Affäre mit Häftling: «Die haben es wohl im Leder-Lager getan»

Aktualisiert

Affäre mit Häftling«Die haben es wohl im Leder-Lager getan»

In der Berner Strafanstalt Thorberg hatte eine Werkstatt-Mitarbeiterin von der Knast-Sattlerei eine Affäre mit einem Häftling. Angestellte wussten längst um die Gerüchte.

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ct
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In der Strafanstalt Thorberg sollen sich eine Werkstatt-Mitarbeiterin und ein Häftling sehr nahe gekommen sein.

In der Strafanstalt Thorberg sollen sich eine Werkstatt-Mitarbeiterin und ein Häftling sehr nahe gekommen sein.

Keystone/Lukas Lehmann
Die Mitarbeiterin wurde vor einem Monat freigestellt. Auch der Insasse, ein verurteilter Vergewaltiger, wurde in eine andere Strafanstalt verlegt.

Die Mitarbeiterin wurde vor einem Monat freigestellt. Auch der Insasse, ein verurteilter Vergewaltiger, wurde in eine andere Strafanstalt verlegt.

Keystone/Lukas Lehmann
Es handelte sich um eine Mitarbeiterin der Sattlerei, die rund 30 Jahre alt war. Mit diesem hübschen Rucksack aus der Sattlerei wirbt der Thorberg für die Produkte der Häftlinge.

Es handelte sich um eine Mitarbeiterin der Sattlerei, die rund 30 Jahre alt war. Mit diesem hübschen Rucksack aus der Sattlerei wirbt der Thorberg für die Produkte der Häftlinge.

Strafanstalt Thorberg

Nun hat auch die Strafanstalt Thorberg eine Liebesgeschichte à la Angela Magdici und Hassan Kiko: Eine Gefängnis-Mitarbeiterin soll ebenfalls mit einem Vergewaltiger eine Affäre gehabt haben, berichtet der «SonntagsBlick». Gegenüber der Zeitung bestätigt Thorberg-Direktor Thomas Egger, dass gegen eine Mitarbeiterin «disziplinar- und personenrechtliche Abklärungen» im Gange seien.

Affäre dauerte schon länger

20 Minuten weiss, dass die amouröse Verbindung schon länger innerhalb der Gefängnismauern für Gesprächsstoff sorgte, ehe es vor rund einem Monat zur Freistellung der Frau kam. Eine Aufseherin, die anonym bleiben will, packt aus: «Es gab Gerede, deshalb wurde die Mitarbeiterin zum Gespräch zitiert. Sie stritt alles vehement ab. Doch die Gerüchte hielten sich hartnäckig.» Die Aufseherin glaubt zu wissen, dass es die anderen Häftlinge waren, die die Gefängnisleitung zu weiteren Untersuchungen drängten. «Solche Geschichten schüren eben den Neid unter den Häftlingen. Die wollen sich das nicht bieten lassen, dass einer besser behandelt wird.»

Bei der etwa 30-jährigen Frau handle es sich um eine Werkstatt-Mitarbeiterin der Sattlerei, die seit rund zwei Jahren dort arbeitete. Ob es zu Sex kam, kann die Aufseherin nicht sicher sagen. «Aber die Mitarbeiterin war sicher sehr naiv.» Sie übt auch Kritik an der Gefängnisleitung: «Ich weiss von Mitarbeiterinnen, die einen Kurs zum Thema Nähe und Distanz besuchen wollten. Doch sie wurden zuerst blöd gefragt, ob sie es denn nötig hätten. Eigentlich sollte man jeden neuen Mitarbeiter sofort in diesen Workshop schicken statt sich um die Kosten zu sorgen.»

Passierte es im Keller?

Ein pensionierter Thorberg-Mitarbeiter, der auch einmal in der Sattlerei arbeitete, kann sich gut vorstellen, wo es zum leidenschaftlichen Zusammenkommen zwischen den Zweien gekommen ist: «Es gibt da im Keller so ein Leder-Lager, die haben es wohl dort getan.» Da man den Häftlingen ab und zu etwas erklären oder die Arbeit kontrollieren müsse, komme es zu Nähe zwischen Mitarbeitern und Insassen. «Eigentlich sind in den Werkstätten immer zwei Mitarbeiter zugegen, aber wenn mal einer frei oder Ferien hat, kann es sein, dass einer allein auf fünf bis zehn Häftlinge aufpasst. Da kann man sich schon irgendwie Freiräume schaffen für so eine Affäre.»

Bisher ist nicht bekannt, ob es tatsächlich zum Geschlechtsverkehr kam. Ein enger Arbeitskollege der freigestellten Frau sagt gegenüber 20 Minuten, es seien nur «Peanuts» gewesen. Die getroffenen Massnahmen betrafen übrigens nicht nur die Mitarbeiterin – auch der Vergewaltiger wurde in eine andere Anstalt verlegt.

«Dazu kommt es halt, wenn beide giggerig sind»

Dass es in Gefängnissen immer wieder zu solchen Liebeleien kommt, erstaunt Peter Zimmermann von der Häftlingsorganisation Reform 91 nicht. «Im Strafvollzug wird Sexualität generell ausgeklammert, und das ist ein grosses Problem.» Zu solchen Affären komme es halt, «wenn beide giggerig sind». Zimmermann: «Zudem finde ich es eigenartig, dass sich der Thorberg-Direktor Thomas Egger und Justizdirektor Hans-Jürg Käser zum Fall nicht äussern und wieder alles unter den Teppich kehren wollen. Das entspricht einmal mehr der Strategie des Kantons Bern. Sie könnten ja auch einfach sagen, was und wie es passiert ist, dann würde Klarheit herrschen.»

Auch die Thorberg-Mitarbeiterin wünscht sich dies: «Es wäre schön zu erfahren, was wirklich war und ob die Mitarbeiterin je wiederkommt oder nicht.»

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