Wände mit Wirkung: Die Häuser der Zukunft tragen Grün
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Wände mit WirkungDie Häuser der Zukunft tragen Grün

Gärten an Fassaden und Dächern könnten Energie sparen und das lokale Klima verbessern. Wiener Forscher untersuchen, wie das am besten geht.

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Sorgten gestern vor allem Privat- und Guerilla-Gärtner für ein bisschen mehr Grün in den Städten, sind es heute Architekten und Planer. Doch während Pflanzen früher vor allem ästhetischen Ansprüchen genügen mussten, haben sie nun eine weitere Aufgabe: Sie sollen das Leben in den Zentren besser machen und die Wärme- und Feuchtigkeit in den Hauswänden regulieren.

Dass das funktioniert, ist bekannt. Auch werden bereits erste Projekte umgesetzt: In Paris beispielsweise setzt man seit 2006 auf die grüne Reinigungskraft. Im Plan d'Aménagement du Développement Durable, einem Teil des städtebaulichen Regelwerks, setzt sich die Seine-Stadt zum Ziel, mit Hilfe der Pflanzen «das städtebauliche Erbe zu bewahren und aufzuwerten».

Konkrete Ideen

Auch das Mikroklima profitiert von den grünen Wänden. Christa Aue, eine auf nachhaltige Entwicklung spezialisierte Architektin mutmasst, dass Anpflanzungen auf nur fünf Prozent der Gebäude eines Quartiers die Luft deutlich filtern können. Denn die Pflanzen schlucken nicht nur Lärm, sondern wirken auch Hitzeinseln entgegen und beugen - weil sie Regenwasser speichern - Überschwemmungen vor. Weiter binden sie Feinstaub.

Doch trotz erster Erfahrungen: Es gibt noch immer Wissenslücken. Diese wollen Forscher vom Institut für Hochbau und Technologie der TU Wien schliessen. Dem Team um Azra Korjenic schwebt vor, unter transparenten Photovoltaikzellen, Pflanzen wachsen zu lassen. Weil diese die technische Anlage kühlen, kann mehr Strom erzeugt werden. Gleichzeitig sollen die Pflanzen als natürliche Dämmschicht fungieren: «Ein flaches Metalldach kann in Wien im Sommer eine Temperatur von 80 Grad erreichen - ein begrüntes Dach wird nicht wärmer als die umgebende Luft», teilt die Hochschule mit.

Optimale Lösung finden

Jedoch ist dieses Konzept bautechnologisch bisher kaum erforscht. «Der Energiebedarf von Gebäuden lässt sich heute am Computer sehr genau berechnen, besonders für Null- und Plus-Energie-Häuser ist das wichtig. Für die Planung von begrünten Fassaden fehlten bisher aber einfach verlässliche Daten und Simulationsmodelle», erklärt Azra Korjenic. Das möchte sie nun ändern: Durch die Sammlung von Messdaten soll es möglich werden, für ein bestimmtes Haus die energetisch optimale Lösung zu berechnen. Auch die strittige Frage des Kosten-Nutzen-Verhältnisses möchte sie beantworten.

«Die Auswahl der Pflanzen spielt natürlich eine wichtige Rolle», so die Expertin. Daher arbeitet sie eng mit der Wiener Universität für Bodenkultur zusammen. Unterschiedlicher Pflanzenbewuchs wird in unterschiedlichen Umgebungen getestet. Doch so oder so: Pflanzen sind schön. «Es lebt sich angenehmer, umgeben von Grün», ist Korjenic überzeugt.

Für ihre bisherige Forschung im Bereich des ökologisch nachhaltigen Bauens wurde Azra Korjenic nun mit zwei wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet.

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