu hundert Prozent eine Meisterschaft, die den Spielern gehört. Jeder hat so hart gearbeitet, dass mir eigentlich nur die Rolle des Türöffners an der Bande geblieben ist.» Denk kurz nach und dann blitzt doch noch der Showman auf: «Und ich darf sagen: Ich war ein guter Türöffner...»

Ja, er habe hie und da auch seine Zweifel gehabt. «Die hat jeder. Entscheidend ist, dass es gelingt, diese Zweifel zu überwinden. Diese mentale Stärke ist entscheidend und meine Spieler waren mental unglaublich stark. Wer es schafft, in diesem 7. Spiel zu bestehen, wenn die ganze Schweiz zuschaut, wenn die Erwartungen so hoch sind, verdient den Titel.» Huras vergisst nicht, dem Gegner Lob zu zollen. «Wenn ich bei der Wahl zum Trainer des Jahres eine Stimme hätte, ich würde sie Chris McSorley geben.»

«Meischter, Schwyzermeischter»

Servette hatte tatsächlich noch einmal alles gegeben. Die grosse, mächtige Hockeymaschine SCB hatte ein paar Minuten gebraucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Geriet 0:1 in Rückstand. Aber bereits nach 11 Minuten und 49 Sekunden ist alles vorbei: Der SCB führt 2:1. Typisch für die totale Überlegenheit der Berner: Nicht einer der Stars ist die zentrale Figur. Sondern der Frischling Etienne Froidevaux (21). Er trifft zum 1:1 und bereitet das 2:1 vor. Bei diesem zweiten Tor, das sich am Ende als Siegestreffer erweisen wird, steht die dritte, von Andreas Hänni orchestrierte Powerplayformation auf dem Eis. David Jobin trifft eine Sekunde nach Ablauf einer Doppelstrafe gegen Servette.

Servette kann sich bereits vom 2:1 nicht mehr richtig erholen. Mit schnellen Wechseln und vier Linien hält nun Bern Tempo und Intensität hoch und schliesslich bleiben die tapferen Genfer mit leeren Energietanks stehen. Die Entscheidung ist früh gefallen. Jeder im Stadion spürt das, aber noch wagt es keiner zu glauben. Zu stark hat dieses Servette die Berner gefordert. Noch zu tief sitzt der Schock der Niederlage vom Dienstag, als es eine 2:3-Pleite statt eine Meisterfeier gegeben hatte. Das Berner Publikum hat schon zu viele bittere Stunden erlebt, um früh in grenzenlosen Jubel auszubrechen. Erst in der 55. Minute echot es erstmals aus mehr als 17 000 Kehlen: «Meischter, Meischter, Schwyzermeischter» durch den Tempel.

Es ist die Krönung der Berner Hockeyfestspiele. Zum ersten Mal in der Playoffgeschichte haben alle drei Berner NLA-Teams die Saison mit einem Sieg beendet: Der SC Bern, Biel und die SCL Tigers.

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