China gegen die USA: Die grösste Rivalität des 21. Jahrhunderts
Aktualisiert

China gegen die USADie grösste Rivalität des 21. Jahrhunderts

China gegen die USA: Im Basketball-Vorrundenspiel war dieses Duell noch eine klare Angelegenheit - die NBA-Stars siegten ohne Probleme. Doch schon in wenigen Jahren könnte diese Rivalität die Sportwelt faszinieren, wie im 20. Jahrhundert der «kalte Eishockeykrieg».

von
Klaus Zaugg
Peking

Vor 35 Jahren hielt Nordamerikas Sportwelt den Atem an. Die Russen forderten im Herbst 1972 zum ersten Mal die NHL-Profis heraus. Arrogant und überheblich verlieren die Kanadier das erste von acht Spielen im heiligen Forum zu Montreal 3:7 - die grösste Schmach in Kanadas Geschichte.

Zwanzig Jahre lang prägt fortan die Rivalität zwischen Kanada und der Sowjetunion die Sportgeschichte. Es ist mehr als eine sportliche Auseinandersetzung. Es ist Ost gegen West, Kommunismus gegen Freiheit, Gut gegen Böse. Eine hochpolitische Angelegenheit, reduziert auf einen Sport und darum brisanter als das Zählen der Medaillen bei Olympischen Spielen.

Sportwelt hält wieder den Atem an

Jetzt hält Nordamerikas Sportwelt wieder den Atem an. Die Amerikaner werden im Basketball, einer ihrer «heiligen» Sportarten, von China herausgefordert. Und wieder ist es eine hochpolitische Angelegenheit. Amerikas freier Kapitalismus gegen das autoritäre Regime in China. Die Rivalität Amerika gegen China auf wirtschaftlichem und militärischem Gebiet, die unsere Welt für die nächsten hundert Jahre in Atem halten wird, reduziert auf ein Spiel. Es wird eine Rivalität, die hundertfache Dimensionen des «kalten Eishockeykrieges» annehmen wird.

101:70 haben die amerikanischen NBA-Stars am Sonntagabend gegen die Chinesen in einem (fast) bedeutungslosen Vorrunden-Spiel gewonnen. Das Stadion ausverkauft, der chinesische Aussenminister und US-Präsident Bush auf der Tribüne und die Halle ein Tollhaus. Die Anfeuerungsrufe der Chinesen tönen irgendwie wie «Add Gas», was man durchaus als «Gebt Gas» interpretieren kann.

Beginn einer grossen Rivalität

In einigen Jahren wird diese Partie im Rückblick den Beginn einer der aufregendsten Rivalitäten in der Geschichte des Sportes markieren. Denn China wird die grösste Basketball-Nation der Erde. Selbst in Sichtweite der «verbotenen Stadt» spielen sie hier in Peking Basketball. Es gibt rund 300 Millionen aktive Spieler in China - mehr als die USA Einwohner zählen. Die NBA-Stars sind hier Sportgötter, auf dem Niveau von Roger Federer. Die Fans rennen dem Bus hinterher, der die NBA-Stars vom Hotel ins Stadion fährt.

Es war ja nicht die erste Auseinandersetzung zwischen China und den USA im Basketball. 1984 und 1988 gewannen die US-Collegestudenten mit je 49 Punkten Differenz 1996 und 2000 siegten die NBA-Stars mit 63 bzw. 47 Punkten Unterschied. Aber da war China noch mehr oder weniger ein weisser Fleck auf der Basketball-Landkarte.

China im Aufwind

Jetzt aber erobern die Chinesen die NBA. Yao Ming ist in der NBA ein Superstar. Und welchen Status er in seiner Heimat geniesst, zeigt sich daran, dass er hier Fahnenträger der Chinesen war. Noch kann er es alleine nicht richten, noch stehen hier im chinesischen Team erst zwei NBA-Profis und am Sonntagabend gewannen die Amis mit spielerischer Leichtigkeit. Kobe Bryant machte fünf Dunks und witzelte hinterher, das sei ihm das letzte Mal gelungen, als er 17 war (vor 12 Jahren). Aber die Differenz ist auf 31 Punkte geschrumpft. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Chinesen 20, 30 Stars in der NBA haben und die Amerikaner besiegen werden.

Ein ungeheurer Markt

Niederlagen werden die Amerikaner verkraften können. Denn gleichzeitig eröffnet sich für die NBA in China ein ungeheurer Markt. Bereits gibt es NBA-Pläne, hier eine Farmteamliga aufzubauen. Wenn dereinst nur jeder zehnte Chinese ein Dress eines NBA-Stars kauft, wird die NBA zur reichsten und mächtigsten Liga der Sportgeschichte. China hat 1,3 Milliarden Einwohner. Man rechne!

China gegen die USA wird die ganz grosse Sportrivalität des 21. Jahrhunderts - und wir haben den Beginn dieses titanischen Duells soeben miterlebt.

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