Mosambik: Die Hausbesetzer des Grand Hotel Beira
Publiziert

MosambikDie Hausbesetzer des Grand Hotel Beira

Das Grand Hotel Beira war einst das grösste Hotel Afrikas. Nach dem Bürgerkrieg wurde es zu einem illegalen Mehrfamilienhaus.

von
mst
Dieses Gebäude ist das Grand Hotel Beira in Mosambik am Indischen Ozean.

Dieses Gebäude ist das Grand Hotel Beira in Mosambik am Indischen Ozean.

F Mira / Wikipedia / CC BY-SA 2.0
Das Beira war das zu seiner Zeit grösste und schönste Hotel des gesamten Kontinents: Es gab einen Pool in Olympia-Grösse (50 Meter), ein Kino und einen Ballsaal.

Das Beira war das zu seiner Zeit grösste und schönste Hotel des gesamten Kontinents: Es gab einen Pool in Olympia-Grösse (50 Meter), ein Kino und einen Ballsaal.

The National Archives UK / Wikipedia
Mit dem Hotel wollten Investoren die Ortschaft Beira zu einer Tourismusdestination machen. Damals war Mosambik noch eine portugiesische Kolonie.

Mit dem Hotel wollten Investoren die Ortschaft Beira zu einer Tourismusdestination machen. Damals war Mosambik noch eine portugiesische Kolonie.

Senorhorst Jahnsen / Wikipedia / CC BY 2.0

Mosambik ist eine der am schnellsten wachsenden Tourismus-Destinationen. Die wilde Schönheit des afrikanischen Landes lockte aber schon vor der Unabhängigkeit, als es noch unter portugiesischer Herrschaft stand, Besucher an.

Das grösste und schönste Hotel Afrikas

Die Stadt Beira am Indischen Ozean, die heute Mosambiks drittgrösste Stadt ist, war allerdings kein beliebtes Ferienziel. Portugiesische Investoren wollten das mit einem spektakulären Hotel ändern. 1953 eröffnete das portugiesische Unternehmen Companhia de Moçambique ein Luxushotel mit Blick auf den Indischen Ozean: Das Grand Hotel Beira.

Das Beira war das zu seiner Zeit grösste und luxuriöseste Hotel des gesamten Kontinents: Es gab einen Pool in Olympia-Grösse (50 Meter), ein Kino und einen Ballsaal. Das Art-déco-Gebäude hatte Glasfronten, eine grosse, gewundene Treppe und ein ausserordentlich schönes Interieur.

Militärbasis während des Bürgerkriegs

Trotz seiner Einzigartigkeit lockte das Hotel nicht die Unmengen von Besuchern an, die sich die Investoren gewünscht hatten. Gleichzeitig war der Unterhalt des riesigen Hotels sehr teuer. In den kommenden acht Jahren, in denen das Hotel geöffnet war, erwirtschaftete es kein einziges Mal Profit und wurde schliesslich, nach nicht einmal einem Jahrzehnt, wieder geschlossen.

Zwischen 1963, als das Hotel geschlossen wurde und 1975, als Mosambik schliesslich unabhängig wurde, passierte in dem eleganten Gebäude nicht viel. Kurz darauf begann der Bürgerkrieg und das einstige Grand Hotel wurde zur Militärbasis umfunktioniert.

Unterkunft für Vertriebene

Die Anwesenheit des Militärs erweckte den Eindruck von Sicherheit, viele Flüchtlinge suchten im ehemaligen Grand Hotel Schutz vor dem Bürgerkrieg. Obwohl der Bürgerkrieg in Mosambik vor mehr als 25 Jahren endete, sind einige der Flüchtlinge noch immer dort.

Das Hotel ist nur noch ein Schatten seiner selbst: Schränke und Ähnliches wurden verkauft, genauso wie Kabel und Rohre aus den Wänden. Es gibt weder Türen noch Fenster und auch die Holzböden wurden gestohlen oder zerstört. Sogar die Lifte sind weg, es gibt nur noch leere Schächte.

Ein Ort der Kriminalität

Derzeit leben dort schätzungsweise mehr als 3000 Hausbesetzer. Die Einheimischen nennen die Besetzer «watha muno», was so viel wie «nicht von hier» bedeutet. Die meisten sind arbeitslos, einige arbeiten als Fahrer oder Hausangestellte in der Gegend. Manche machen ihr Geld auch im Hotel: Sie haben illegale Shops eröffnet, in denen es Lebensmittel, Kondome und verbotenen Alkohol gibt.

Einst gab es ein System, eine Art Regierung, die sich um Sicherheit und Zugang zum Wasser kümmerte. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation allerdings stetig verschlechtert, die Kriminalität ist so hoch wie nie und das Gelände verdreckt.

Living-Push

Ihnen gefällt dieser Text und Sie würden gerne mehr solche Artikel lesen? Dann aktivieren Sie den Living-Push: In diesem Kanal lesen Sie Geschichten über aussergewöhnliche Häuser, träumen mit uns von Schlössern und alternativen Lebensweisen. Täglich zeigen wir Ihnen faszinierende Bilder aus der ganzen Welt und geben gleichzeitig praktische Tipps für Ihre Wohnung und den Umgang mit Vermietern.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf das Menüsymbol, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für den Living-Kanal aktivieren.

Deine Meinung