Wie weiter, UBS?: Die Hassliebe zum Investment-Banking
Aktualisiert

Wie weiter, UBS?Die Hassliebe zum Investment-Banking

Der Ruf nach der Abspaltung der Investment-Sparte der UBS wird immer lauter. Trotzdem dürfte die UBS an ihrer Strategie festhalten – und erhält dafür Unterstützung von aussen.

von
Hans Peter Arnold
UBS: Reicht die Verbesserung des Risikomanagements oder muss das gesamte Investment-Banking veräussert werden?

UBS: Reicht die Verbesserung des Risikomanagements oder muss das gesamte Investment-Banking veräussert werden?

Die Milliarden-Verluste in der Londoner UBS-Filiale würden auf alle Fälle Eingang finden in die neue Investmentbanking-Strategie, sagte UBS-Chef Oswald Grübel am Sonntag zum Schweizer Fernsehen. An dieser Strategie arbeitet die UBS jedoch bereits ein Jahr. Weil die Erträge im Investmentbanking rückläufig sind, benötigt die Bank eine neue Ausrichtung. Was Grübel nicht sagte: Es mehren sich die Stimmen, die das schwankungsanfällige Geschäft auf robustere Beine stellen wollen. So soll das Geschäft vorhersehbarer und risikoärmer werden.

Das Investmentbanking wird jedoch immer höheren Schwankungen ausgesetzt sein als das traditionelle Bankgeschäft mit den Spareinlagen der Kunden. Das zeigt sich bereits am ursprünglichen Zweig des Investmentbankings, das auf die Kapitalbeschaffung für Unternehmen ausgerichtet war. Es kam der Handel mit Aktien hinzu. Immer wichtiger wurden schliesslich die Aktivitäten von Firmenkäufen und Fusionen. Das Handelsvolumen schwankt beträchtlich. Mit anderen Worten: Während des Wirtschaftsbooms schliessen die Firmenchefs viele Transaktionen ab. Je grösser das Volumen, desto mehr Geld fliesst in die Kassen der Banken. In der Baisse versiegt das Geschäft.

Aufgeblähtes Investment-Banking

Diese traditionelle Sparte des Investment-Bankings wurde in den vergangenen Jahrzehnten angereichert mit Milliarden-Geschäften im Bereich Devisen- und Aktienderivaten. Hier arbeiten die Händler mit einem grossen Hebel; der Fremdkapitaleinsatz ist erheblich. In den fetten Jahren haben die involvierten Banker viel verdient. Die Boni stiegen in den Himmel; doch auch die Banken profitierten – die Saläre an der Unternehmensspitze schwollen ebenfalls an.

Können die Schweizer Grossbanken die Risiken im Investmentbanking in den Griff bekommen? Es sei offensichtlich: Die UBS habe kein geeignetes System für Risiko-Management, meint Giorgio Questa, Professor an der Cass Business School in London gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Andere Stimmen fordern die Abspaltung des Investment-Armes. Dazu hat Bankenprofessor Beat Bernet von der Universität St. Gallen eine dezidierte Meinung: «Eine international tätige Bank kann nicht auf das Investmentbanking verzichten.» Die Forderung von Alt-Bundesrat Christoph Blocher nach einem Verbot des Investment-Bankings sei unsinnig. Es sei deshalb nicht zu erwarten, dass sich die UBS vom Investmentbanking trenne. Hingegen prüfen die Schweizer Grossbanken eine Veränderung in der Organisationsstruktur und der Rechtsform; allenfalls sogar die Verlegung des rechtlichen Sitzes einer neuen Investmentbank-Einheit ins Ausland. Für Bernet ist auch das Verbot des Eigenhandels denkbar. «Historisch gesehen gingen viele Krisen und Milliarden-Verluste von diesem Eigenhandel aus», so Bernet gegenüber 20 Minuten Online.

Indirekte positive Impulse

Jürg Zeltner, CEO UBS Wealth Management, wehrt sich gegen eine isolierte Betrachtung und streicht den Nutzen des Investment-Bankings für die Vermögensverwaltung hervor: «Dass wir weltweit präsent sind, Zugang zu Märkten besitzen, über Abwicklungskapazität und Marktkenntnisse verfügen sowie Produkt-Know-how und Performance bieten können, haben wir in erster Linie den vielen leistungsstarken Bereichen unserer Investment-Bank zu verdanken.»

Die Strategie einer auf Dienste für die Kunden ausgerichteten Investment-Bank bewähre sich, sagte am Wochenende UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung». Die Investmentbank als solche stehe für die UBS nicht zur Disposition, da sie gebraucht werde. Abzuklären gelte es jedoch, ob und wie die Kundenfokussierung und die Kontrolle noch weiter verbessert werden könnten. Anzunehmen sei zudem, dass die Investmentbank künftig mit weniger Kapital werde auskommen müssen.

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