Game-Pionier Walton: «Die grossen Firmen haben uns gehasst»
Aktualisiert

Game-Pionier Walton«Die grossen Firmen haben uns gehasst»

Einst ein kleiner, wilder Haufen, heute das bedeutsamste Treffen der Gameindustrie: Ein Pionier erinnert sich an die improvisierte Geburtsstunde der Game Developer Conference.

von
Jan Graber
San Francisco

Es war ein junger, verrückter Haufen, der sich im Jahr 1987 in San Francisco in der Stube des Gamedesigners Chris Crawford einfand. Das Ziel: sich gegenseitig unterstützen und die Welt von ihrer Vision überzeugen. Diese lautete: Games sind die Zukunft der Unterhaltungsindustrie.

26 Gameentwickler sind damals zusammengekommen, darunter auch Gordon Walton aus Austin. Es war die Geburtsstunde der Game Developer Conference, dem heutzutage bedeutsamsten Treffen der Spielentwickler aus aller Welt.

«Wir haben über Geheimnisse von Games oder Hardware geplaudert»

«Die paar tausend Gameentwickler in den USA werkelten damals alle alleine vor sich hin», erzählt der mittlerweile 57-Jährige. Man sei zwar vereinzelt an Events übereinander gestolpert und habe ein bisschen geplaudert, mehr aber nicht. Wenn einer ein Problem bei der Programmierung hatte, wusste er nicht, an wen er sich wenden konnte. So habe Chris Crawford, der fürs Journal of Gamedesign arbeitete, ein Treffen vorgeschlagen. «Schnell kamen wir überein, dass es ein richtiges Meeting braucht», sagt Walton. Bereits ein halbes Jahr später wurden ein paar Hotelzimmer in San Francisco gemietet und etwa 100 Gameentwickler aus den USA aber auch aus Europa fanden sich ein und begannen Erfahrungen über die Gameentwicklung auszutauschen.

«Bereits fünf Jahre später waren es über 1000 Besucher», sagt Walton. Aus der ganzen Welt seien sie angereist, weiss er. Informiert und eingeladen wurde vorwiegend per Fax und das damals noch junge E-Mailing. «Die grossen Firmen haben uns gehasst», weiss Walton. Denn man sei an der GDC immer offen und ehrlich gewesen und habe über Geheimnisse von Games oder Hardware geplaudert und sich aber gegenseitig auch verraten, welchen Publishern man besser aus dem Weg ging.

Auch Misserfolge werden ausgesprochen

Der Ethos der Ehrlichkeit präge auch heute, 26 Jahre später, die Game Developer Conference, sagt Walton, der sich selbst als einen «last man standing» bezeichnet. Die GDC bildet deshalb einen Gegenpol zu den grossen Gameshows wie der E3 in Los Angeles oder der Gamescom in Köln, wo es vor allem ums Marketing geht. An der GDC werden die echten Probleme gelöst und die wirkliche Zukunft der Gamebranche definiert. «Wir bringen die Industrie voran», sagt Walton.

Auch heute gehe es immer noch darum, die Reichweite von Games zu vergrössern und die Skeptiker zu überzeugen. «Wir alle verstanden schon damals die Macht, die in Games steckt», sagt Walton, der Rest der Welt verschloss indessen noch die Augen. Die GDC sei mittlerweile aber immer wichtiger, weil sich die Entwickler heute mit Dutzenden von Plattformen auseinandersetzen müssten. «Als wir begannen, mussten wir drei, maximal vier Maschinen im Auge behalten», verdeutlicht Walton. Heute könne einer ein Meister im Entwickeln von PS3-Games sein, müsse aber für die PS4 alles von Grund auf neu lernen. Da brauche es gegenseitige Unterstützung. Auch die Geschäftsmodelle haben sich in den letzen Jahren grundsätzlich geändert.

Die GDC wächst weiter

2013 werden rund 25'000 Entwickler, Sounddesigner, Produzenten, Grafiker, Animatoren und Medienleute die GDC in San Francisco besucht haben. Auch in Deutschland, Asien und Austin finden GDCs statt, geplant ist bereits der nächste Event, die GDC Next in Los Angeles. «Manchmal vermisse ich die Intimität der ursprünglichen GDC», sagt Walton, der selber die GDC Online in Austin mitorganisiert. Und er bringt auf Punkt, was vor 26 Jahren nur die paar Verrückten, die sich in der Stube von Chris Crawford trafen, wussten: Games werden die Welt erobern. «Wir haben gewonnen», sagt Walton, heute spiele fast jeder Games.

Last Man Standing

Gordon Walton war bereits bei der ersten GDC in der Stube des Gamedesigners Chris Crawford dabei. Er hat bis auf eine Ausnahme immer in der Gameindustrie gearbeitet und hat an jeder Game Developer Conference teilgenommen. Für den 57-Jährigen aus Austin bedeutet die GDC ein Familientreffen, auch wenn mittlerweile über 25'000 Teilnehmer die GDC besuchen. Walton hilft auch bei der Organisation der GDC Online in Austin, Texas.

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