Mein erstes Mal: Die Gummi-Susi und ich

Aktualisiert

Mein erstes MalDie Gummi-Susi und ich

Sextoys sind zum Spielen da – und zum Vergnügen. Der Test der Gummipuppe «Lolita» war dann auch ein Spass: für den Rest der Redaktion und für die Fotografin, bloss nicht für den Autor.

von
Philipp Dahm

Eigentlich ist es ja gar nicht das erstes Mal mit einer Gummi-Susi. Es gab da vor Jahren diese Geburtstagsparty, die unter dem Motto «Porno» stand. Der Jubilar hatte für die Dekoration eine ganze Kiste voll ausrangierter Ware des Erotikkonzern «Beate Uhse» abgestaubt und den Inhalt fein säuberlich über den Festsaal verteilt. Die Gäste waren natürlich hellauf begeistert. Zwei von ihnen kamen nebenbei bemerkt unabhängig voneinander als Polizisten verkleidet. Drei andere kamen in Mönchskutte: Es ist schon spannend, woran die Leute beim Thema «Porno» so denken.

Motto-Party «Porno»

Unter dem Inventar befanden sich auch mehrere Gummipuppen. Eine hatte die Form eines kleinen Schafes, die andere die eines kleinen Schweins. Die beiden baumelten aufgeblasen unter der Decke, so dass sich keiner der Anwesenden an ihren Einlassungen am hinteren Ende auslassen konnte. Das dritte Lustgummi war eine echte, also menschlich wirkende Susi, die an eine Wand gelehnt war.

Neugierig habe ich einen Finger in ihren Schoss gesteckt. Das Gefühl dabei erinnerte mich weniger an Erotik, dafür aber mehr an Kindheitszeiten, als die Mutter einem die schon halb aufgeblasenen Schwimmflügel über den Arm zog, was in der Regel eher schmerzhaft war. Der Geruch des Fingers liess mich an Industriearbeit oder Kondome denken, aber nicht an Fleischeslust.

Lolita ist Chinesin

Viele Jahre später liegt «Lolita» auf meinem Schreibtisch, die auf Herz und Nieren geprüft werden soll. Die an mir vorbeikommenden Kollegen sind begeistert, faseln etwas von «typisch die Unterhaltung». Ich nehme «Lolita» lieber mit nach Hause, um ganz in Ruhe zu recherchieren. Den Weg nach Hause laufe ich schneller als sonst. Nicht dass ich so ungeduldig auf meine Gummi-Susi warte: Ich habe einfach Angst, dass die Passanten sehen könnten, dass das rosafarbene Paket unter meinem Arm kein Kinderspielzeug ist ... Leider ist der Rechner kaputt, sodass «Lolita» prompt wieder in der Redaktion landet.

Dann ist es soweit: Ich bekomme sie das erste Mal zu Gesicht. Als ich die Verpackung öffne, steht die erste Überraschung an: Die Dame ist Chinesin, steht auf dem eingeschweissten Plastik gedruckt. Potzblitz, das sieht man ihr auf der Kartonverpackung gar nicht an! Und apropos Aussehen: Der Gummilappen, den ich aus dem Plastik ziehe, sieht weder der Nackten vom Karton ähnlich, noch einer Asiatin. Von einem menschlichen Antlitz zu sprechen, wäre schon übertrieben.

Drei «Lustöffnungen»

«Lolita» ähnelt einem bunten Bonbon, das zu lange in der Sonne gelegen hat. Die «Haut» und Anus sind in fleischfarbenem Orange gehalten, die Vagina blitzt rosa zwischen den «Beinen» hervor, die – wenn überhaupt – zu einem 15-jährigen Magermodel passen würden. Der «Busen» ist eher klein, vielleicht Körbchengrösse A. Die «Augen» sind himmelblau und die dritte «Lustöffnung» – der Mund – knallrot. Ganz ehrlich: Auf den ersten Blick macht mir die Gute keine Frühlingsgefühle.

Der einzige Testmoment, auf den ich mich gefreut habe, ist da. Mit leicht kindlicher Freude lege ich zögerlich Hand an: Beim späteren Nachmessen lerne ich, dass alle drei «Lustöffnungen» neun Zentimeter tief sind. In Sachen Gefühlen ist es nicht anders als beim letzten Mal: Ich denke an den Gardasee und Mutter. Weil die mir Schwimmflügel überzieht, nicht weil ich es Ödipus gleichtun will.

Fazit

Mir ist völlig schleierhaft, wie sich Menschen mit «Lolita» vergnügen können. Es ist einfach nicht denkbar, das Stück Gummi mit einem Gleitmittel zu befüllen und darin einzudringen. Zwar ist Madame erstaunlich belastbar und besteht einen einfachen «Drucktest», ist aber eigentlich – wenn überhaupt – als bessere Luftmatratze zu gebrauchen. Auch vorstellbar ist sie als Nackenstütze beim Fernsehen.

Sorry, Dr. Sex, die Mission schlägt fehl. Bei «Lolita» bekomme ich ungefähr so viel amouröse Gefühle wie bei einer Zahnsteinentfernung oder beim Jahresgespräch mit unserem Chefredaktor.

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