Beim Wrestling: Die grosse Freude am Tod des Terrorfürsten

Aktualisiert

Beim WrestlingDie grosse Freude am Tod des Terrorfürsten

In keinem anderen amerikanischen Sport wird dem Nationalismus derart gefrönt wie im Wrestling. Kein Wunder steht das Publikum bei der Nachricht kopf, Osama Bin Laden sei liquidiert worden.

von
tog

John Cena verkündet den Tod von Osama bin Laden (Video: YouTube).

Einer der ersten Bösewichte im amerikanischen Wrestling war «der Scheich». Er sprach nie, dafür benutzte er gerne versteckte Gegenstände, um seinen Gegnern das Gesicht aufzuschlitzen. Sein brutaler Stil machte ihn in den 1970er-Jahren zu einer der Hauptattraktionen im amerikanischen Profiringen, denn Bösewichte sind fürs Wrestling lebensnotwendig. Und im Fall von John Cena zeigte sich wieder einmal, wie sehr sich die Grenzen zwischen Realität und Fantasie in der wohl amerikanischsten aller Sportarten kreuzen.

John Cena ist das genaue Gegenteil des Scheichs; er ist ein Guter – ein Amerikaner. Auf jeden Fall spielt er diese Rolle. Der Sohn eines Italieners und einer Irin ist nicht nur Publikumsliebling und Vorzeigewrestler der WWE – er hat auch ein Rap-Album herausgegeben und spielte in einem (miserablen) Actionstreifen einen Marine-Soldaten der (à la Super Mario) seine entführte Frau retten muss. Und diesem John Cena war es nun vorbehalten, den tausenden Fans im Stadion den Tod von Osama Bin Laden zu verkünden.

«Ich bin extrem stolz, nach 10 Monaten wieder euer WWE-Champion zu sein. Aber heute Abend fand etwas noch viel Grösseres statt», sagte er langsam und mit den nötigen Pausen an den richtigen Stellen: «Der Präsident hat soeben bekannt gegeben, dass wir Osama Bin Laden gefangen und für immer zur Strecke gebracht haben».

Tosender Jubel. Nach einigen Momenten geht das Publikum in USA-Rufe über. Dann ergreift Cena erneut das Mikrophon: «Dies ist einer der Momente, in denen ich verdammt stolz bin, Amerikaner zu sein.» Beim Verlassen des Stadions ertönte «Stars and Stripes Forever». Mission erfüllt. Der Scheich, nein, der Terrorfürst – egal – der Bösewicht ist tot.

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