Ende der Homeoffice-Pflicht - «Die grosse Rückkehr ins Büro findet erst nach den Sommerferien statt»
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Ende der Homeoffice-Pflicht«Die grosse Rückkehr ins Büro findet erst nach den Sommerferien statt»

Die Homeoffice-Pflicht wird aufgehoben. Nicht alle Arbeitnehmenden freuen sich darüber: Denn viele fürchten sich vor einer Infektion, die ihnen die Sommerferien vermasseln würde.

von
Barbara Scherer
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Die Homeoffice-Pflicht wird aufgehoben.

Die Homeoffice-Pflicht wird aufgehoben.

20min/Michael Scherrer
Ab Samstag gilt nur noch eine Empfehlung fürs Homeoffice.

Ab Samstag gilt nur noch eine Empfehlung fürs Homeoffice.

20min/Michael Scherrer
Auch die generelle Maskenpflicht am Arbeitsplatz gilt dann nicht mehr.

Auch die generelle Maskenpflicht am Arbeitsplatz gilt dann nicht mehr.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Ab Samstag gilt keine Homeoffice-Pflicht mehr.

  • Für den Arbeitgeberverband war die Lockerung längst überfällig.

  • Für Arbeitnehmende könnte die Rückkehr ins Büro aber belastend sein.

  • Auch fürchten viele eine Ansteckung kurz vor den Sommerferien.

In den Trainerhosen zuhause arbeiten – ab Samstag ist damit Schluss. Dann fällt die Homeoffice-Pflicht, es gilt nur noch eine Empfehlung vonseiten des Bundesrats. Auch die generelle Maskenpflicht am Arbeitsplatz wird aufgehoben. In Zukunft können Unternehmen selber entscheiden, wo und wann die Maske nötig ist.

Die Lockerung sei längst überfällig und ein wichtiger Schritt zur Normalisierung, schreibt der Arbeitgeberverband in einer Medienmitteilung. Mit den verbesserten Schutzmassnahmen sei die Arbeit vor Ort genauso sicher wie zuhause.

Für alle, die seit Frühling 2020 durchgehend zuhause gearbeitet haben, steht eine grosse Umstellung bevor. Das kann auch belastend sein. Darum bekommen etwa alle Angestellten der US-amerikanischen Dating-App Bumble eine Woche Gratisferien geschenkt. Das soll die Rückkehr ins Büro erleichtern.

Erst nach den Ferien zurück ins Büro

Um die Menschen hierzulande aus ihren vier Wänden zu locken, bietet Valora an K-Kiosken den Pendlerinnen und Pendlern am Montag einen Gratis-Kaffee an. Dass viele Arbeitnehmenden trotzdem keine Freudensprünge wegen der Homeoffice-Lockerung machen, liegt laut Personalexperte Matthias Mölleney am Zeitpunkt.

«Viele planen jetzt Sommerferien und fürchten sich vor einer Infektion, die ihnen die Reise vermasseln würde», erklärt Mölleney. Er rechnet darum damit, dass erst ab August die grosse freiwillige Rückkehr in die Büros stattfinden wird.

Homeoffice schrittweise abschaffen

Allerdings liegt es in der Macht des Arbeitgebenden, Mitarbeitende an den Arbeitsplatz zu beordern – auch gegen ihren Willen. Denn es gibt laut Mölleney kein Recht auf Homeoffice (siehe Box). «Ich würde Arbeitgebern aber empfehlen, jetzt nicht radikal durchzugreifen», so der Personalexperte.

Daran musst du dich halten

Ein Recht auf Homeoffice gibt es nicht: Arbeitgebende können diese Arbeitsform verbieten, wie Rechtsanwalt Boris Etter bestätigt. Auch wenn eine generelle Maskenpflicht am Arbeitsplatz wegfällt, muss der Arbeitgebende die Arbeitnehmenden vor allen gesundheitlichen Gefahren schützen. «Das heisst, die BAG-Empfehlungen bezüglich des Coronavirus müssen eingehalten werden», erklärt Etter. So soll laut BAG weiterhin ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Wo dieser Abstand nicht möglich ist, soll eine Maske getragen werden.

Arbeitnehmende, die noch nicht beide Impfungen erhalten haben, könnten sich vor einer Rückkehr ins Büro fürchten – auch weil die generelle Maskenpflicht abgeschafft wird. «Fühlen sich die Mitarbeitenden unwohl, erbringen sie schlechtere Leistungen», so Mölleney.

Das Homeoffice sollte darum schrittweise abgeschafft werden. So könne eine Übergangszeit entstehen, in der nur die vollständig Geimpften ins Büro zurückkehren. Sobald alle, die wollen, geimpft sind, kann die komplette Rückkehr an den Arbeitsplatz stattfinden.

Auf Mitarbeitende, die sich nicht impfen lassen wollen, muss der Arbeitgebende aber keine Rücksicht nehmen: «Denn dann geht man bewusst das Risiko ein, sich anstecken zu können. Mit dieser Entscheidung muss man leben», erklärt Mölleney. Wer das Gefühl habe, dass Wünsche und Ängste nicht ernstgenommen werden, sollte sich an die Personalverantwortlichen oder eine andere neutrale Stelle wenden.

Rückkehr ins Büro braucht Vorbereitung

Um die Rückkehr ins Büro harmonisch zu gestalten, braucht es eine gute Vorbereitung, erklärt Hartmut Schulze, Arbeitspsychologe an der FHNW: «Es braucht Regeln im Büro, die man sich vorab überlegen sollte, damit alle wissen, was auf sie zukommt.» Ausschlaggebend sei dabei die gegenseitige Rücksichtnahme.

Eine offene Kommunikation sei ebenfalls sehr wichtig: «Mitarbeitende müssen ihre Wünsche und Ängste kommunizieren können und ernst genommen werden», so Schulze. In den USA nutzen Firmen Armbändeli. Damit können Angestellte signalisieren, wenn sie mehr Abstand wünschen.

Diesem System steht Schulze zwiegespalten gegenüber: «Es ist positiv, wenn sofort klar ist, welche Wünsche Mitarbeitende haben.» Allerdings könne das System auch zur Stigmatisierung, also Ausgrenzung führen. «Man kann dann schnell in eine Schublade gesteckt werden, in die man vielleicht gar nicht möchte».

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