Aktualisiert 31.01.2012 07:02

Schweiz und ihr Image

Die Heimat der «Bad Banker»

Nicht nur im «Tatort» kommen die Schweizer Banker schlecht weg. Auch der «Spiegel» schiesst scharf: Josef Ackermann soll die US-Immobilienkrise mitverantwortet haben.

von
Sabina Sturzenegger
Der «Bad Banker» bei der Arbeit: Der Schauspieler Urs Jucker als Banker Urs Röttli im «Tatort». (Bild: SWR/Stephanie Schweigert)

Der «Bad Banker» bei der Arbeit: Der Schauspieler Urs Jucker als Banker Urs Röttli im «Tatort». (Bild: SWR/Stephanie Schweigert)

Es war deutsch und deutlich im «Tatort» vom Sonntagabend: Die Schweizer Banker sind die Bösen. In der Krimireihe ermittelte die Konstanzer Polizei gegen deutsche Geldschmuggler, die ihr Erspartes illegal in die Schweiz bringen. Drahtzieher bei diesen Deals war der Schweizer Banker Urs Röttli. Mit einem Koffer voller Geld, einem Schweizer Akzent und einem Sauberkeitsfimmel (die Kommissare entlockten ihm ein Geständnis mit der Androhung, ihn in eine schmutzige Viererzelle zu stecken) gab er den typischen Banker-Bösewicht: Unehrlich, geldgierig, kriminell.

Zufall oder nicht: Die «Spiegel»-Titelgeschichte

Nun, der «Tatort» ist Fiktion, über die Qualität der neuesten Folge kann man sich streiten. Doch soviel ist sicher: Das Image des Schweizer Bankers ist zumindest in Deutschland schlecht, sehr schlecht. War es aber Zufall, dass genau am gleichen Abend die neue Ausgabe des renommierten deutschen Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» mit der Titelgeschichte «Die Zocker AG» aufwartete? Gegenstand: Die Deutsche Bank. Auf dem Titelbild: Ein Schweizer Banker - Josef «Joe» Ackermann.

Im Gegensatz zum Spielfilm «Tatort» basiert die Titelgeschichte des Spiegels auf recherchierten Fakten. Und diese erschrecken. Das Magazin zeigt auf, wie der Schweizer Joe Ackermann das System mit den faulen Immobilienkrediten in den USA, das die Weltwirtschaft 2008 in eine Rezession stürzte, gestützt hat. Das Fazit des Blattes: Ackermann, seit 1996 in den Diensten der Deutschen Bank, soll zumindest mitverantwortlich gewesen sein am Platzen der Immobilienblase in den USA und einen Teil der daraus entstandenen Finanzkrise zu verantworten haben.

Unter den wichtigsten Akteuren

Zur «Zocker AG» gehörte laut dem «Spiegel» auch der designierte Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Er soll nach Ackermanns Abtreten im kommenden Mai die Leitung des Geldinstituts übernehmen. Unter Ackermanns Ägide hatte der gewiefte Investmentbanker alle Freiheiten und begann, für den US-Immobilienmarkt komplexe, verschachtelte Finanzinstrumente zu entwickeln. So wurde die Deutsche Bank in den Jahren vor dem Ausbruch der Finanzkrise zu einem der grössten Akteure im Geschäft mit US-Immobilienkrediten.

Doch der «Spiegel» geht noch weiter: In den Jahren vor dem Ausbruch der Finanzkrise habe die Deutsche Bank «gelogen, betrogen und hintergangen». Sie habe ihre Kunden geprellt und sich dabei selbst bereichert.

Das doppelte Spiel

Das Vergehen: Die Deutsche Bank kaufte milliardenschwere Immobilienkredite auf, und reichte diese an Investoren weiter. Es sind Wertpapiere mit Hypotheken als Sicherheit. Nicht zuletzt soll das Frankfurter Institut ein doppeltes Spiel gespielt haben: Ihre eigenen Investmentbanker, wie der ehemalige Credit-Suisse-Mann Greg Lippmann, wetteten gegen die eigenen Finanzprodukte. Mit ihren Transaktionen habe die Deutsche Bank «einen fatalen Kreislauf» angeheizt.

Beim Ausbruch der Krise lag die Deutsche Bank auf Platz drei der grössten Aussteller von verbrieften Hypothekenpapieren in Amerika. Morgan Stanley, Merrill Lynch, JPMorgan Chase und Goldman Sachs hatte sie hinter sich gelassen. Die zwei Finanzhäuser, die noch vor der Deutschen Bank standen, waren Bear Stearns und Lehman Brothers. Beide sind bankrott gegangen.

Klagen in Milliardenhöhe

Die Konsequenzen für das Verhalten der Deutschen Bank und ihrer Führungsriege: Es stehen Klagen von über 1,5 Milliarden Dollar ins Haus. Neben der US-Regierung klagen auch die eigens für die Deals gegründeten Zweckgesellschaften der Deutschen Bank, die US-Hausfinanzierungsbehörde FHFA sowie der US-Lehrer-Pensionsfonds. Die US-Wertpapieraufsicht SEC führt zurzeit Ermittlungen gegen das Geldhaus.

Josef Ackermann, der Bad Banker aus der Schweiz, ist zwar an der weltweiten Finanzkrise von 2008 mitschuldig, rechtliche Konsequenzen wird es - mit Blick auf ähnliche Fälle - für ihn wohl kaum haben. Er wird sich höchstens auf die Fahne schreiben können, dass er am Anfang einer Veränderung im Bankensektor stand, wie der «Spiegel» schreibt: «Die Krise, die Jain und Ackermann mitausgelöst haben, hat den Lebensraum für Banken verändert. Die Kapitalregeln sind strenger geworden, die Gesetze härter, die Gewinne bescheidener. Nur wer sich den neuen Bedingungen anpasst, hat eine Chance, an der Spitze zu überleben.» Das, indes, wird die Herausforderung für Jain sein.

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