Schwitzwettbewerb: «Die Haut fiel ihnen von den Körpern»
Aktualisiert

Schwitzwettbewerb«Die Haut fiel ihnen von den Körpern»

Der tödliche Ausgang der Sauna-WM im finnischen Heinola bedeutet das Aus für die fragwürdige Veranstaltung. Noch 2009 wurden die Bedingungen verschärft.

von
dhr
Kurz vor dem fatalen Ende der Sauna-WM: Ladyschenski (l.) und Kaukonen

Kurz vor dem fatalen Ende der Sauna-WM: Ladyschenski (l.) und Kaukonen

Der 60-jährige russische Finalist Wladimir Ladyschenski bezahlte seine Teilnahme an der Endrunde mit dem Tod; der 20 Jahre jüngere Titelverteidiger Timo Kaukonen wurde mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht (20 Minuten Online berichtete). Kaukonen hatte eine düstere Vorahnung: «Alle wissen, dass es bei der WM extrem zugeht, aber die Sauna in diesem Jahr ist schlimmer denn je» hatte der fünffache Weltmeister schon nach dem Halbfinal gesagt. Tatsächlich hatten die Veranstalter 2009 die Kabinen verkleinert und die Öfen verstärkt, nachdem es im Vorjahr noch über 18 Minuten gedauert hatte, bis der Sieger feststand.

Ärztliche Zeugnisse

Dies wurde den Finalisten am letzten Samstag, dem heissesten August-Tag, der in Finnland je gemessen wurde, zum Verhängnis. «Wir fragten regelmässig, ob es ihnen gut gehe, und sie machten Daumen hoch», rechtfertigte sich Veranstalter Ossi Arvela danach. «Alle hatten gültige ärztliche Zeugnisse.»

Doch nach über sechs Minuten in der 110 °C heissen Sauna, in der gemäss Reglement alle 30 Sekunden ein halber Liter Wasser über die heissen Steine geschüttet wird, kollabierte Kaukonen und bekam spastische Krämpfe. Helfer rissen die Türe auf und zerrten die beiden Männer nach draussen — zu spät für Ladyschenski, der noch auf dem Platz verstarb. «Es schüttelte sie, und die Haut fiel ihnen von den Körpern», berichtete der schwedische WM-Teilnehmer Jonas Jaako.

«Zu viel für den Menschenkörper»

«Wir haben abgebrochen, als wir merkten, dass die Grenzen dessen, was gesund ist, überschritten waren», sagte Arvela. Kritiker hatten die Veranstaltung, die seit 1999 offiziell in dem südfinnischen Ort stattfand, allerdings schon länger als «totale Idiotie» bezeichnet. Göran Honkamaa von der Schwedischen Saunaakademie sagte jetzt, die Jagd nach Hitzerekorden sei verantwortungslos: «Das hat mit Saunen nichts zu tun, 110 Grad sind einfach zu viel für den menschlichen Körper.» Teilnehmer an der heissen Tortur wiesen nach dem Extrem-Schwitzen schon Körpertemperaturen von 41 °C auf – bei 42 °C fängt das Blut an zu gerinnen.

Auf der Website der Sauna-WM www.saunaheinola.com steht derzeit nur eine kurze Mitteilung, in der den Angehörigen Ladyschenskis kondoliert wird.

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