David Da Costa: «Die Handschuhe haben jetzt viele kleine Löcher»
Aktualisiert

David Da Costa«Die Handschuhe haben jetzt viele kleine Löcher»

Vom Krisenklub zum Team der Stunde: 20 Minuten sprach mit FCZ-Goalie David Da Costa über Siege, Trainer und Marder.

von
Sandro Compagno

David Da Costa, wie steht es nach der Marderjagd in der Arena Thun um Ihre Goalie-Handschuhe?

(lacht) Ich habe sie nach dem Spiel etwas genauer angeschaut und Bissspuren gefunden: viele kleine Löcher.

Mit anderen Worten: Sie schmeissen sie weg.

Nein, das sind «Zu-Null-Handschuhe»! Nach einem Spiel ohne Gegentor wechsle ich meine Handschuhe nie.

Die Marder-Szenen im Stadion gingen um die Welt. Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Ich war als Bub im Letzigrund dabei, als «Maradona» ausbüchste (ein FCZ-Gag mit einem Muni namens «Maradona» als Maskottchen ging 1999 ziemlich daneben, die Red.). Damals stand ich noch in der Südkurve. Und auf der Allmend Brunau hat sich auch schon der eine oder andere Hund auf den Trainingsplatz verirrt. Aber sowas, nein... Wobei mir zu Thun noch eine weitere tierische Anekdote einfällt: Als ich dort spielte, hat sich mal ein Igel unter meinem Grill auf dem Sitzplatz eingenistet.

Sprechen wir über den Sport: Ist ein Spiel gegen Ihren Ex-Klub Thun für Sie noch eine spezielle Affiche?

Ja, die Vorfreude ist gross. Es ist schön, alte Bekannte wieder zu treffen. Auch die Fans sind immer sehr nett zu mir. Ich hatte zwei tolle Jahre in Thun und bin noch heute oft dort, wenn ich frei habe.

Der FC Zürich hat im Herbst in 18 Spielen 17 Punkte geholt, im neuen Jahr in fünf Spielen schon 13. Wie ist das zu erklären?

Im Herbst lief vieles nicht rund, was heute klappt. Es mag wie eine Binsenwahrheit klingen, aber wir haben das Momentum wieder auf unserer Seite. Im Herbst haben wir oft Spiele sehr unglücklich verloren, jetzt läuft es plötzlich für uns. Schauen Sie das 4:0 in Thun an: Erst schossen die Thuner ein Eigentor, kurz vor der Pause sah einer die Rote Karte. Ausserdem gelang uns zuletzt in jedem Spiel das erste Tor, das erleichtert natürlich einiges.

Momentum? Glück? Klingt alles etwas sehr einfach.

Wir sind als Mannschaft sicher solidarischer geworden. Jeder kämpft für den anderen. Und mit jedem Sieg steigt natürlich auch das Selbstvertrauen.

Wie viel macht Trainer Urs Meier aus?

Er ist der richtige Mann für den FCZ. Er kennt die Philosophie des Klubs und er kennt als ehemaliger Nachwuchs-Trainer alle jungen Spieler – das passt.

Man konnte lesen, Meiers Vorgänger Rolf Fringer habe im Herbst die Mannschaft gespalten. Sie sollen zur Pro-Fringer-Fraktion gehört haben.

Wenn Sie es so sehen wollen, dann war ich pro Fringer. Im Fussball läuft es doch wie im Geschäftsleben auch: Man hat einen Chef, den es zu respektieren gilt. Wieso sollte ich mich gegen den Trainer auflehnen? Wir sitzen ja im gleichen Boot. Aber eine Spaltung in Pro- und Kontra-Fringer gab es so nicht. Das wurde von den Medien aufgebauscht. Jeder Trainer hat seine eigenen Methoden, aber Meier und Fringer sind beide gute Trainer.

Wo sehen Sie die Stärken von Urs Meier?

Es verfügt über eine hohe Sozialkompetenz. Für ihn ist jeder Spieler wichtig, nicht nur die elf auf dem Platz. Urs Meier hat einmal gesagt: ‹Den Unterschied im heutigen Fussball machen die Ersatzspieler.› Gemäss dieser Devise behandelt er die Spieler. Er spricht viel mit uns. Urs Meier lebt Fussball, und zwar Tag und Nacht. Er war schon vor sechs, sieben Jahren mein Trainer in der U21 und ich habe mich oft gefragt, wieso man ihm keine Chance in der Super League gab. Den jetzigen Erfolg mag ich ihm sehr gönnen – nicht nur weil ich dabei beteiligt bin.

Sportlich läuft es dem FCZ gut, wirtschaftlich befindet er sich in Schräglage.

Ich kann Ihnen versichern, dass die Löhne jeden Monat pünktlich kommen! Was über die finanzielle Situation des FCZ in den Zeitungen steht, kümmert uns nicht. Wir sind zurück in der Erfolgsspur und dürfen uns nicht ablenken lassen.

Was ist diesem FCZ in der aktuellen Saison noch zuzutrauen?

Vor der 2. Meisterschaftsphase haben wir uns Platz 5 zum Ziel gesetzt. Die Herbstrunde haben wir vermasselt, der 5. Platz ist realistisch. Und wir wollen in den Cup-Final.

Und wer wird Meister?

Basel und GC werden das unter sich ausmachen, aber mir wäre Basel lieber – wegen Murat Yakin, der mein Trainer in Thun war.

Deine Meinung