Sonnencreme-Mythen von Dermatologin geklärt
Sonnenschutz schützt nicht nur vor kurzfristigem Sonnenbrand, sondern auch langfristigen Hautschäden.

Sonnenschutz schützt nicht nur vor kurzfristigem Sonnenbrand, sondern auch langfristigen Hautschäden.

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Expertin klärt aufDie grössten Sonnencreme-Mythen im Check

Der Sommer steht in den Startlöchern und mit ihm die Hochsaison für Sonnencreme. Höchste Zeit also, die gängigen Mythen über die schützende Lotion mal genau unter die Lupe zu nehmen.

von
Malin Mueller

Sobald der Sommer zuschlägt und wir Badehosen und Bikinis wieder aus dem Schrank holen, braucht es mehr als einen Klecks Moisturizer mit LSF 50. Sonnencreme muss her, um uns vor unschönen Verbrennungen und – noch viel wichtiger – Hautkrebs zu schützen.

Die vom Vorjahr wird schon noch gehen. Bei bewölktem Himmel brauchen wir sie eh nicht und zuviel ist auch schlecht, wegen dem Vitamin-D-Mangel … oder? Wir haben uns mit Dr. med. Marianne Meli, der ärztlichen Leitung der Zürcher Hautarztpraxis Dermanence, eine Expertin ins Boot geholt, und räumen mit den Mythen rund um Sonnenschutz auf.

«Die Sonnencreme von letztem Jahr ist sicher noch gut.»

Grundsätzlich gilt: Schon möglich. Wie auf allen Kosmetikprodukten, ist die Haltbarkeit der Sonnencreme mit einem kleinen Tiegel-Symbol auf der Rückseite der Tube angegeben. Meistens beträgt sie zwölf Monate ab Öffnung. Dr. med. Meli sagt: «Während diesem Zeitraum garantiert der Hersteller den vollen Schutz der Sonnencreme. Danach kann die Wirksamkeit abnehmen. Falls die Creme komisch riecht und Farbe oder Konsistenz sich verändern, sollte sie direkt in den Müll wandern.»

«Alle Sonnencremes wirken gleich.»

«Die in der Sonnencreme enthaltenen Filter lassen sich in zwei Gruppen einteilen», erklärt die Dermatologin. «Physikalische bzw. mineralische Filter wirken mit Titandioxid oder Zinkoxid. Sie reflektieren die Sonneneinstrahlung und schützen uns so vor ihr.» Wir reden hier von der Sorte Sonnencreme, mit der dich deine Mami damals in der Badi eingecremt und damit in elegantes Weiss getaucht hat. Dafür kommt der Schutz ohne Einwirkzeit und ist verträglicher für Riffe und Meeresbewohner.

Die zweite, heute deutlich häufigere Variante: chemische Filter. «Sie absorbieren die Sonnenstrahlung und wandeln sie in Wärme um. Sie wirken allerdings erst, wenn sie komplett in die Haut eingedrungen sind», warnt Dr. med. Meli. Chemische Filter sollten daher 20-30 Minuten vor der Sonnenexposition aufgetragen werden. Dafür sind sie beinahe unsichtbar und lassen sich unter der Dusche leicht wieder entfernen. Zuverlässig schützen tun beide Versionen.

«Doppelter Lichtschutzfaktor = doppelter Lichtschutz?»

Ganz so einfach funktioniert die Rechnung leider nicht. Der Faktor auf der Sonnencreme zeigt uns lediglich an, wie viel länger wir mit ihm in der Sonne bleiben können: «Bekommt eine Person normalerweise nach zehn Minuten ohne Schutz einen Sonnenbrand, kann sie mit einer Creme mit LSF 30 30 mal so lange in der Sonne bleiben» erklärt Dr. Meli. Eine Lotion mit LSF 50 wirkt dementsprechend zwar länger – absorbiert aber nicht deutlich mehr Strahlung.

«Einmal mit wasserfester Sonnencreme eingecremt und den ganzen Tag ist Ruhe»

«Wasserfest darf sich eine Sonnencreme schon nennen, wenn der Lichtschutzfaktor nach dem Wasseraufenthalt noch 50 Prozent beträgt», verrät die Expertin. Was den Lichtschutz noch weiter nach unten drückt, ist starkes Schwitzen (egal ob über oder unter Wasser), die Dauer des Aufenthalts im Wasser und das Badetuch, mit dem wir uns im Anschluss trocken rubbeln. «Spätestens dann ist der Schutz dahin und man sollte nachcremen. Eine Sonnencreme, die den ganzen Tag lang wirkt, gibt es leider noch nicht.»

«Viel Creme bringt auch viel Schutz»

An diesem Mythos ist was dran: «Um den unter Laborbedingungen ermittelten Lichtschutzfaktor zu erreichen, müsste man pro Quadratzentimeter Körperfläche zwei Milligramm Sonnencreme auftragen», beginnt Dr. med. Marianne Meli. «Für den Durchschnittsmenschen wären das ca. 30 Gramm. Im Alltag wird jedoch meist weniger verwendet – und damit sinkt auch der tatsächlich erreichte Lichtschutz.» Beim Nachcremen also ruhig ordentlich auf die Tube drücken, um das Maximum an Schutz rauszuholen.

«Sonnenschutz führt zu Vitamin-D-Mangel»

Eine Angst von vielen, bevor sie zur Sonnencreme greifen: Ist die Haut vor UV-Strahlen geschützt, kann sie auch das wichtige Vitamin D nicht mehr produzieren. Der in der Schweiz verbreitete Vitamin D Mangel kommt allerdings nicht zustande, weil wir uns alle zu gewissenhaft eincremen.

Es sind eher die vielen, nicht gerade karibischen Tage, die es über das Jahr verteilt schwer machen, gut mit dem Sonnenvitamin versorgt zu bleiben. «Ein sicherer Weg, als häufigere, ungeschützte Sonnenexposition, ist bei einem Mangel die Substitution von Vitamin D», empfiehlt Dr. med. Meli. Ohnehin reichen je nach Hauttyp 15 bis 60 Minuten, um unsere Vitamin-D-Speicher aufzufüllen. Alles, was darüber hinausgeht, kann unser Körper nicht verwerten. Ob nun mit oder ohne Sonnencreme.

«An bewölkten Tagen ist Sonnenschutz überflüssig»

Ist es bewölkt kommt zwar die Sonne nicht mehr so spürbar am Boden an, wie an klaren Tagen – der Grossteil der UV-Strahlung allerdings sehr wohl. «Selbst wenn man das Haus gar nicht verlässt, ist Sonnenschutz nicht überflüssig», mahnt die Dermatologin. «Die UVA-Strahlen dringen selbst durch Fensterglas.»

«Wer gut vorgebräunt ist, braucht keine Sonnencreme.»

Laut der Expertin, ist das ein definitiver Irrglaube. «Leider schützt Bräune nur sehr wenig vor UV-Strahlung und kommt nie an eine Sonnencreme heran. Vorbräunen als Sonnenschutz macht also keinen Sinn. Plus: Bräune ist immer ein Zeichen dafür, dass die Haut sich gegen den Angriff der UV-Strahlung wehrt. Am Satz: ‹Es gibt keine gesunde Bräune› ist also durchaus etwas dran.

Cremst du dich gewissenhaft ein oder riskierst du im Sommer Sonnenbrand? Diskutiere in den Kommentaren mit!

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