Aktualisiert 30.06.2009 13:37

Gilbert FacchinettiDie grossen Leiden des «Monsieur Xamax»

Es gibt nur wenige Fussball-Persönlichkeiten, die schweizweit ein so grosses Ansehen geniessen wie Gilbert Facchinetti. Doch nur wenige Menschen wissen über die unglaubliche Tragik und das grosse Leid im Privatleben des Funktionärs Bescheid. Vor kurzem gab es den nächsten Stich in das grosse Herz des «Monsieur Xamax».

von
Lars Gansäuer

Im letzten Jahrhundert führte Gilbert Facchinetti den Club Neuchâtel Xamax über Jahrzehnte hinweg als Präsident an und sein Führungsstil war geprägt von grosser Herzlichkeit. Auch bei der FIFA, der UEFA und dem Schweizer Fussballverband waren seine Ratschläge immer gefragt. Facchinetti sass in diversen Gremien und leistete viel ehrenamtliche Hilfestellung. Gilbert Facchinetti ist bekannt als «Monsieur Xamax», der Gentleman mit dem grossen Herzen. Privat ist sein Leben jedoch geprägt von Leid, Verlust und Schmerzen.

Die Schattenseiten des Lebens

Was Facchinetti in seinem Privatleben mitmachen musste, wünscht kaum jemand seinen ärgsten Feinden. Bereits zum dritten Mal trug Gilbert Facchinetti am Samstag eine seiner Töchter zu Grabe. Zwei Tage zuvor hatte sich Sandra im Alter von 45 Jahren selbst das Leben genommen. Die Tochter von Gilbert ist gleichzeitig die Mutter von Mickael Facchinetti, der bei Xamax im Profikader steht. «Ich bin in Stille von Euch gegangen, ich wollte nicht stören. Ich habe mein Leid für mich behalten um Euch nicht zu beunruhigen. Bitte verzeiht mir. Ich liebe Euch und ich werde auf Euch warten.» So lauteten die Worte im Abschiedsbrief an die hinterbliebene Familie.

Die Tragödie begann 1976

Der erste Todesfall ereignete sich in der privaten Villa. Die zweijährige Tochter Pamela kam von einem Spaziergang mit der Familie Facchinetti zurück und stürmte in den Garten. Einen kurzen Moment war sie unbeaufsichtigt und entschwand in Richtung des Pools. Das kleine Mädchen glaubte, weiter festen Boden unter den Füssen zu haben, doch es stürzte ins Wasser und ertrank innerhalb von Sekundenbruchteilen.

1998 verlor Gilbert Facchinetti auch seine zweite Tochter im Alter von 35 Jahren. Tanja litt an Krebs, doch die Ärzte waren sicher, mit einer erfolgreichen Operation und der Folgebehandlung die Heilung geschafft zu haben. Gemeinsam mit ihrem Vater hatte sie vereinbart, am Wochenende nach Basel zu fahren, um dort Xamax die Daumen zu drücken. Doch an jenem Samstag fand bereits die Beerdigung statt. Als die Neuenburger dann im alten St. Jakob-Stadion ankamen, fanden sie in der Garderobe ein Meer von weissen Rosen vor. Auch dies zeigt, wie gross der Respekt vor Gilbert Facchinetti und die Anteilnahme schon damals war.

Facchinetti zeigt auch jetzt Grösse

Es ist ein schwieriger Moment, um mit «Facchi», wie er in Neuenburg von der Bevölkerung liebevoll genannt wird, zu sprechen. «Der freiwillige Abschied von Sandra ist für mich nur sehr schwer zu akzeptieren, aber ich sage mir, es gibt eine Macht über uns. Sandra hat diese Zuflucht gesucht und ich muss es akzeptieren.» Nach einem kurzen Moment des Schweigens fügt Facchinetti dann an: «Ich werde wieder aufstehen und mich an den positiven Symbolen erfreuen, die ich immer wieder erleben darf.» In diesem Moment dachte er auch an seinen Enkel Mickael im Xamax-Dress, der ausgerechnet am Tag nach der Beerdigung seiner Mutter im Testspiel gegen Yverdon sein erstes Tor erzielen konnte.

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