Aktualisiert 07.10.2014 12:42

Bianchi-UnfallDie grüne Flagge wurde zu Recht geschwenkt

Videobilder vom Horror-Crash von Jules Bianchi hatten Spekulationen über einen Fehler eines Streckenpostens geschürt. Experten widersprechen dem einhellig.

von
Oliver Fischer

Auf einem Amateurvideo, das gestern Montag im Internet auftauchte, war eine grüne Flagge am Ort des Unfalls zu sehen, wo Jules Bianchi während des Formel-1-GPs in Suzuka verunglückte. Das gab zunächst Anlass zu wilden Spekulationen und Schuldzuweisungen an die Rennleitung und den Streckenposten, der die Flagge geschwenkt hatte.

Tatsache ist aber, dass die Flagge korrekt geschwenkt wurde und nicht (mit-)verantwortlich ist für den Unfall von Bianchi. Nach dem Unfall von Adrian Sutil wurde für das Streckenstück vor der Unfallstelle die gelbe Flagge geschwenkt, was heisst, dass auf dem betroffenen Abschnitt die Fahrgeschwindigkeit reduziert werden und der Fahrer jederzeit anhaltebereit sein muss. Nach dem Unfallort war die Strecke dann wieder freigegeben und genau das signalisierte die grüne Flagge, wie der Profi-Streckenposten Christian Ebner auf «motorsport-total.de» erklärt.

Kein Fehler des Streckenpostens

Die Frage bleibt, ob nicht bereits nach Sutils Abflug das Safety-Car auf die Strecke gehört hätte. Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve hat zum Beispiel gefordert, dass bei jedem Zwischenfall das Feld neutralisiert werden muss. Weniger deutlich hat es ein weiterer Ex-Weltmeister formuliert. Mika Häkkinen sagte: «Wenn in einer Hochgeschwindigkeitskurve ein Unfall passiert ist und ein Rinnsal über die Strecke läuft und zusätzlich ein Bergungsfahrzeug am Kurvenausgang steht, dann sollte automatisch das Safety-Car auf die Strecke geschickt werden.» Es sei aber eine komplizierte Situation und er sei nicht in der Position zu beurteilen, ob die Entscheidung richtig oder falsch gewesen sei.

Salo: «Es war ein fürchterliches Unglück»

Mittendrin im Geschehen war in Suzuka der Finne und Ex-Formel-1-Pilot Mika Salo. Er gehörte als Fahrervertreter der Rennleitung des GP von Japan an. Aus seiner Sicht könne bei dem Unfall niemandem eine Schuld zugeschoben werden. «Es war ein fürchterliches Unglück», zitiert motorsport-total.de den Finnen. Bianchis Unfall ist in einer schwierigen Kurve passiert und der ehemalige Pilot Christian Klien vermutet, dass die Fahrer zwar die gelben Flaggen gesehen und gewusst haben, dass sie vorsichtig sein müssen, «aber wahrscheinlich hat man den Traktor (der Adrian Sutils Sauber abtransportierte, d.Red.) nicht gesehen.» Es sei wohl eine Verkettung von sehr ungünstigen Umständen gewesen.

Einigkeit herrscht darüber, dass der Unfall schnellstmöglich und bis ins Detail untersucht werden muss. FIA-Präsident Jean Todt hat ebenso wie Formel-1-Chef Bernie Ecclestone entsprechende Forderungen gestellt. Denn auch wenn nach dem tragischen Unfalltod von Ayrton Senna 1994 die Sicherheitsstandards in der Formel 1 einen Quantensprung gemacht haben und schwerwiegende Unfälle immer seltener geworden sind, so besteht im Rennsport eben trotzdem immer noch ein nicht unerhebliches Risiko, wie Niki Lauda zu bedenken gab.

Der Unfall von Jules Bianchi in Suzuka (Video: Youtube)

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