Verhaftung im HB Zürich: «Die Hautfarbe eines Verdächtigen ist unerheblich»
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Verhaftung im HB Zürich«Die Hautfarbe eines Verdächtigen ist unerheblich»

Bei seiner Festnahme hat ein 14-Jähriger zweimal zugebissen. Der Polizeibeamten-Verband befürchtet nach dem Fall Floyd, dass Polizisten noch häufiger attackiert werden.

von
Qendresa Llugiqi

Im HB Zürich kam es am frühen Sonntagmorgen zu einer Auseinandersetzung.

Darum gehts

  • Nach einer Auseinandersetzung mit einem jungen Mann wurde ein 14-Jähriger festgenommen.
  • Der Jugendliche biss zweimal zu, unter anderem verletzte er einen Polizisten.
  • Der Polizeibeamten-Verband befürchtet nach dem Fall Floyd, dass Polizisten noch häufiger attackiert werden.

Ein 14-Jähriger von der Elfenbeinküste ist am frühen Sonntagmorgen nach einer Auseinandersetzung mit einem 18-Jährigen am Hauptbahnhof Zürich festgenommen worden. Auf Social Media werden Videos der Verhaftung mit den «Black Lives Matter»-Protesten in Verbindung gebracht. Im Einsatz standen die Securitrans und die Kantonspolizei Zürich. Je ein Mitarbeiter wurde von dem Jugendlichen gebissen. Laut Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), dürfen Rassismus-Vorwürfe nicht dazu führen, dass die Polizei ihre Arbeit nicht mehr machen kann.

Laut Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), dürfen Rassismus-Vorwürfe nicht dazu führen, dass die Polizei ihre Arbeit nicht mehr machen kann.

Laut Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), dürfen Rassismus-Vorwürfe nicht dazu führen, dass die Polizei ihre Arbeit nicht mehr machen kann.

Frau Bundi Ryser, wie beurteilen Sie den Vorfall am Hauptbahnhof Zürich?Zu einzelnen Fällen kann der VSPB keine Stellung nehmen, da auch wir keine Einzelheiten kennen, beziehungsweise nur Bild- und Videoinformationen aus den Medien haben. Und dies reicht nicht aus, um ein sicheres Bild von den Geschehnissen zu erhalten

Was wir aber sagen können, ist, dass die Polizei einen Auftrag hat und diesem nachgehen muss. Die Beamten setzen das Gesetz durch, was schliesslich auch vom Gesetzgeber und der Bevölkerung erwartet wird. Dabei ist es letztendlich unerheblich, welche Nationalität oder welche Hautfarbe ein Verdächtiger hat.

Der junge Mann wurde von Securitrans-Mitarbeitern festgehalten, bis die Polizei dazustiess. Im Video hört man, wie der Würgegriff kritisiert wird. War es richtig, den jungen Mann so zu packen?Zu diesem konkreten Vorfall nehmen wir keine Stellung. Die Polizistinnen und Polizisten lernen die Festnahmetechniken und wenden diese bei entsprechender Gegenwehr auch an. Zur Arbeit der Securitrans-Mitarbeiter kann ich mich als Präsidentin des VSPB nicht äussern. Was ich aber sagen kann: Offensichtlich hat sich der mutmassliche Täter gewehrt und auch die Sicherheitskräfte verletzt und sich in keiner Art und Weise kooperativ verhalten.

Was würden Sie grundsätzlich Anwesenden raten?Anwesende haben Video-Aufnahmen gemacht und immer wieder dazwischen gerufen und so die Arbeit der Sicherheitskräfte erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht. Solche Handlungen durch die Zuschauer führen nicht zu einer deeskalierenden Wirkung. Deshalb ein Appell an unbeteiligten Dritte: Behindert solche Einsätze nicht!

Der junge Mann soll laut der Kantonspolizei Zürich einen Securitrans-Mitarbeiter in den Oberarm und einen Polizisten durch seine Jeans hindurch gebissen haben. Was sagen Sie dazu?Grundsätzlich kann ich dazu sagen, dass wir leider seit Jahren feststellen müssen, dass die Gewalt gegen Polizisten stetig zunimmt. Diese Gewaltbereitschaft ist ein grosses Problem. Durch die jüngsten Ereignisse in den USA hat es weltweit Fälle gegeben, bei denen Polizisten angegriffen und verletzt wurden. Es hat ein Ausmass angenommen, das effektiv bedenklich ist.

Was bedeutet es nun für die Polizeiarbeit, dass jede Polizeiaktion nun noch genauer beobachtet wird und man Angst haben muss, dass man als Polizist im Netz an den Pranger gestellt wird?Es kann schnell gefährlich werden, wenn solche einseitige Perspektiven ins Netz gestellt werden. Es kann beispielsweise dazu führen, dass die Beamten angegriffen und verletzt werden. Dabei sollte jedem Filmer klar sein: Auch Polizisten haben ein Recht auf Persönlichkeitsschutz. Einige Menschen wollen mit solchen Aktionen die gute Arbeit der Polizei schlecht machen, dabei vergessen sie oftmals, die Beamten als Menschen ins Zentrum zu setzen. Es ist definitiv nicht das Ziel der Schweizer Polizei, rassistisch oder gewalttätig gegenüber der Bevölkerung vorzugehen!

Seit den Vorfällen in den USA wird Polizisten Racial Profiling vorgeworfen. Wie sieht es in der Schweiz aus?Das Thema Racial Profiling wird in der Schweiz immer wieder diskutiert. Natürlich war es in den letzten Tagen vermehrt präsent und wurde auch von unseren Mitgliedern diskutiert. Es wäre aber falsch zu sagen, dass dies in der Schweiz ein Problem darstellt. Es gibt sicher Vorfälle, in denen Bürger mit Massnahmen der Polizei nicht einverstanden waren, beispielsweise bei Verdachtsmomenten. Es gibt aber gesetzliche Grundlagen, die die Arbeit der Polizisten genauestens definieren. Sollte ein Beamter diese übertreten, ist jedem klar, dass auch er mit Konsequenzen rechnen muss. Solche gemeldeten Fälle werden durch die Polizeikorps untersucht und können auch in ein Strafverfahren gegen die betroffenen Beamten münden.

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