Präventionsexperten: «Die Hanf-Zigarette ist ein gefährliches Produkt»
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Präventionsexperten«Die Hanf-Zigarette ist ein gefährliches Produkt»

Die Nachfrage nach den Hanf-Zigaretten ist laut Coop «grösser als erwartet». Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention befürchtet, dass das Produkt Jugendliche nikotinabhängig macht.

von
lüs
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Heimat bringt die «erste CBD-Hanf-Zigarette der Welt» auf den Schweizer Markt.

Heimat bringt die «erste CBD-Hanf-Zigarette der Welt» auf den Schweizer Markt.

Claudia Link
20 Zigaretten enthalten insgesamt 4 Gramm CBD.

20 Zigaretten enthalten insgesamt 4 Gramm CBD.

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Derzeit werden sie in die Regale von Coop-Filialen gestellt.

Derzeit werden sie in die Regale von Coop-Filialen gestellt.

Seit der ersten Juli-Hälfte waren die Hanf-Zigaretten in einzelnen Coop-Filialen bereits verfügbar, am Montag erfolgte der offizielle Verkaufsstart beim Grossverteiler. Das neue Produkt des Schweizer Tabakmarke Heimat bereitet den Präventionsfachleuten Kopfschmerzen. Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz teilt mit, es handle sich um ein «gefährliches Lifestyle-Produkt». Zwar werde die CBD-Zigarette vom Hersteller als «alternatives Rauch-Naturprodukt» bezeichnet.

In Tat und Wahrheit unterscheide sie sich jedoch mit Ausnahme des geringen Zusatzes von Hanf nicht von normalen Zigaretten und sei genauso schädlich.

«Produkt kann auf Jugendliche anziehend wirken»

Gefährdet seien vor allem Jugendliche, sagt Verena El Fehri, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention. «Besonders auf sie können solche Produkte anziehend wirken, da Hanf die Aura des Verbotenen anhaftet.» Wer bisher davor zurückgeschreckt sei, einen Joint zu rauchen, habe möglicherweise weniger Skrupel, zu einer Hanfzigarette zu greifen.

«Die leichte Verfügbarkeit an der Supermarkt-Kasse und am Kiosk senkt die Hemmschwelle für den Konsum noch einmal», so El Fehri. Es sei daher zu befürchten, dass Jugendliche über den Konsum der CBD-Zigarette in eine Nikotinabhängigkeit geraten.

«Wir nehmen den Jugendschutz sehr ernst»

Coop-Sprecher Ramón Gander verweist hingegen darauf, dass man Zigaretten nur an über 18-Jährige verkaufe. «Wir nehmen die bestehenden Jugendschutz-Richtlinien sehr ernst und setzen diese konsequent um.»

Das Coop-Personal werde geschult, es gebe flächendeckende Ausweiskontrollen, die Durchführung von Testkäufen, und man halte die Werbevorschriften ein.

«Nachfrage grösser als erwartet»

Dass die Hanf-Zigaretten bei jungen Kunden besonders beliebt sind, hat man bei Coop nicht beobachtet. Gander: «Dazu liegen uns keine Informationen vor.» Generell verkauft sich das Produkt jedoch sehr gut, wie Gander sagt: «Die Nachfrage nach den Zigaretten war grösser als erwartet.» Daher seien die Zigaretten nicht in allen Verkaufsstellen erhältlich – obwohl man laufend neue Lieferungen bekomme.

Weiterhin nicht kaufen kann man die Zigaretten jedoch im Tessin. Weil Coop nicht über die nötige kantonale Bewilligung für den Verkauf von Hanfprodukten verfügte, wurde das Produkt dort von der Polizei beschlagnahmt. Gander sagt dazu: «Wir werden bis auf Weiteres auf den Verkauf der Zigaretten im Tessin verzichten.»

Deutscher Zoll warnt vor Einfuhr der Hanf-Zigaretten

Die Hanf-Zigaretten beschäftigen auch die deutsche Generalzolldirektion in Bonn. In einer Medienmitteilung warnte die Zollbehörde am Montag davor, das Schweizer Produkt nach Deutschland einzuführen.

Gemäss dem Schweizer Gesetz seien die Zigaretten zwar legal, aber nicht nach dem deutschen. Cannabis sei wegen seines Wirstoffes THC im deutschen Betäubungsmittelgesetz aufgeführt. Und: «Eine Ausnahmeregelung kommt nicht zum Tragen, da eine Unterscheidung oderKleinfallregelung hinsichtlich des THC-Gehaltes gesetzlich hierfür nicht vorgesehen ist.» Wer die Zigaretten dennoch nach Deutschland einführe, begehe eine Straftat, die mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werde. (lüs)

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