Aktualisiert 11.01.2012 08:51

Rätselhafter ReizhustenDie halbe Schweiz hustet

Die Schweiz wird momentan von einer regelrechten Hustenwelle überrollt. Woher sie kommt, ist unklar. Laut Ärzten häufen sich auch die Lungenentzündungen.

von
Janko Skorup
Noch haben die Mediziner nicht herausgefunden, woher die Hustenwelle kommt.

Noch haben die Mediziner nicht herausgefunden, woher die Hustenwelle kommt.

Wer sich nicht anstecken lassen will, muss derzeit höllisch aufpassen: Im Bus, Tram, Zug und im Büro ist man umzingelt von hustenden Virenschleudern. Schützen kann man sich nur mit ähnlichen Hygienemassnahmen wie bei der Schweinegrippe. Denn dieses Jahr sind aussergewöhnlich viele Schweizer von Erkältungen betroffen.

Megy Keller von der Bahnhof-Apotheke im Hauptbahnhof Zürich: «Es ist auffallend, dass momentan sehr viele Leute an besonders hartnäckigem Husten leiden.» Auch Thomas Geiser vom Berner Inselspital beobachtet den ungewöhnlichen Anstieg: «Ich registriere vermehrt Meldungen von Reizhusten-Fällen, die vor allem nach Lungeninfekten auftreten.» Immer häufiger reagierten die Bronchien der Betroffenen überempfindlich: «Das ähnelt dann stark Asthma.»

Achtung: Lungenentzündung droht

Aber nicht nur das: Husten und Erkältungen schwächen unser Immunsystem, was Bakterien geradezu einlade, sich bei uns einzunisten, wie Daiana Stolz vom Unispital Basel erklärt. Die Folgen können schwere Lungenentzündungen sein – auch davon seien laut Stolz in diesem Winter aussergewöhnlich viele Patienten betroffen.

Über die Gründe, weshalb der Husten heuer so schlimm ist, gehen die Meinungen auseinander. Geiser vermutet ein besonders hartnäckiges Virus. Keller bemerkte in den letzten Jahren eine Häufung von Reizungen der Atemwege. Sie führt diesen Trend unter anderem auf die gestiegene Luftverschmutzung zurück.

Immerhin: Während die Erkältungen die Schweiz fest im Griff haben, gibt es von der Grippe noch keine Spur. Mehr dazu können Sie im Laufe des Tages auf 20 Minuten Online lesen.

Was tun gegen Husten?

Wer an hartnäckigem Husten leidet, kann verschiedene Hausmittelchen versuchen, um diesen einzudämmen. Die beste Massnahme ist laut Medizinern, die Schleimhäute feucht zu halten – sei es durch einen Luftbefeuchter, warmes Duschen oder Inhalieren von (Eukalyptus-)Dampf. Weiter helfen Thymiantee, Salzwasser und Hustensäfte. Um Mitmenschen und sich selbst zu schützen, gelten die üblichen Hygienemassnahmen. Falls man länger als 3 bis 4 Wochen an Husten leidet, sollte man einen Arzt aufsuchen – dann könnte es sich unter anderem um eine Lungenentzündung handeln.

«Viren nisten sich in der Lunge ein»

Herr Geiser, was passiert mit unserem Körper, wenn wir uns erkälten? Thomas Geiser*: Eingeatmete Viren oder auch Bakterien nisten sich in der Lunge ein und aktivieren unser eigenes Abwehrsystem. Es kommt zu einer Entzündung mit Husten, Auswurf und manchmal auch Fieber. In der Regel kommt unser Immunsystem mit diesen Infekten klar, manchmal braucht es aber auch Antibiotika.

Herr Geiser, was passiert mit unserem Körper, wenn wir uns erkälten? Thomas Geiser*: Eingeatmete Viren oder auch Bakterien nisten sich in der Lunge ein und aktivieren unser eigenes Abwehrsystem. Es kommt zu einer Entzündung mit Husten, Auswurf und manchmal auch Fieber. In der Regel kommt unser Immunsystem mit diesen Infekten klar, manchmal braucht es aber auch Antibiotika.

Was sind das für Viren?

Nebst Grippeviren (Influenza, die Red.) können auch andere Virenarten Erkältungssymptome wie Husten auslösen.

Weshalb sind wir im Winter besonders betroffen?

Wahrscheinlich spielen die Temperatur sowie die trockene Luft eine Rolle. Das führt zu trockenen Schleimhäuten, die empfindlicher sind. (jsk)

*Professor Dr. med. Thomas Geiser ist Chefarzt der Universitätsklinik für Pneumologie am Inselspital in Bern.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.