Schadensstatistik : Die Hälfte der Hagelschäden entstand in nur acht Kantonen
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Schadensstatistik Die Hälfte der Hagelschäden entstand in nur acht Kantonen

Die Schadensstatistik der Axa zeigt: Einzelne Kantone sind viel stärker von Hagel und Überschwemmungen betroffen. Hitze, trockene Sommer und extreme Niederschläge werden weiter zunehmen.

von
Matthias Giordano
Gianni Walther
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Im Sommer 2021 haben mehrere Hagelstürme grosse Schäden angerichtet – so etwa in Wolhusen LU.

Im Sommer 2021 haben mehrere Hagelstürme grosse Schäden angerichtet – so etwa in Wolhusen LU.

Peter Soland, JSD Luzern
An diversen Hausdächern sind damals Hagelschäden entstanden.

An diversen Hausdächern sind damals Hagelschäden entstanden.

Gebäudeversicherung Luzern
Auch Fassaden wurden beschädigt. Alleine im Kanton Luzern sind beim Hagelunwetter Ende Juni 2021 Gebäudeschäden in der Höhe von rund 400 Millionen Franken entstanden.

Auch Fassaden wurden beschädigt. Alleine im Kanton Luzern sind beim Hagelunwetter Ende Juni 2021 Gebäudeschäden in der Höhe von rund 400 Millionen Franken entstanden.

Gebäudeversicherung Luzern

Darum gehts

  • Rund die Hälfte der Hagelschäden in den letzten zehn Jahren verzeichnete der Versicherer Axa in acht Kantonen.

  • Ein Drittel der Überschwemmungsschäden wurde in fünf Kantonen dokumentiert.

  • Extreme Wetterereignisse werden in Zukunft zunehmen. Das kriegen auch Landwirte und -wirtinnen zu spüren.

  • Weitere Investitionen zum Schutz vor Naturgefahren lohnen sich laut einem Klimaexperten.

Verhagelte Autos und Hausdächer, Keller unter Wasser, überschwemmte Strassen: Verschiedene Wetterereignisse haben im letzten Sommer in der Schweiz für grosse Schäden gesorgt. Alleine im Kanton Luzern entstanden laut Gebäudeversicherung Hagel- und Überschwemmungsschäden in der Höhe von rund 400 Millionen Franken.

Von Hagelschäden besonders betroffen sind dabei die Kantone Neuenburg, Tessin, Jura, Nidwalden, Luzern, Schwyz, Zug und Bern, wie der Versicherer Axa am Dienstag mitteilte. In diesen acht Kantonen wurde in den letzten zehn Jahren rund die Hälfte der bei der Axa gemeldeten Hagelschäden verzeichnet. Auch von Überschwemmungen sind die Kantone unterschiedlich stark betroffen: Über ein Drittel der gemeldeten Überschwemmungsschäden der letzten zehn Jahre wurde der Axa aus den Kantonen Schwyz, Thurgau, Luzern, Solothurn und Aargau gemeldet. Unter den betroffenen Kantonen gibt es auch mehrere aus der Zentralschweiz.

Neue Klimamodelle für präzisere Vorhersagen

Die Statistik zeigt auch eine Häufung von Extremwetterereignissen aufgrund des Klimawandels. So war etwa das Jahr 2021 in Europa ein Jahr der Wetterextreme. Solch extreme Wetterereignisse dürften künftig weiter zunehmen. «Hitzewellen, trockene Sommer und extreme Niederschläge nehmen zu. Bei Hagel gibt es Anzeichen, aber es ist komplizierter. Bei Stürmen gibt es keine klaren Tendenzen», sagt Reto Knutti, Klimaexperte an der ETH in Zürich. Bei Hitze, Trockenheit und starken Niederschlägen nehmen laut Knutti sowohl die Anzahl als auch die Intensität zu.

Ob die in der Statistik der Axa genannten Kantone auch in Zukunft am meisten von extremen Wetterereignissen betroffen sein werden, könne man nicht sagen. Das Ableiten räumlicher Muster sei wegen der hohen Fluktuation nicht möglich. «Die Hitze und Trockenheit wird auf der Alpensüdseite ausgeprägter, aber viel mehr kann man im Moment nicht sagen», so Knutti. Momentan werden neue Klimamodelle entwickelt, die bessere Vorhersagen zulassen sollen.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Die Wetterextreme kriegen auch die Landwirte und Landwirtinnen zu spüren. So hinterliess der viele Regen letzten Sommer bei Gmües Mattli in Kastanienbaum Spuren: «Letztes Jahr gab es grosse Ertragsausfälle beim Lagergemüse von 30 bis 70 Prozent», sagt Gemüsebauer Peter Gisler. «Langandauernde Nass- und Trockenperioden sind eine grosse Herausforderung. Einerseits sind bei Trockenheit Bewässerungsanlagen nötig und andererseits muss bei Nässe mit Drainagen im Boden Wasser abgeführt werden», sagt Gisler weiter. Unter anderem durch Investitionen bei der Be- und Entwässerung sollen Ertragsausfälle minimiert werden. Landwirte und -wirtinnen können zudem etwa auch Hagelversicherungen abschliessen. Denn: Vermehrte Unwetter können laut Gisler für Landwirte und Landwirtinnen existenzbedrohend werden.

Eine Vorbereitung auf Veränderungen ist denn auch laut Knutti sinnvoll: «In vielen Bereichen kann man die Risiken verkleinern mit verbesserten Wetterprognosen, Warnsystemen, Information der Bevölkerung, Hochwasserschutz, Pegelregulierungen.» Die Schweiz habe im Umgang mit Naturgefahren eine lange Tradition. Solche Vorbereitungen kosten natürlich, aber zahlen sich aus. «Ein investierter Franken verhindert deutlich mehr als einen Franken an Schäden», sagt Knutti. 

Wolhusen LU, 25. Juli 2021: Wassermassen spülten in Wolhusen mehrere Autos weg. Im Gebiet um den Bahnhof kam es zu Überflutungen. 

News-Scout

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