Die grüne Welle rollt
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Die grüne Welle rollt

Die Klima-Debatte beflügelt die Grünen. Sechs Monate vor den Eidgenössischen Wahlen würden 10,7 Prozent die Grünen wählen. Die Partei knackt damit erstmals die 10-Prozent-Marke. Die Bundesratsparteien liegen gegenüber 2003 im Minus, am stärksten die FDP.

Die Grünen legten im Vergleich zum zweiten Wahlbarometer vom Januar markant um 1,7 Prozent zu, wie es in der dritten Pulsnahme der SRG SSR idée suisse heisst, die heute veröffentlicht wurde.

Gegenüber den Wahlen 2003 hätte die Partei ein Plus von 3,3 Prozent. Den Grünliberalen, die in Zürich auf Anhieb erfolgreich waren, attestiert das dritte Wahlbarometer einen nationalen Wähleranteil von 1,5 Prozent.

Den Spurt der Grünen erklärt das Wahlbarometer mit dem im Februar veröffentlichten UNO-Klimabericht. 59 Prozent der Befragten gaben an, sie fühlten sich durch den Klimawandel persönlich bedroht. Der Vormarsch ist auf den Zustrom von Neuwählern sowie auf Wechselwähler im linken Spektrum zurückzuführen. Vor allem in Städten verliert die SP an die Grünen.

Klima springt auf der Sorgenskala nach vorn

Das Problemfeld «Klima/Umwelt» sprang in der Sorgenskala im April von Platz acht auf Platz zwei hinter das Thema «Ausländer/Integration». Und beim Klima attestierten 67 Prozent der Befragten den Grünen die höchste Kompetenz.

«Integration/Ausländer» führte mit 25 Prozent der Nennungen die Sorgenskala wie im Janar an. Das Klima kam auf 19 Prozent. An dritter Stelle wies das Thema «soziale Sicherheit 18 Prozent Nennungen aus, dann folgten «Arbeitslosigkeit/Wirtschaftsentwicklung» (15 %) und «Krankenkassen/Gesundheitswesen» (14 %).

Ruth Genner, die Präsidentin der Grünen, sagte der Nachrichtenagentur SDA, ihre Partei werde im Wahlkampf weiterhin auf die Klima- und die Energiepolitik setzen. Den Leuten werde durch die Berichte, die klarer werdenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels und nicht zuletzt durch die Erfahrung am eigenen Leib die Wichtigkeit des Klimaschutzes klar.

FDP, SP und SVP im Minus

Während die Grünen in der Umfrage ihren bereits bei kantonalen Wahlen bewiesenen Siegeskurs fortsetzen, schauten die Bundesratsparteien ein. Am meisten Federn lassen musste die FDP mit einem Minus von 1,7 auf 15,6 Prozent gegenüber den Wahlen 2003. Die SP büsste 0,7 Prozent auf 22,6 Prozent ein.

Die SVP verlor gegenüber 2003 einen halben Prozentpunkt und kommt noch auf 26,2 Prozent. Recht stabil dagegen die CVP: Sie käme auf 14,6 Prozent gegenüber 2003 (14,4 %).

Verglichen mit dem Januar-Wahlbarometer büssten indessen alle Bundesratsparteien an Wählergunst ein: Die SVP lag 0,8 Prozent unter dem Januar-Wert, die FDP 0,5, die SP 0,4 und die CVP 0,3 Prozent.

Keine Unterstützung für Gaskombikraftwerke

Beim neuesten Wahlbarometer wurde auch die Klima-Diskussion erfragt. Dabei befürworteten 72 Prozent strengere Massnahmen für den Klimaschutz. 90 Prozent forderten eine Förderung erneuerbarer Energien.

38 Prozent waren der Meinung, aus Klimaschutzgründen müssten neue Atomkraftwerke gebaut werden. 52 Prozent lehnten das ab, die anderen hatten keine Meinung. Den Bau von Gaskombikraftwerken zur Schliessung der Stromlücke lehnten 60 Prozent ab, 20 Prozent stimmten zu.

Von den insgesamt 2024 zwischen dem 22. März und dem 5. April befragten wahlberechtigten Personen geben 44,0 Prozent an, sich an den Parlamentswahlen vom 21. Oktober beteiligen zu wollen. Das entspricht dem Wert von 2003 (45,0 Prozent).

Bis zum Wahlsonntag veröffentlicht SRG SSR idée suisse insgesamt acht Wahlbarometer. Sie werden vom Forschungsinstitut gfs.bern erhoben. (sda)

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